Heute blenden wir 31 Jahre zurück: Am 4. Dezember 1994 protestierte eine Bürgerinitiative gegen den Bau von zehn „Punkthäusern“ zwischen den früheren US-Wohnblocks im Norden des Scharnhauser Parks. Von den rund 900 Bewohnern des Gebietes waren allerdings nur 40 Personen anwesend. In einem Flugblatt schrieb die Bürgerinitiative, dass die Siedlung nach dem Bau der Punkthäuser „zu einer beengenden Art Festung wird, überragt von massigen Betontürmen“. Kinder hätten keinen Platz mehr zu Spielen, das ökologische Gleichgewicht würde gestört, und „allen Wohnungen würde ein erhebliches Maß an Tageslicht fehlen“, so die apokalyptische Vision – als ob nicht fast jede Wohnung im Stadtgebiet irgendwann am Tag vom Schatten eines Nachbarhauses betroffen wäre.
Die Stadt Ostfildern hatte die mit reichlichem Abstand voneinander stehenden Offiziers-Wohnblocks vom Bund gekauft. Das Verhältnis von Gebietsfläche und Zahl der Wohneinheiten stimmte jedoch nicht, und so wollte man mit zehn Hochhäusern nachverdichten. Die Punkthäuser wurden gebaut, und sie störten dann eigentlich niemanden mehr. Heute sind sie als städtebaulicher Akzent nicht mehr wegzudenken. Aber es war wie immer, wenn sich die Schwarzmalerei der Angstmacher nicht bewahrheitet: Ein zweites Flugblatt, mit dem man sich für seinen Irrtum entschuldigte, wurde nie gedruckt.