Was 1975 als Initiative aus dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) heraus entstand, hat sich in fünf Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil der Eingliederungshilfe entwickelt. Heute ist der SPHV mit 74 Objekten und über 30 Fahrzeugen im gesamten Kreisgebiet präsent – dezentral, flexibel und nahe bei den Menschen.
„Das PZN war die Mama des SPHV“, sagt Geschäftsführer Christoph Klotz. „Diese Verbundenheit zeigt sich bis heute: Wir übernehmen Vor- und Nachsorge vieler Patientinnen und Patienten, ohne die Kooperation könnten weder wir noch das PZN die Versorgung im Kreis stemmen.“
Die ersten Jahrzehnte waren geprägt von starkem Wachstum. In den letzten Jahren kam es zu einer Phase der Konsolidierung: Verwaltungsaufgaben, die Umstellung auf das Bundesteilhabegesetz (BTHG), regelmäßige Entgeltverhandlungen und die Sanierung älterer Immobilien stellen den Verein vor neue Herausforderungen.
„Wir sind aktuell stark damit beschäftigt, das Bestehende zukunftsfähig zu machen und zu erhalten“, betont Klotz. Gleichzeitig entwickelt sich der SPHV in Projekten wie im Neckartal, wo durch neue Planungsräume des Kreises eine enge Abstimmung notwendig ist.
Die Ausgliederung in die gGmbH im Jahr 2020 ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Mit Satzungsanpassungen und einem angepassten Gesellschaftsvertrag wurden die rechtlichen Grundlagen gefestigt.
Grundsätzlich ist der SPHV finanziell solide aufgestellt. Die Finanzierung erfolgt je nach Angebot über den Kreis, die Krankenkassen oder die Bundesagentur für Arbeit. Manche Bereiche – etwa in der Grundversorgung oder Freizeitgestaltung – sind jedoch defizitär. „Um unser pädagogisches Konzept vollständig umzusetzen, nehmen wir bewusst auch nicht auskömmliche Bereiche mit“, erklärt Klotz. „Dafür sind wir auf Spenden angewiesen, die uns entscheidend unterstützen.“
Der SPHV versteht sich nicht nur als Träger, sondern auch als Stimme für psychisch erkrankte Menschen. In den psychosozialen Arbeitskreisen (PSAK) auf Kreisebene, bei Vorträgen vor dem Kreistag oder durch die Mitarbeit in Landes- und Regionalarbeitsgemeinschaften bringt er seine Expertise ein.
Auch die Begegnung mit der Öffentlichkeit spielt eine wichtige Rolle: Führungen durch Werkstätten oder Einrichtungen, Informationsveranstaltungen und Presseberichte tragen zur Entstigmatisierung und zu gegenseitigem Verständnis bei.
Die Bandbreite der Arbeit ist groß: Vom Kinderprojekt „Auryn“ ab sechs Jahren über das Junge-Menschen-Programm bis hin zur Betreuung hochbetagter Menschen reicht das Spektrum. Der Fokus liegt meist auf Volljährigen, doch der SPHV begleitet Menschen „von 6 bis 88 Jahren“, wie Klotz sagt – solange es die Eingliederungshilfe zulässt.
Die Unterstützung reicht von Wohnen mit Assistenz über berufliche Rehabilitation bis zu Freizeitangeboten.
Besonders wichtig ist die Tagesstruktur: Sie ermöglicht einen niederschwelligen Einstieg in die Rehabilitation, oft mit nur wenigen Stunden pro Woche. In Wiesloch etwa bietet die Tagesstätte Platz für rund 80 Personen – individuell abgestimmt auf Bedürfnisse, Fähigkeiten und Lebenssituationen.
Manche machen kleine Arbeitseinsätze, andere erhalten kognitive Angebote wie Rechen- oder Sprachübungen, wieder andere übernehmen alltagspraktische Aufgaben wie das Zubereiten von Pausen.
„Für viele ist es der erste Schritt aus der Isolation, andere halten damit einfach ihren Alltag stabil“, erklärt Bereichsleiterin Marcella Fandry.
Neben der engen Partnerschaft mit dem PZN arbeitet der SPHV mit zahlreichen Einrichtungen zusammen: dem Beruflichen Trainingszentrum (BTZ), der RPK, der SRH, der Johannes-Diakonie oder lokalen Jugendagenturen. In den Gemeindepsychiatrischen Zentren und den regionalen Arbeitskreisen sind diese Kooperationen fest verankert.
„Man hat hier darauf geachtet, dass sich die Angebote nicht kannibalisieren, sondern ergänzen“, so Klotz. „So können wir gemeinsam das Ziel verfolgen, Menschen zurück ins Leben zu begleiten.“ Manfred Walter, Vorsitzender des Vereins, erinnert an die Wurzeln: „Die Ideengeber waren Dr. Mittelhoff, damaliger PZN-Chef, und Herr Weber, der Verwaltungschef. Ihnen gebührt unser Dank – ohne sie gäbe es den SPHV nicht.“
Von Hockenheim bis Eberbach, von Rauenberg bis Meckesheim: Der SPHV betreut kreisweit Menschen mit psychischen Erkrankungen. Das Einzugsgebiet umfasst fast 100 Kilometer in der Länge und 40 Kilometer in der Breite.
Die dezentrale Struktur erfordert viel Organisation – 30 Fahrzeuge sind täglich im Einsatz –, ermöglicht aber auch Nähe und Flexibilität. „Wir sind nicht klein, wir sind mobil“, fasst Klotz zusammen.
Nach 50 Jahren Arbeit in der Eingliederungshilfe blickt der SPHV mit Stolz zurück – und mit Tatkraft nach vorne. Wachstum und Konsolidierung wechseln sich ab, neue Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Sprachbarrieren oder die Integration von Geflüchteten prägen die kommenden Jahre.
Eines aber bleibt: das Ziel, Menschen mit psychischen Erkrankungen ein selbstbestimmtes Leben in der Mitte der Gesellschaft zu ermöglichen.



