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Brutvögel in Baden-Württemberg: Viele schon ausgestorben

Insgesamt sind bereits 27 Brutvogelarten bei uns für immer verloren. 118 sind gefährdet.
Das Braunkehlchen ist Vogel des Jahres 2023. Es steht auf der Roten Liste der Brutvögel in Baden-Württemberg.Foto: Jörg Rathgeber

Von 200 in Baden-Württemberg vorkommenden Brutvogelarten sind 118 in ihrem Bestand gefährdet, das sind 59 Prozent. In jüngster Zeit sind Flussuferläufer, Haselhuhn und Raubwürger aus unserer Landschaft komplett verschwunden. Insgesamt sind damit 27 Brutvogelarten in Baden-Württemberg ausgestorben. Dies ist bisher die höchste Zahl an ausgestorbenen Vogelarten der Roten Liste des Landes.

Rebhuhn_Brutvogel_bedrohte Vogelart_Rote Liste.Foto: NABU/Michael Eick
Rebhuhn_Brutvogel_bedrohte Vogelart_Rote Liste.
Foto: NABU/Michael Eick

Arten des Offenlandes nehmen besonders stark ab

Insbesondere bei den Arten des Offenlandes hält der starke Abwärtstrend an. Ehemals weitverbreitete und häufige Arten wie das Rebhuhn oder das Braunkehlchen werden auch in der aktuellen Roten Liste in der höchsten Gefährdungskategorie geführt.

Die Rote Liste herunterladen

Die Rote Liste der Brutvögel in Baden-Württembergs gibt's hier zum Download (Quelle: LUBW)

Braunkehlchen: vom Allerweltsvogel zum Aussterbe-Kandidaten

2023 trägt das in Baden-Württemberg selten gewordene Braunkehlchen (Saxicola rubetra) den Titel Vogel des Jahres.

In Baden-Württemberg ist der Wiesenbrüter vom häufigen Allerweltsvogel innerhalb weniger Jahrzehnte zum Aussterbe-Kandidaten geworden. „1950 lebten noch rund 5.000 Brutpaare bei uns, 1970 waren es fast nur noch halb so viele (2.600) und 1990 dann noch etwa 1.500. Innerhalb der letzten 30 Jahre sind 2.400 Brutvögel verschwunden“, rechnet der NABU-Vogelexperte Dr. Stefan Bosch vor.

Rote Liste_Braunkehlchen_Vogel des Jahres.Foto: NABU/M. Schäf
Rote Liste_Braunkehlchen_Vogel des Jahres.
Foto: NABU/M. Schäf

Sechs Arten zeigen positive Entwicklung auf

Für sechs Arten wurde in Baden-Württemberg eine Verbesserung der Gefährdungskategorie festgestellt. So hat sich die Population des Weißstorches in den vergangenen Jahren derart gut erholt, dass er nun aus der Roten Liste entlassen werden konnte. Auch die wärmeliebende Zaunammer gehört nunmehr zu den ungefährdeten Arten. Die Bestände von Triel, Heidelerche, Halsbandschnäpper und Bluthänfling haben sich ebenfalls verbessert und wurden entsprechend in der Roten Liste besser eingestuft.

Storch_Weissstorch_Nest.Foto: johan10/iStock/Thinkstock
Storch_Weissstorch_Nest.
Foto: johan10/iStock/Thinkstock

Willkommen: Triel und Felsenschwalbe

Der im 19. Jahrhundert in Baden-Württemberg und Deutschland ausgestorbene Triel siedelte sich am Oberrhein mit wenigen Brutpaaren wieder an. Die Felsenschwalbe konnte sich als Neuansiedlerin etablieren. Sie ist in Südeuropa verbreitet und siedelt sich aufgrund der Klimaverschiebung nun auch in Baden-Württemberg an.

Baden-Württemberg trägt für vier Arten bundesweit Verantwortung

Vier Arten haben deutschlandweit betrachtet ihre Hauptbrutgebiete in Baden-Württemberg: der jetzt wieder in Baden-Württemberg lebende Triel (100 %), der Alpensegler (95,4 %), der Halsbandschnäpper (65,2 %) und der Purpurreiher (58,3 %). Beim Auerhuhn hingegen setzt sich der landesweite Bestandsrückgang ungebremst fort, sodass der Anteil Baden-Württembergs am bundesweiten Bestand mit 25,7 Prozent weiter zurückgegangen ist. Im Jahr 2008 lag dieser noch bei 40 Prozent.

Auerhahn_Rote Liste_aussterben_Vogel_Huehnervogel.Foto: BobFalconer/iStock/Thinkstock
Auerhahn_Rote Liste_aussterben_Vogel_Huehnervogel.
Foto: BobFalconer/iStock/Thinkstock

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von LUBW/red
04.11.2022