Thomas Rothfuss hat im Café Forum am 07. Februar 2025 einen interessanten Vortrag gehalten, der auf eine sehr große Resonanz stieß. Daher wollen wir einige Themen daraus an dieser Stelle veröffentlichen.
1. Auf, du junger Wandersmann, jetzo kommt die Zeit heran, die Wanderszeit die gibt uns Freud. Woll'n uns auf die Fahrt begeben, das ist unser schönstes Leben, große Wasser, Berg und Tal, anzuschauen überall.
2. An dem schönen Donaufluss, findet man ja seine Lust und seine Freud auf grüner Heid. Wo die Vöglein lieblich singen und die Hirschlein fröhlich springen, dann kommt man vor eine Stadt, wo man gute Arbeit hat.
3. Mancher hinterm Ofen sitzt, und gar fein die Ohren spitzt kein Stund vors Haus ist kommen raus. Den soll man als G'sell erkennen oder gar ein Meister nennen, der noch nirgends ist gewest, nur gesessen in seim Nest.
4. Mancher hat auf seiner Reis' ausgestanden Müh und Schweiß und Not und Pein, das muss so sein. Trägt s'Felleisen auf dem Rücken, trägt es über tausend Brücken bis er kommt nach Innsbruck ein, wo man trinkt Tiroler Wein.
5. Morgens, wenn der Tag angeht und die Sonn am Himmel steht so herrlich rot wie Milch und Blut, auf, ihr Brüder, lasst uns reisen, unserm Herrgott Dank erweisen für die fröhlich Wanderzeit, hier und in die Ewigkeit.
Wer kennt es nicht – dieses Lied und hat es schon oft gesungen. Aber hat man dabei an die fahrenden Gesellen gedacht, deren ureigenstes Lied das ist?
Tatsächlich klingelte im November ein Zimmergeselle in Wildberg an der Rathaustüre und sorgte für Staunen (siehe Mitteilungsblatt vom 06. November Nr. 45, S. 14). Der Berliner Vincent Leo Kant, Jahrgang 1996, ist seit zwei Jahren unterwegs. Sein Ziel ist Freiburg, dort will er zu einem Meister, der vor zehn Jahren ebenfalls auf der Walz war und ihm Arbeit angeboten hat.
Wanderschaft - Walz – Tippelei (Tippelbrüder) – alle drei Begriffe stehen für die gleiche Tradition. Im Mittelalter war es üblich, dass der ausgelernte Handwerksgeselle in seinem Heimatort, in dem meistens auch der Meister, der ihn ausgebildet hatte, seinen Betrieb führte, für mehrere Jahre verließ. Diese Regelung war für beide Seiten vorteilhaft. Da jeder Handwerksmeister eigene Tricks kannte, konnte der Geselle bei anderen Meistern Erfahrungen sammeln und sich so fortbilden. Für den ausbildenden Meister war es die Sicherheit, dass er nicht sofort junge Konkurrenz im selben Ort hatte.
Ende des 15. Jahrhunderts wird das Wandern der Gesellen zur Pflicht, unterbrochen durch Verbote führen die fünf deutschen Gesellenbruderschaften 1948 wieder das zünftige Wandern ein. 2015 wird die Walz von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.