Im Zusammenhang mit einem Rückblick auf die Gedenkstättenfahrt des Ettlinger Bündnisses gegen Rassismus und Neonazis zur Gedenkstätte KZ Osthofen erinnerten die Sprecher*innen des Zusammenschlusses Monika Engelhardt-Behringer und Dieter Behringer an den 125. Geburtstag der Mainzer Schriftstellerin Anna Seghers, die am 19. November 1900 als Tochter des angesehenen jüdischen Kunst- und Antiquitätenhändlers Isidor Reiling und dessen Frau Hedwig geboren wurde. Nach kurzer Gestapohaft floh sie 1933 nach Paris ins Exil. Dort entstand auch ihr weltberühmter Roman „Das siebte Kreuz“. Darin erzählt sie von einer Flucht aus einem fiktiven Konzentrationslager Westhofen. Diese Flucht ist im Jahr 1937 angesiedelt, zu einer Zeit, als das reale KZ im Nachbarort Osthofen bereits seit drei Jahren geschlossen war. Wirklichkeitsnah schildert Anna Seghers, wie brutal die NS-Machthaber mit politischen Gegnern umgingen. Außerdem beschreibt sie die unterschiedlichen Reaktionen der einheimischen Bevölkerung auf die Verhaftungen von Nachbarn und Freunden am Anfang des deutschen Faschismus.
Nach der deutschen Besetzung Frankreichs gelingt es ihr, nach Mexiko zu fliehen, wo sie mehrere große Werke der Weltliteratur schreibt. 1947 kehrte Anna Seghers nach Deutschland zurück. Sie starb am 1. Juni 1983.
Besonders faszinierend wirkte auf die jugendlichen Teilnehmer*innen der Gedenkstättenfahrt der Optimismus der Schriftstellerin. Sie besteht darauf, die Hoffnung nie aufzugeben. Im „Siebten Kreuz“ werden zwar sechs der geflohenen KZ-Häftlinge ermordet, das für den Kommunisten Georg Heisler bestimmte siebte Kreuz bleibt aber leer. Sie kriegen ihn nicht, er widersetzt sich erfolgreich dem NS-System und gewinnt die Freiheit. Auch wenn schon alles verloren scheint, Widerstand angesichts der Übermacht des Gegners sinnlos erscheint, besteht Hoffnung. Das ist doch eine optimistische Botschaft!
Anna Seghers hätte in Mexiko bleiben können, sie ging aber in das politisch zerrissene, hungernde und kalte Deutschland zurück, um zum Aufbau beizutragen. Diesem Optimismus konnten sich unsere Jugendlichen nicht entziehen! Wir auch nicht!