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Soziales

8. Schlossgespräch des Fördervereins Schloss Dätzingen e.V.

Vortrag von Dr. Pierre Pfütsch Aderlass, Heilkräuter und Maulbeersaft. Gesundheit und Krankheit in der Frühen Neuzeit (1500-1800) am Donnerstag,...
Schloss DätzingenFoto: KS

Vortrag von Dr. Pierre Pfütsch

Aderlass, Heilkräuter und Maulbeersaft. Gesundheit und Krankheit
in der Frühen Neuzeit (1500-1800)

am Donnerstag, 18. Juni 2026 um 19 Uhr
in den Maltesersaal von Schloss Dätzingen ein.

Was bedeutete „Gesundheit“ für Menschen in der Frühen Neuzeit und wie versuchten sie, diese zu bewahren oder wiederherzustellen? Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert war Gesundheit kein rein medizinischer Zustand im heutigen Sinne, sondern eng mit sozialen, kulturellen und religiösen Vorstellungen verwoben. Der Vortrag bietet einen Überblick über diese vielschichtigen Konzepte und zeigt, wie sehr das Verständnis von Körper, Krankheit und Heilung von zeitgenössischen Weltbildern geprägt war.

Im Zentrum steht das Gesundheitsverhalten der Menschen, insbesondere aus dem Adel. Welche Vorstellungen hatten sie von einem gesunden Leben? Diätetische Regeln, individuell abgestimmte Lebensführung und präventive Maßnahmen nahmen einen zentralen Stellenwert ein und wirken bis heute überaus modern. Die Aufzeichnungen eines Wiener Kardinals aus dem 16. Jahrhundert geben Einblick in den Alltag eines hochrangigen Geistlichen und zeigen, wie intensiv man sich mit Fragen der richtigen Lebensführung auseinandersetzte. Das Beispiel macht deutlich, dass Gesundheitspflege nicht nur eine individuelle, sondern auch eine standesspezifische Praxis war.

Und was geschah im Krankheitsfall? Welche Möglichkeiten hatten Menschen, wenn präven-tive Maßnahmen nicht ausreichten? Hier öffnet sich der Blick auf den vielfältigen „medizini-schen Markt“ der Frühen Neuzeit. Neben akademisch ausgebildeten Ärzten spielten Bader, Chirurgen, Hebammen, Apotheker sowie eine Vielzahl von Laienheilern eine wichtige Rolle. Heilangebote waren breit gefächert und reichten von pflanzlichen Arzneien über chirurgische Eingriffe bis hin zu religiösen Praktiken wie Gebeten, Wallfahrten oder dem Einsatz von Amu-letten. Wie navigierten die Menschen zwischen diesen Angeboten und was beeinflusste ihre Entscheidungen? Vertrauen, Erfahrung, soziale Netzwerke und finanzielle Möglichkeiten spielten dabei ebenso eine Rolle wie regionale Verfügbarkeit und individuelle Überzeugungen.

Der Vortrag verbindet diese beiden Perspektiven – Gesundheitsvorsorge und Krankheits-bewältigung – zu einem umfassenden Bild frühneuzeitlicher Gesundheitskultur. Zugleich eröffnet der Blick in die Vergangenheit neue Perspektiven auf heutige Vorstellungen von Gesundheit.

Dr. Pierre Pfütsch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin (Bosch Health Campus) und Lehrbeauftragter am Historischen Institut der Universität Mannheim sowie Lehrbeauftragter an der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen und der Universität Osnabrück.

Wir bitten um Ihre Anmeldung per E-Mail an SchlossDaetzingen@gmail.com oder an den Förderverein (Briefkasten am Dätzinger Schloss).

Ein Bader lässt eine Frau zur Ader.Foto: Hans Dirmstein, 1471
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exklusiv online
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