
Niederstetten ist ein Städtchen im fränkischen Nordosten Baden-Württembergs. Der Theaterverein der knapp 5000-Einwohner-Stadt, das „Freilichttheater im Tempele“, wurde mit einem Staatspreis ausgezeichnet. Das ist umso bemerkenswerter, als man sich dabei gegen starke Konkurrenz aus Ballungszentren wie Stuttgart und Mannheim behaupten musste.
Seit 1991 wird in Niederstetten Theater auf sehr hohem Niveau gemacht. Ursprung der Theaterkultur waren die Feierlichkeiten zum großen Stadtjubiläum. Damals wurde ein Stück des Niederstettener Mundartdichters Gottlob Haag aufgeführt. Die Darbietungen erfreuten sich so großen Zuspruchs, dass sich eine Tradition entwickelte, mit zunächst jährlichen Aufführungen, später spielte man dann im zweijährigen Turnus.
Das entscheidende „Geheimrezept“ der Gruppe - von Anfang an, bis heute - ist sicherlich die innere Verpflichtung aller am Theatergeschehen Beteiligten zu höchstmöglicher Qualität - wie man sie sonst nur bei professionellen Theatern erlebt. Diese Ernsthaftigkeit verbindet sich in Niederstetten allerdings mit enormer Leidenschaft, Spielfreude und einer zeitaufwendigen Hingabe ans Detail, die man so nur im Amateurtheater findet. Jeder der insgesamt rund 150 Akteure gibt während der monatelangen Vorbereitungs-, Proben- und Aufführungsphase sein Äußerstes. Alles, was der Zuschauer sieht und hört, ist, bis auf wenige Ausnahmen, in hunderten, tausenden Stunden ehrenamtlicher Arbeit entstanden. Die Bühne, die Requisiten, die Kostüme, alles. Die entscheidenden Positionen des Freilichttheaters wie Regie, Bühnenbild, Kostümentwurf, Maske, Dramaturgie und Kostümschneiderei sind mit Profis besetzt, um dieses hohe Niveau zu erreichen.
Das „Tempele“ ist eine zauberhafte Tuffsteinformation, direkt an einem Flüsschen gelegen, in die der Bühnenbildner mithilfe eines ganzen Bühnenbauteams immer wieder neue, verblüffende Bühnenkreationen einpasst.
Theater- und Kulturschaffende weit über die Region hinaus bescheinigen dem Freilichttheater Niederstetten längst professionelle Qualität. Die Theatergruppe mit professionellem Anspruch hat sich zu einer einzigartig beliebten Amateurbühne entwickelt.
Mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ spiegelt sich auch der hohe Anspruch in der Auswahl der Stücke wider, dem die Jury des baden-württembergischen Staatspreises wegweisende Theaterkunst attestierte.


