Schon Oberamtmann Robert Majer schwärmte 1900 von der herrlichen Aussicht vom Kirgel, dem Gaildorfer Hausberg – damals noch ohne Turm. „Berg und Tal in reizender Gruppierung; überall mannigfaltige, das Auge wohltuend berührende Abwechslung und ringsum auf den Höhen prächtige Tannenwälder, von denen sich die frischgrünen Bergwiesen in steilen Hängen zur Talmulde hinabsenken.“
Majer war es auch, der die Anregung gab, auf dem Bergrücken einen Aussichtsturm zu errichten. Zwei Jahre später, beschloss die Ortsgruppe Gaildorf des Schwäbischen Albvereins den Turmbau in Angriff zu nehmen. Bereits im Herbst 1902 konnte die „Aussichtsanlage“ auf dem Kirgel eingeweiht werden: ein etwa 12 Meter hoher Holzturm auf einem quadratischen Steinfundament. Über eine Innentreppe gelangt man zu einem Umlauf in rund sieben Metern Höhe.
Die Aussicht vom Kirgel hat sich indes über die Jahre verändert. Der ehemals weitgehend kahle Bergrücken ist heute bewaldet. Über den Skihang sieht man nach Gaildorf hinunter und auf die, sich im Nordosten jenseits des Kochers erhebenden, Limpurger Berge. Die Aussicht in die anderen Richtungen wird, abhängig von der Jahreszeit, durch die Baumkronen der umstehenden Bäume behindert.
Der Turm erhielt seinen Namen zu Ehren von Theobald Kerner. Der Arzt, Dichter und Demokrat wurde 1817 in Gaildorf geboren. Sein Vater, Justinus Kerner, war von 1815 bis 1819 Oberamtsarzt in Gaildorf.
Am Turm vorbei führt der Gaildorfer Kulturweg. Er beginnt auf dem Hallengelände an der Schloss-Straße und führt über den Kocherdamm und den Steg zum „Brandenburger Törle“, danach über die Graf-Pückler-Straße und die Kernerstraße hoch zum Kernerturm. Weiter geht es den Höhenweg entlang, bevor der Weg wieder hinunter ins Tal führt, vorbei am ehemaligen Krankenhaus und zurück zum Ausgangspunkt.
Die neun Thementafeln entlang des 4,6 km langen Rundweges sind Aspekten der Stadtgeschichte gewidmet: der Stadtbefestigung, den Schenken von Limpurg, dem legendären Gaildorfer Oberamtsarzt und Dichter Justinus Kerner, der evangelischen Stadtkirche, den Mainhardter Räubern, die auch in hiesigen Gefilden ihr wüstes Unwesen trieben, den Hexenprozessen, dem in Gaildorf durch Christoph Wagner entwickelten Blendersaumschlag, der weltweit die Forstwissenschaft revolutionierte, den Limpurger Rindern und Gaildorfer Pferden sowie der wechselvollen Geschichte des Krankenhauses.


