Trotz des schönen Frühlingsabends fanden sich am 24. April um die 50 Menschen im Ev. Gemeindehaus ein, um den Auftakt zum Jubiläumsjahr unseres Weltladens zu feiern.
Als Verein betreiben wir den Weltladen ja erst seit 2022. Davor lag unser Weltladen in den Händen von Ursula und Klaus Lindmaier unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Untergruppenbach. Im Gespräch mit unserem Vereinsvorsitzenden Thomas Nowobilski erzählten Ursula und Klaus Lindmaier aus der bewegten Geschichte des Weltladens, gespickt mit kleinen Anekdoten.
Unterstützt wurde das Durchschreiten der 35 Jahre durch die gelungene Präsentation unserer Mitarbeiterin Ute Sykor. Eine Kurzform der Präsentation hängt auch im Laden aus.
Nach dieser Einleitung gestalteten die Referentinnen von „Shining Eyes e.V.“ den Hauptvortrag zu „hidden hunger“, also verstecktem Hunger kompetent, anschaulich und bewegend.
Agrar-Ingenieurin Andrea Wetzer, die lange Jahre nicht nur, aber hauptsächlich in Afrika in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit tätig war, erklärte uns zuerst einmal das Problem „hidden hunger“. Versteckter Hunger bedeutet satt sein durch Kohlehydrate, ohne dem Körper weitere, lebenswichtige Mikronährstoffe zuzuführen. Weltweit gesehen führt hauptsächlich der Mangel an Eisen, Jod, Zink und Vitamin A zu Folgeerscheinungen.
Das Problem „hidden hunger“ ist allgegenwärtig, denn nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Industrienationen wie Deutschland herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Kohlehydraten, die satt machen, und den Nährstoffen, die wir brauchen.
Als Ursachen führte Andrea Wetzer zum Beispiel Armut an, durch die sich Menschen hier wie anderswo frisches Gemüse und abwechslungsreiche Ernährung kaum leisten können. Für die Industrienationen seien unter anderem auch hoch verarbeitete Lebensmittel Teil des Problems, da auch diese kaum Mikronährstoffe bieten.
Als Auswege aus dem versteckten Hunger zeigte Andrea Wetzer unterschiedliche Konzepte auf. Zu allen Konzepten gehört jedoch Aufklärung. Sie brach zum Schluss auch eine Lanze für die Lebensmittel, die im Weltladen zu kaufen sind. In ihren Augen seien die Lebensmittel des Weltladens von höchster Qualität.
Dr. rer. soc. Silvia Golembiewski, Entwicklungsökonomin, stellte anschließend mit Bildern dar, wie sich der versteckte Hunger in den indischen Adivasi-Dörfern zeigt, wo die Ureinwohner Indiens traditionell vom Reisanbau leben.
Sie erforschte zuerst die Situation: Versteckter Hunger hat Folgen für den Körper, z.B. verlangsamter Körperwuchs und Beeinträchtigungen der inneren Organe. Genauso schlimme Auswirkungen hat der Nährstoffmangel auf die psychische Entwicklung des Menschen, denn durch den Mangel erleidet auch das Gehirn Schäden. Die Folgen sind nicht zuletzt schlechte Lernleistungen. Somit entsteht ein Teufelskreis.
Silvia Golembiewski stellte dann das Konzept vor, wie dem versteckten Hunger in den ersten Tausend Tagen eines Menschenlebens zu begegnen ist. Die Maßnahmen beginnen während der Schwangerschaft und begleiten die Neugeborenen bis zum Ende des zweiten Lebensjahres. Währenddessen werden die Mütter unterstützt durch mikronährstoffreiche Nahrung. Zusätzlich lernen sie, mikrostoffreiche Nahrung herzustellen, z.B. durch Fermentation.
Wie kann man Gemüse fermentieren? Das Rezept von Shining Eyes e.V. lautet:
„500 g Gemüse, 500 ml Wasser, 10 g Salz.
Gemüse in Streifen schneiden und in ein Glas eng setzen. Das Gemüse mit dem Salzwasser vollständig bedecken (dazu eventuell ein Fermentationsgewicht nutzen). Glas täglich ablassen. Nach 5 bis 7 Tagen ist das Gemüse leicht säuerlich und passt zu Salaten, Suppen, Broten …“
Zu viel Gesprächsstoff sorgte in der anschließenden Pause der Ratschlag von Silvia Golembiewski, täglich 30 unterschiedliche Pflanzen zu sich zu nehmen. Das ist eigentlich gar nicht so schwer, mussten wir feststellen. Denn dazu zählen z.B. viele Kräuter und Gewürze, die wir im Weltladen anbieten. Sie sind, denn alle in Bio-Qualität, oft günstiger als vergleichbare Produkte im Supermarkt. Geschmacklich sind sie kaum übertroffen.
In der Pause konnten wir auch Moringa- und Kichererbsen-Kekse probieren, mikronährstoffhaltige Nahrung, welche Aktive des Vereins Shining Eyes e.V. gebacken haben und die auch zum Ernährungsprogramm in den Santi- bzw. Adivasi-Dörfern zählen.
Dr. med. Monika Golembiewski, Kinderärztin aus Flein, erzählte dann aus der Geschichte von „Shining Eyes e.V.“ Vor ungefähr 30 Jahren besuchte sie Westbengalen, was fortan ihr Handeln prägen sollte. Sie berichtete vor allem vom ehrenamtlichen Engagement in Indien. Sie stellte die Arbeit der Kinderklinik vor, die dann gegründet wurde.
Die Klinik hat 40 Betten und an die Klinik sind 13 Dörfer mit gut ausgebildeten Dorfgesundheitshelferinnen fest angebunden. Dort werden heute eben besonders mangelernährte Kinder und deren Mütter medizinisch versorgt. Dazu verhilft die Klinik, nachhaltig Strukturen zu legen, um eine dauerhafte Verbesserung der Lebenssituation stabil herbeizuführen. Besonders beeindruckend hat Monika Golembiewski von den Verbesserungen berichtet.
Mehr Informationen zum Indien-Projekt „Shining Eyes“ finden Sie unter www.shiningeyes.de.
Thomas Nowobilski, unser vielseitig begabter Vereinsvorsteher, hat zum Abschluss ein extrem wohlschmeckendes und gesundes Dhal kredenzt, das auch allgemeine Begeisterung hervorrief. Das Rezept wird im Weltladen ausliegen. (db)
Weltladen Untergruppenbach, Heilbronner Straße 1
Öffnungszeiten
Mo.–Sa.: 9.30–12.00 Uhr
Mo.–Fr.: 15.00–18.00 Uhr