
1,50 Meter breit, 3,50 Meter hoch – die Portraits sind beeindruckend groß. Umso erschütternder ist, zu wissen, dass die Menschen, die sie zeigen, zu beängstigend kleinen, bedrohten Völkern gehören. Portraitiert hat sie der kolumbianische Fotograf Jaime Ocampo-Rangel in seinem über Jahrzehnte erarbeiteten Lebenswerk.
40 verschiede Ethnien hat er weltweit besucht, Bilder von 14 Völkern sind derzeit im Museum LA8 in Baden-Baden in der Ausstellung „Memory of Colors“, englisch für „Erinnerung an Farben“ oder „Erinnerung der Farben“, und noch bis zum 8. März 2026 zu sehen.

Die Darstellungen verbindet, dass Jaime Ocampo-Rangel die Menschen vor einfarbigen Flächen in der Farbe, die in ihrer Kultur eine wichtige Bedeutung hat, abbildet. Sie tragen ihre typische Kleidung, um deren Erhalt sie ebenso kämpfen wie darum, dass ihre Sprache und Kultur nicht untergehen. Gemeinsam ist vielen von ihnen, dass sie ihren Lebensraum durch Eroberung, Kolonisation, Staatsgründung oder Klimakatastrophe verloren haben und zu Fremden im eigenen Land wurden.
Weltweit und unter allen klimatischen Bedingungen leben Völker in dieser bedrohten Situation. Jaime Ocampo-Rangel zeigt das Bergvolk Dong in China, die russischen Ewenen, indische Sadhus, die Tuareg in West-Afrika, die Sorben in der Lausitz. Von den Bigouden-Frauen in der Bretagne, die hohe Hüte aus Spitzen tragen, leben nur noch zwei.
Angeordnet haben Jaime Ocampo-Rangel und Kuratorin Sabine Becker die Portraits nach den Farben des Regenbogens. Im Erdgeschoss des Museums hängen eher kühlere, im Obergeschoss eher wärmere Farben. Dort gibt es auch eine Weltkarte, auf der die Lebensräume der Menschen gekennzeichnet sind.
„Ich wusste, dass es nicht leicht sein würde, das Projekt umzusetzen“, erinnert sich Jaime Ocampo-Rangel. „Es war jedoch schon sehr früh in meinem Herzen.“ Er sei von seinem Heimatort Cali aus oft zu besonderen Völkern gereist, die auf schöne und friedliche Weise in der Gegenwart und in Frieden mit der Natur lebten. Später habe er die Bedeutung der Farbe verstanden und mit der Farbe Weiß erfolgreich ausprobiert, ob diese Art von Fotos möglich sei. Die Menschen, die er kontaktiert habe, seien grundsätzlich bereit gewesen, ein Teil des Projekts zu werden. Manchmal habe er allerdings nur ein einziges Foto machen können, „ich musste also sehr gut vorbereitet sein“, sagt er. Erst nach und nach seien jedoch die Sponsoren zu überzeugen gewesen. 2010 schließlich wurden die Arbeiten erstmals im UNESCO-Hauptquartier in Paris präsentiert.

„Ich mache diese Arbeit, dass ich die Herzen der Regierungen erreichen kann“, sagt er, „damit sie verstehen, welchen Schatz sie in ihren Ländern haben.“ Anstatt ihnen ihr Land wegzunehmen und ihre Umwelt zu zerstören, sollten sie sie schützen.“ Zusammen mit den Regierungen könne viel erreicht werden. „Ich muss weitermachen. Ich muss diese wichtige Aufgabe, die ich mir selbst gestellt habe, zu Ende bringen“, so Jaime Ocampo-Rangel.


