Mehr als 20 Leute hatten sich am vergangenen Mittwoch in der Schwetzinger Kleiderstube versammelt. Fast Schulter und Schulter standen die Gäste in den kleinen, aber feinen Räumlichkeiten der Friedrichsfelder Landstraße 2 beisammen; was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat. Schließlich gab es einen gebührenden Anlass zum Feiern mit dem 10. Geburtstag der ehrenamtlich betriebenen Institution, die Bedürftigen gut erhaltene Kleidung zu günstigen Preisen anbietet.
Bürgermeisterin Lisa Schlüter hieß die Anwesenden willkommen und gab in ihrer Begrüßung einen Einblick in die Historie der Einrichtung. Die Ursprünge der Kleiderstube liegen im Bereich der Sachspendenarbeit, initiiert von Nicole Chilla, als Reaktion auf die damals hohen Flüchtlingszahlen in den Jahren 2015 und 2016. Katharina Seufert schloss sich an, gefolgt von Jutta Richter und Ingrid Litschka.
Zu ihrem Jubiläum kann die Einrichtung auf viele Erfolge zurückblicken: So zum Beispiel auf das Projekt „Lift Up Stella“, wo die Kleiderstube 2017 eine Familie finanziell unterstützte, die den Einbau eines Treppenlifts für ihre auf den Rollstuhl angewiesene Tochter benötigte. Ein neues Klavier für die Jugendarbeit und das Ferienprogramm wurden ebenfalls von der Einrichtung unterstützt.
30 bis 35 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer packen aktuell im Team mit an. Einige der Freiwilligen kommen aus sozialen Berufen und nutzen ihren Ruhestand nun für ihr Engagement in der Kleiderstube. Unterstützt werden sie dabei auch regelmäßig von Schülerinnen und Schülern der Comenius-Schule, die ihr Sozialpraktikum dort absolvieren. Die Absprache funktioniert dabei sehr gut, erklärt Ulrike Schilling, die seit drei Jahren mit dabei ist: „Über unsere WhatsApp-Gruppe können wir die digitale Planung gut vornehmen, und wenn nötig klappt es stets gut eine Vertretung zu finden.“
Die Kundschaft der Kleiderstube ist vielfältig. Auch Familien mit Kindern gehören dazu. So erzählt Christoph Wobbe, seit der ersten Stunde mit engagiert, wie sich bei manchen Kunden ein Kreislauf eingespielt hat: Eltern, deren Kinder aus den in der Kleiderstube gekauften Klamotten herausgewachsen sind, spenden die Kleidung für die nächste Generation an bedürftigen Kindern wieder zurück. Auch im Bereich Integration leistet die Kleiderstube einen Beitrag: Paviz Khian, im Februar 2025 aus dem Iran geflüchtet, hat sich direkt von den Freiwilligen dort willkommen geheißen gefühlt: „Die Kleiderstube hat mir in meiner schlimmsten Lebensphase Hoffnung gegeben.“ Durch seine Sprachkenntnisse in Persisch, Dari, Englisch und Türkisch hilft er nun unter anderem auch beim Übersetzen, wenn es bei Kunden Sprachhürden gibt.
Das Team der Kleiderstube ist um jede Spende froh, bittet aber um Einhaltung der Abgaberegeln. Nur gut erhaltene Kleidung soll unter den Spenden sein, ohne Löcher, Flecken oder ähnliches. Das Aussortieren stellt sonst einen erheblichen Mehraufwand dar. Ebenso dürfen Spenden nur zu den Öffnungszeiten abgegeben werden, und nicht einfach vor der Tür abgestellt. Dies erleichtert den Freiwilligen ihre Arbeit in der Einrichtung, die nun seit einem Jahrzehnt einen Ort für Begegnung, Integration und soziale Hilfe stellt.
Die Kleiderstube (Friedrichsfelder Straße 2, Ecke Friedrich-Ebert-Straße) gibt bedarfsgerecht Kleiderspenden an alle Bedürftigen in Schwetzingen und Umgebung aus. Für den Nachweis der Bedürftigkeit ist der Berechtigungsausweis mitzubringen. Öffnungszeiten sind Montag bis Donnerstag, 9.30 Uhr bis 12 Uhr, Mittwoch und Freitag, 16 Uhr bis 18 Uhr, und Samstag, 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr.



