Etwas ins Wasser fielen die Feierlichkeiten zur 90-Jahr-Feier des Waldfreibades Calmbach erst am Samstagnachmittag – immerhin konnten am Vormittag einige Programmpunkte erfolgreich durchgeführt werden – wie zum Beispiel das Jubiläumsgeschenk der Orchestervereinigung Calmbach, nämlich ein rund zweistündiges Konzert, sowie der offizielle Festakt, bei dem der erste Vorsitzende des Fördervereins Waldfreibad e. V., Fritz Kiefer, ebenso eine Ansprache hielt wie der zweite Bürgermeister-Stellvertreter Jochen Borg.
Seinen herzlichen Dank zollte Fritz Kiefer den drei Schwimmmeistern, die in den "letzten Jahren einen hervorragenden Job gemacht haben, obwohl sie keine optimalen Bedingungen hatten". Sein Dank richtete sich außerdem an das Kioskteam, an die Stadt und den Bauhof, an den Förderverein Waldfreibad, an die Pusteblume e. V. und an die Ehrenamtlichen, die Kassendienst leisten. Zu den Feierlichkeiten waren unter anderem die Gemeinderäte Roland Schwabenland, Jochen Borg, Wilko Rochow-Borg, Werner Ziefle und Mathias Fey gekommen.
Aktuell hat der Förderverein 285 Mitglieder, gegründet wurde der Verein vor 21 Jahren. "Es wäre schön, wenn alle, denen das Freibad wichtig ist, auch Mitglied im Förderverein wären", so Kiefer, der Sorge um die Zukunft des Freibads hat und ausführte, dass das Bad 2003 kurz vor der Schließung stand. Die Mitgliederzahl des Vereins hat sich in den letzten vier Jahren um über 100 Personen erhöht. "Mit jedem weiteren Mitglied wird unsere Stellung gegenüber der Stadt erhöht", sagte Fritz Kiefer und zählte die Anschaffungen des Vereins im Bad auf. Der Förderverein würde einen großen Beitrag für die Dachsanierung dazugeben. Da die Generalsanierung aufgrund der abgelehnten Förderanträge immer wieder zurückgestellt wurde, wurde auch das Angebot des Fördervereins noch nicht abgerufen. "Mittlerweile gibt es Alternativüberlegungen seitens der Verwaltung. Der Planungsstand ist aktuell nicht bekannt", so Fritz Kiefer.
Am Sonntag, 23. Juni, besuchten fast 1000 Badegäste das Waldfreibad – über die Hälfte hat einen Einzeleintritt gelöst. Fast ausgebucht sind die Schwimmkurse der beiden Vorstandsmitglieder Leni Barth und Nelly Schulze, im vergangenen Jahr haben über 70 Kinder das Seepferdchen im Freibad erworben. "Wo sollen die Kinder schwimmen lernen, wenn es unser Waldfreibad nicht mehr geben sollte?", fragte der erste Vorsitzende des Waldfreibades, der weiter ausführte: "Ich hoffe auf den neu gewählten Gemeinderat, dass im Jahr 2025 zumindest der Plan B umgesetzt wird. Bad Wildbad hat zwei Mal Bad im Namen, da ist es doch Verpflichtung für die Stadt an unserem Waldfreibad festzuhalten", führte Kiefer aus und stellte das Jubiläumsprogramm vor. Nach dem Weißwurstfrühstück, das der Förderverein Waldfreibad Calmbach e. V. angeboten hatte, gab's Aqua-Fitness, Kinderspiele vom Förderverein Pusteblume, Wasserparcours und am Abend war Raphael Mürles Figurentheater auf der Bühne zu sehen, auf der am Vorabend Lucky Punch für Bombenstimmung sorgte.
Als Vertretung für Bürgermeister Marco Gauger, der das gesamte Wochenende nicht in Bad Wildbad war, hielt Jochen Borg eine Rede für die Stadt Bad Wildbad, in der er sich für das Jubiläumsfest bedankte und an die Anfänge des Bades 1929 erinnerte. Er unterstrich, wie sich im Gemeinderat alle Fraktionen einig sind, dass das Waldfreibad erhalten bleiben muss und machte Hoffnung: "Im August finden Gespräche im Bad mit Techniker statt. Die Zukunft sieht nicht so düster aus für das Freibad." Jochen Borg hob die Bedeutung des Waldfreibades zum Schwimmen und Planschen, aber auch als sozialer Treffpunkt hervor und ging auf die Geschichte des Bades ein.
Vor der Erbauung des Freibads in Calmbach wurde die Enz-Wehranlage bei der Böhmlessägmühle zum Schwimmen und Baden genutzt. 1929 kamen erste Überlegungen zur Errichtung einer Freibadanlage auf. Zunächst waren zwei Standorte im Gespräch: Das Bad sollte entweder im Norden an der großen Enz beim Sportplatz oder südöstlich der Gemeinde im Tal der kleinen Enz seinen Platz bekommen. Dr. Josenhans aus Wildbad und Dr. Dorn von der Charlottenhöhe sprachen sich als Gutachter für den Standort im Kleinenztal aus: Zwar wäre die Besonnung im Großenztal vermutlich besser gewährleistet, aber das Wasser im Kleinenztal ist von höherer Qualität, zumal wenn man in heißen Sommern zusätzlich das Wasser des Flusses benötigt. Ortsbaumeister Weischede erstellte die ersten Entwürfe für das Freibad im Kleinenztal. Das Bassin würde seiner Rechnung nach 22.000 Mark kosten. Der Bau kam nicht zustande – der Wunsch nach einem Freibad blieb.
1932 drängte der Verkehrsverein Calmbach auf den Bau des Freibads. Im Calmbacher Gemeinderat wurde im April 1932 unter anderem über die Bauweise des Beckens verhandelt. Man sprach sich dagegen aus, das Bassin aus Kostengründen aus Forchenbohlen zu errichten, denn "wenn eine badende Person einen Holzsprießen in den Fuß bekäme, dieselbe und andere niemals mehr das Bad benutzen würden" – daher sollte das Becken aus Beton errichtet werden. Für die Gemeinde war es schwierig, das Bad zu finanzieren. Daher boten im Juli 1932 einige Calmbacher Vereine an, von Haus zu Haus zu gehen und bei den Bürgern Spenden zu sammeln. Bis Anfang Januar kamen 900 Mark zusammen. Bei geschätzten Baukosten von 25.000 Mark machte dies zwar nur einen Bruchteil aus, aber es zeigte, dass die Bürger hinter dem Bad stehen. Am 16. März 1933 beschloss der Gemeinderat den Bau des Freibads. Am 31. März wurde ein Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben, der erste Preis ging im Mai an den Entwurf "Enztalperle" des Calmbacher Architekten Karl Kiefer.
Über das Landesarbeitsamt wurden Arbeitslose für den Bau eingesetzt, damit verbunden war eine Förderung von 4500 Mark durch das Land. Karl Kiefer wurde als Bauleiter eingesetzt. Baubeginn war im September 1933, eröffnet wurde das Freibad am 17. Juni 1934. Bauteile, die 1934 zurückgestellt wurden, werden 1936 angefügt – wie unter anderem der charakteristische Turm und der Wirtschaftsflügel mit Küche und überdachten Sitzplätzen.
Da Karl Kiefer im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam, wurden seine Planungen für die Hochbauten des Freibads nicht weiter umgesetzt. 1948 fertigte Walter Junge neue Pläne für die Hochbauten, es ging vorrangig um den Umbau und die Vergrößerung der Umkleidekabinen und Garderobe sowie des Wirtschaftsgebäudes. 1953 wurde das Baugesuch eingereicht: Die Umkleideräume und Kabinen wurden vergrößert, der Turmaufbau erhielt Schiebefenster, die Fußwaschrinne verlief nun rund ums Becken, die Rasenfläche zwischen Kabinen und Becken wurde angelegt, die Gebäude erhielten einen neuen Anstrich. Am 7. Juni 1953 wurde das erweiterte Freibad, noch immer ohne Planschbecken, eröffnet. Ab 1954 gab es auch ein Planschbecken, hinzukam außerdem die Rutschbahn, die Toilettenanlage wurde erneuert und vergrößert, ebenso die Liegewiese, der Parkplatz wurde angelegt. Im Winter 2003/2004 und im Frühjahr 2004 wurden unter anderem die Umkleidekabinen, das Kassenhäuschen und der Freisitz renoviert. (mm)