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Im Ohr oder dahinter: Welche Hörgeräte-Modelle gibt es?

Bei Hörgeräte-Bauformen unterscheidet man zwischen: In-dem-Ohr-Hörgeräte (IdO) und Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten (HdO). Beide haben Vor- und Nachteile.
Verschiedene Hörgeräte angeordnet um HörgangmodellFoto: Liudmyla Liudmyla/ iStock / Getty Images Plus

In-dem-Ohr-Hörgeräte werden in den Gehörgang gesteckt und sind damit fast unsichtbar. Es sind Varianten von In-dem-Ohr-Hörgeräten erhältlich, die für den jeweiligen Gehörgang maßgefertigt werden und die damit so individuell sind, wie ein Fingerabdruck. Andere Varianten von In-dem-Ohr-Hörgeräten werden in Einheitsgrößen vorgefertigt und mit einem weichen Silikonmantel umschlossen, der sich dem Gehörgang anpasst.

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte bestehen aus zwei Teilen

Einerseits sitzt hinter der Ohrmuschel ein kleiner, unauffälliger Empfänger mit Mikrofonen und der Batterie. Die Schallausgabe der Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte befindet sich direkt im Gehörgang. Die Verbindung erfolgt entweder mit einem dünnen, transparenten Schlauch oder mit einem transparenten Kabel. Durch ihre Bauweise verbinden Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte den größtmöglichen Funktionsumfang mit einer unauffälligen Optik.
Beide Varianten der Hörgeräte haben Vor- und Nachteile. Je nach persönlichen Vorlieben und der Art des Hörverlustes sind sie für unterschiedliche Menschen geeignet.

In-dem-Ohr-Hörgeräte: die nahezu unsichtbaren Hörhelfer

Vorteile von In-dem-Ohr-Hörgeräten: Da die gesamte Technik der In-dem-Ohr-Hörgeräte im Gehörgang verschwindet, sind sie nicht nur besonders unauffällig, sie sind auch unempfindlich gegen äußere Berührungen durch Kleidung oder Kopfbedeckungen. In-dem-Ohr-Hörgeräte können kaum verrutschen oder unbeabsichtigt aus dem Ohr fallen, sodass sie gut beim Sport und sonstigen Freizeitaktivitäten getragen werden können. Da im Gehörgang keine Schweißdrüsen sitzen, ist auch das Schwitzen kein Problem. Natürliches Richtungshören, das durch die Schallbrechung der Ohrmuschel möglich ist, wird von In-dem-Ohr-Hörgeräten gut unterstützt.

Im-Ohr-Hörgeräte auf der Handfläche.Foto: Johnrob/ iStock / Getty Images Plus
Im-Ohr-Hörgeräte auf der Handfläche.
Foto: Johnrob/ iStock / Getty Images Plus

Für leichten bis mittelgradigen Hörverlust

Nachteile von In-dem-Ohr-Hörgeräten: Aufgrund der besonders kleinen Bauart ist die Leistung von In-dem-Ohr-Hörgeräten auf leichten bis mittelgradigen Hörverlust beschränkt. Außerdem dichten In-dem-Ohr-Hörgeräte den gesamten Gehörgang ab, was zu einer schlechteren Belüftung und einer überbetonten Wahrnehmung der eigenen Stimme führen kann. Die Bluetooth-Verbindung von In-dem-Ohr-Hörgeräten mit anderen technischen Geräten, wie Smartphone oder TV, ist bislang nur eingeschränkt möglich. Zwar kann beispielsweise ein Smartphone als Fernbedienung für die Lautstärke eingesetzt werden, doch das Telefonieren direkt über die In-dem-Ohr-Geräte ist nicht möglich.

Moderne Hörgeräte bieten viel Komfort.Foto: AlexRaths/iStock/Thinkstock
Moderne Hörgeräte bieten viel Komfort.
Foto: AlexRaths/iStock/Thinkstock

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte: leistungsstark und dezent

Vorteile von Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten: Auf dem Markt sind Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte für nahezu jede Art von Schwerhörigkeit erhältlich, auch für hochgradige Hörprobleme. Bei einer leichten bis mittelgradigen Schwerhörigkeit kann der Lautsprecher eines Hinter-dem-Ohr-Hörgerätes im Gehörgang mit einem Schirmchen oder einer offenen, maßgefertigten Otoplastik eingesetzt werden. Dadurch bleibt der Gehörgang stets gut belüftet und Geräusche von außen können zusätzlich zur Verstärkung aus dem Hinter-dem-Ohr-Gerät auf natürlichem Wege zum Trommelfell gelangen. Die Handhabung der Hinter-dem-Ohr-Geräte fällt aufgrund der Bauweise leicht, beispielsweise beim Batteriewechsel oder dem Aufladen von Akkus. Je nach Preisklasse der Hinter-dem-Ohr-Geräte ist eine Verbindung über Bluetooth mit anderen Geräten wie Smartphone oder TV möglich, sodass sie zusätzlich wie kabellose Kopfhörer funktionieren.

Rascheln und Reibungsgeräusche

Nachteile von Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten: Aufgrund der Position außerhalb des Gehörgangs können Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte beim Entkleiden oder beim Abnehmen von Kopfbedeckungen verrutschen, herunterfallen und verloren gehen. Außerdem können Kopfbedeckungen den Klang von Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten aufgrund der außen liegenden Mikrofone negativ beeinflussen, beispielsweise durch Rascheln und Reibungsgeräusche. Windgeräusche können bei Hinter-dem-Ohr-Geräten ebenfalls intensiver erscheinen.

Welches Hörgerät ist das richtige für Ihre Anforderungen?

Sowohl In-dem-Ohr-Hörgeräte als auch Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte sind in unterschiedlichen Preis- und Qualitätsklassen erhältlich. Die Wahl sollte genau zu

  • Ihrem Lebensstil,
  • Ihren täglichen Anforderungen und zu
  • Ihren individuellen Ansprüchen passen.

So kann ein Gerät der Basisklasse bereits für tägliche Aufgaben wie Unterhaltungen oder Spaziergänge gut geeignet sein. Wenn Sie sehr aktiv sind, eignen sich Modelle aus der Oberklasse gut. Hier kommen erstklassige Technologien wie eine anpassbare Spracherkennung, automatisches 360°-Hören oder Bluetooth-Funktion zum Einsatz.

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von Melanie Freitag/Dr. Marco Vietor, audibene GmbH/red
29.04.2020