Am vergangenen Wochenende konnte das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis auf sein zwanzigjähriges Bestehen zurückblicken. Gegründet am 9. November 2005, am 67. Jahrestag der Reichspogromnacht, kann der Zusammenschluss von engagierten Bürgerinnen und Bürgern bedeutsame Ergebnisse vorweisen.
Zuerst ging es darum, das Ettlinger Jugendzentrum Specht vor neonazistischen Übergriffen zu schützen und Jugendliche über Rassismus, Faschismus und die dahinter stehenden Ideologien aufzuklären, um sie resistent gegen rechte Indoktrination zu machen. Auch die Etablierung einer demokratischen Gedenkkultur sah das Bündnis als wichtiges Aufgabengebiet. Ziel war, möglichst viele Menschen zusammenzubringen, die sich für ein demokratisches und tolerantes Miteinander engagieren, um so ein langfristiges Engagement gegen Rassismus und Faschismus zu entwickeln und zu stärken.
Später widmete sich das Ettlinger Bündnis auch der Recherche von Schicksalen von Opfern des Faschismus in Ettlingen und der Verlegung von Stolpersteinen zusammen mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig. Bei Juden konnte auf eine umfangreiche Forschungsarbeit zurückgegriffen werden, so dass schon 2010 die ersten Stolpersteine in Ettlingen vor den letzten Wohnhäusern der von den Faschisten Ermordeten in das Straßenpflaster eingelassen werden konnten.
Anders war das bei sogenannten Euthanasie-Opfern und Zwangsarbeitern. Hier mussten alle Daten und Fakten selbst zusammengetragen werden. Puzzleteil zu Puzzleteil.
Heute gibt es in Ettlingen 50 Stolpersteine.
Es entstand ein selbst verfasste Dokumentation zu den verlegten Stolpersteinen, mit der das Bündnis alle Ettlinger Schulen ausstattete. Weitere Veröffentlichungen über einen in Ettlingen geborenen Verteidiger der Spanischen Republik, über Ettlinger Sinti-Jungen, die in Auschwitz vergast worden waren und zum Ettlinger Gestapogefängnis schlossen sich an. An unseren jährlichen Fahrten zu Gedenkstätten gegen den deutschen Faschismus nehmen in der Mehrzahl Jugendliche teil.
Auf Initiative des Ettlinger Bündnisses errichtete die Stadt das Mahnmal gegen Zwangsarbeit auf dem Ettlinger Friedhof. Wir laden jedes Jahr um den 8. Mai herum die Ettlinger Bürgerinnen und Bürger zu unserer Gedenkveranstaltung an diesem Ort ein.
Eine Arbeitsgruppe versuchte, Diskriminierendes in Straßennamen und Speisekarten aufzuzeigen. Über Argumente gegen Hindenburgs Ehrenbürgerschaft in Ettlingen informierten wir Gemeinderat und Bevölkerung.
Daneben sah und sieht das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis seine Bestimmung darin, rechten Umtrieben entgegenzutreten. Da dieses Problem sich immer weiter auswächst, ist dadurch sehr viel Zeit gebunden. Wir rufen alle Menschen zur Mitarbeit auf, die sich für ein Engagement in unserem Sinne interessieren!
Zwanzig Jahre Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis, kein Grund zu feiern! Der bestünde, wenn es keinen Faschismus und Rassismus mehr gäbe! Dann wäre das Ettlinger Bündnis überflüssig! Dafür arbeiten wir!
Für eine Welt ohne Faschismus, Rassismus und Krieg!
www.ettlinger-buendnis.de