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20 Jahre Bürgerstiftung: Interview mit einem Lesepaten

„Ehrenamt ist wie eine Frischzellenkur“ Mit diesem Interview wird die Reihe fortgesetzt, in der Ehrenamtliche vorgestellt werden, die sich mit Zeit,...
Lesepate Hubert Feil.Foto: Bürgerstiftung Wiesloch

„Ehrenamt ist wie eine Frischzellenkur“

Mit diesem Interview wird die Reihe fortgesetzt, in der Ehrenamtliche vorgestellt werden, die sich mit Zeit, Ideen und ganz viel Engagement für die Stadt Wiesloch einsetzen. In den Lesepatenschaften „Die Buchstabenfüchse“ für Grundschüler sind aktuell 30 Personen aktiv. Drei davon sind seit den Anfängen des Angebots der Bürgerstiftung Wiesloch im Jahr 2008 dabei. Hubert Feil ist seit 2018 dabei.

Bürgerstiftung: Warum bist du in der Bürgerstiftung Wiesloch aktiv?

Hubert Feil: Wer wie ich keine Familie hat, braucht den Kontakt zu anderen Menschen. Wenn man etwas mit und für andere Menschen tut, hält man sich jung. Das ist wie eine Frischzellenkur; solches Engagement ist ein Geschenk für die anderen UND für mich.

Ich sehe bei anderen „aktiven Rentnern“, dass sie zwar sehr viel machen - schwimmen, wandern, Kulturveranstaltungen besuchen usw. - aber dabei geht es hauptsächlich um sie selbst. Ich finde, diese Leute erstarren irgendwie. Ich will nicht langsam so „veröden“, deshalb möchte ich immer wieder neue Impulse. Ich habe mit Zeitgeschenk angefangen. Es ist zwar schön, die alten Leute zu besuchen, aber ich sehe dann auch, wie sie nach ein paar Jahren in die Demenz gleiten. Da habe ich festgestellt, ich brauche den Input von jungen Menschen. So bin ich zu den Lesepatenschaften gekommen: Eine Freundin, die damals noch in KiTa und Grundschule arbeitete und dadurch von den Angeboten der Bürgerstiftung wusste, hat mich auf die Lesepatenschaften aufmerksam gemacht.

BS: Wie sieht dein Einsatz aus?

Feil: Ich habe sowohl an der Merian- als auch an der Schillerschule Patenkinder. Meine Buchstabenfüchse fordern mich schon heftig heraus, weil ich eben mangels eigener Enkel keine Erfahrung mit heutigen Grundschulkindern habe. Die genannte Freundin unterstützt mich umfassend bei meinem Patendasein. Fast alle Kinder lehnen das klassische Lesen ab. Wenn sie ein Buch sehen, blockieren sie sofort. Für sie scheint es hauptsächlich die digitale Welt zu geben. Deshalb setze ich bewusst einen Kontrapunkt und zeige, dass es auch nicht digital geht. Ich habe mittlerweile einen ganzen „Werkzeugkoffer“ mit Spielen; haptische Leselernspiele sind der Trick: die Kinder lesen und legen z.B. Kärtchen und merken dabei gar nicht, dass sie lesen. Aber so geben mir die Kinder immer wieder neue Impulse. Und ich muss mich immer bemühen, ihnen Neues oder Anderes zu präsentieren. Das ist eine Herausforderung, der ich mich gern stelle, damit ich eben nicht in meinem Status quo erstarre.

BS: Bereichert dein Engagement in der Bürgerstiftung Wiesloch deinen Alltag, dein Leben?

Feil: Oh ja. In den Lesepatenschaften geht es ja vor allem um menschliches Beisammensein. Gespräche sind viel wichtiger und zielführender für unsere Buchstabenfüchse, als ein Lese-/Lernprogramm abzuarbeiten. Wenn ein Kind in einer besonderen Lebenssituation ist und davon erzählen muss, dann gehe ich darauf ein. Ich habe bei so vielen meiner Patenkinder gemerkt, dass sie hungern nach Verständnis und Nähe und einfach Zeit von einem Erwachsenen nur für sie. Das kann kein Lehrer im Klassenverband leisten. Deswegen sind die Patenschaften so wichtig.

BS: Aus welchen Gründen würdest du jemandem die Bürgerstiftung Wiesloch empfehlen?

Feil: Auf jeden Fall. Man findet dort ein passgenaues Engagement und wird hervorragend betreut. Man kommt aus seiner Blase heraus, interagiert mit anderen Leuten, bekommt immer wieder neue Impulse. Das macht lebendig und bringt viel Freude. (bs/red)

Info: www.buergerstiftung-wiesloch.de

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