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Aus den Rathäusern

Abschied Bürgermeisterin Marquardt

Sehr geehrte Adelberger/-innen, im März 2010 hatten Sie mir das erste Mal Ihr Vertrauen geschenkt und mich zu Ihrer Bürgermeisterin gewählt. Nach...

Sehr geehrte Adelberger/-innen,


im März 2010 hatten Sie mir das erste Mal Ihr Vertrauen geschenkt und mich zu Ihrer Bürgermeisterin gewählt. Nach nunmehr 16 intensiven, bewegenden und erfüllten Jahren im Amt ist für mich nun der Moment gekommen, Abschied zu nehmen. Am 6. Juni 2026 endet meine Amtszeit, so dass ich in den kommenden Wochen noch einen Teil meines Resturlaubs und der Überstunden abbauen werde.


Als ich dieses Amt antrat, hätte ich mir kaum vorstellen können, wie viele Projekte wir gemeinsam auf den Weg bringen, gestalten und erfolgreich umsetzen würden. Zahlreiche Projekte nahmen Monate und teilweise Jahre der Planung und anschließenden Umsetzung in Anspruch.


Eine der größten Herausforderungen für den Gemeinderat und die Verwaltung war die komplette Neuordnung der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung. Mit Gesamtkosten von 5 Mio. €, die mit 4 Mio. € durch das Land Baden-Württemberg gefördert wurden, konnten wir uns zukunftssicher aufstellen.


Die Lösungsfindung für das Klosterparkareal war ebenfalls sehr zeitintensiv, führt(e) aber zuletzt zu einem großen Attraktivitätsgewinn für unsere Gemeinde. Der Erhalt der Eishalle und des Spielelands sowie zusätzliche Planungen wie Soccerhalle (im Bau) und Veranstaltungshalle (Bauantrag liegt vor) stärken unser Profil als Naherholungsort. Dadurch profitieren auch Ihre privaten Immobilien im Wert.
Durch die sehr gute und intensive Zusammenarbeit mit den Investoren und dem Abfallwirtschaftsbetrieb war es auch möglich, unseren Wertstoffhof für die kommenden Jahre auf dem Gelände zu erhalten.


Die Umsetzung von zwei Baugebieten und der Verkauf gemeindeeigener Bauplätze brachten Entlastung für unsere Haushalte. Der daraus resultierende Bevölkerungszuwachs führte ebenfalls zu großen Vorteilen. So konnte beispielsweise der Erhalt der Grundschule gesichert werden. Auch erhielt unsere Gemeinde eine eigene Paketstation in der Schorndorfer Straße, weil unsere Bevölkerungszahl über 2000 Personen angewachsen war.


Die 2010 übernommenen Fehlbeträge von ca. 1,8 Mio. € wurden bis 2016 abgebaut. Gewerbesteuer in Millionenhöhe und Fördermittel mussten gleichzeitig zurückgezahlt werden. Auch das haben wir gemeinsam gestemmt.


Die vor 2010 aufgenommenen Millionenkredite für das Sport- und Erholungszentrum konnten schrittweise abgebaut werden; die letzte Rate ist für 2028 vorgesehen. Dies war nur möglich durch einen konsequenten Sparkurs seit Beginn meiner Amtszeit.


Ein Grundstein für die Sicherung der Nahversorgung in Adelberg wurde durch den Kauf des Hauses Schorndorfer Straße 5 gelegt. Zwar wurde hier eine Kreditaufnahme in Höhe des Kaufpreises notwendig, aber über diese Investition herrschte Einigkeit im Gemeinderat.
Im April 2026 konnte nun ein neuer Mietvertrag mit der Daiber GmbH abgeschlossen werden, so dass die Nahversorgung ausgebaut und für die kommenden Jahre gesichert werden konnte.


Zahlreiche Gespräche mit Ärzten, Kliniken, der kassenärztlichen Vereinigung und Auftritten im Radio und TV führten dazu, dass die ärztliche Versorgung in Adelberg nochmals aufleben konnte. Wirtschaftliche Gründe führten jedoch dazu, dass sich sämtliche Hausarztpraxen auf Dauer nicht in Adelberg etablieren konnten.


Im Bereich der Kinderbetreuung konnten wir viel bewegen: Die Betreuung der unter Dreijährigen wurde eingeführt, somit konnte auch dieser gesetzliche Anspruch erfüllt werden. Der Kindergarten gewann immer mehr an Attraktivität und Ansehen im Landkreis. Er wurde unter anderem für bewusste Kinderernährung zertifiziert. Als integrativer Kindergarten waren wir ein Aushängeschild im Landkreis Göppingen.


Aufgrund der hohen Adelberger Kinderzahlen und den beengten Räumlichkeiten im Kindergarten, haben wir die Not zur Tugend gemacht und einen Waldplatz eingerichtet, der mittlerweile zum offiziellen Waldkindergarten umgewandelt werden konnte. Durch die hohe Nachfrage nach Plätzen im Waldkindergarten hat der Gemeinderat beschlossen, die Plätze von 10 auf 20 zu erweitern und auch einen entsprechenden Modulbau im Wald zu erstellen. Die Fördergelder und die vorzeitige Baufreigabe hierfür wurden beantragt, sodass bei einer Genehmigung sofort losgelegt werden kann.


Die Einführung einer TigeR-Gruppe (Tagespflege in anderen geeigneten Räumen) führt zu einer Abrundung des Betreuungsangebots in unserer Gemeinde.


Die Schülerbetreuung wurde schon einige Jahre vor dem nun bestehenden Rechtsanspruch eingerichtet. Für die Betreuung wurde mit Adelberger Handwerksunternehmen kurzfristig der Keller der Grundschule zu einladenden Räumlichkeiten umgebaut. Wir starteten mit 15 Kindern in diesen neuen Räumen. Nur wenige Jahre später musste der Rathaussaal umfunktioniert werden, da die Anzahl der zu betreuenden Grundschüler extrem gestiegen war.


Ab 2026 besteht nun ein gesetzlicher Anspruch auf die Schülerbetreuung. Dies bedeutet für die Gemeinde Adelberg, dass wir zwar viele Vorbereitungen bereits getroffen haben, jedoch werden zukünftig weitere Räumlichkeiten notwendig. Das Neubauprojekt Kindergarten (genannt ZEBRA: Zukunftsentwicklung Betreuungsräume Adelberg), bei dem das Bestandsgebäude Kindergarten zur Schülerbetreuung umfunktioniert worden wäre, war leider ein Projekt, das bei Teilen des Gemeinderates und in der Bürgerschaft keinen Zuspruch gefunden hatte und somit nach Jahren der Planung aufgegeben werden musste.


Mein Vorschlag, um nun schnell neue Möglichkeiten zu generieren, wäre ein Umbau der Klostervilla zu Räumlichkeiten für die Schülerbetreuung. Das Haus könnte in Gemeindehand verbleiben, Fördermittel könnten sinnvoll genutzt werden und das Personal wäre in einem Haus untergebracht, so dass eine gegenseitige Vertretung möglich wäre. Als Nebeneffekt könnte der Rathaussaal den Vereinen wieder zur Verfügung gestellt werden. Dies soll jedoch nur eine Anregung zur Lösungsfindung sein.


Unser Spielplatz am Ortseingang ist ein weiteres schönes Zeichen, dass Familien im Ort willkommen sind. Nur durch die Attraktivität unserer Gemeinde sind in den vergangenen Jahren viele Familien zugezogen. Leerstand konnte vermieden und Bauplätze verkauft werden. Hierdurch wurde die Infrastruktur (z.B. Laden, Grundschule, …) wiederum gesichert.


Auch die Digitalisierung spielte in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle. Ob es sich um die Digitalisierung von Bebauungsplänen, die digitale Verwaltung handelt oder den Medienentwicklungsplan der Grundschule. Die Digitalisierung machte auch bei uns keine Ausnahme. Die Fernübertragung der Regenüberlaufbecken war auch ein Schritt in die richtige Richtung. Fördergelder wurden selbstverständlich auch bei diesem Thema genutzt.


Das Gewerbegebiet Ziegelhau konnte mit Glasfaser ausgebaut werden. Auch dieses Projekt wurde fast vollständig durch Landes- und Bundesmittel bezahlt und brachte den Gewerbebetrieben das für die heutige Zeit notwendige schnelle Internet.
Für unseren Ort selbst besteht aktuell die vage Zusage der Dt. Glasfaser, dass im Jahr 2028 (bisher 2026) Glasfaser verlegt werden soll.


Auch für das Thema „Barrierefreiheit“ konnten wir einiges tun. Eine barrierefreie Homepage der Gemeinde und ein barrierefreies Bürgerbüro wurden umgesetzt. Die gesetzlich geforderten barrierefreien Bushaltestellen wurden geplant und Fördergelder wurden zugesagt. Aktuell warten wir noch auf den Förderbescheid, bevor die Planung dann umgesetzt werden kann.


Die Flüchtlingsunterbringung stellt unsere kleine Gemeinde immer wieder vor große Herausforderungen. Trotzdem wurden in den letzten Jahren über 100 Geflüchtete in unserem Ort aufgenommen. Auch gelang eine Integration bei dem Großteil dieser Menschen, weil wir diese dezentral im Ort unterbringen konnten. Ich danke Ihnen für die Bereitschaft, Mietverträge mit uns einzugehen, damit wir diesen Menschen helfen konnten!


Die Frühling- und die Schnurrstraße wurden saniert. D.h. Wasserleitungen und Abwasserkanäle konnten auf neuesten Stand gebracht werden. 100 Jahre alte Leitungen und nicht mehr genehmigte Spitzmuffenrohre wurden hierbei ausgetauscht. Diese Sanierungen wurden zwar mit Hilfe von Fördergeldern umgesetzt, jedoch belasten die bei der Gemeinde verbleibenden Kosten trotzdem noch extrem die Eigenbetriebe Wasser und Abwasser. Auch weitere Straßen müssen noch saniert werden. Eine Prioritätenliste wurde erarbeitet und muss nun Zug und Zug umgesetzt werden. Hierbei ist zu beachten, dass weitere Kredite notwendig werden.

Ohne Kosten für die Gemeinde entstand der neue Fuchsweg. Dieser wurde durch die Investoren des Klosterparks gebaut und nach dem Bau der Gemeinde, bzw. der Öffentlichkeit übergeben. Grundlage hierfür waren die sehr guten Verhandlungen zum Verkauf des Klosterparkgeländes.


Themen wie die Corona-Pandemie, die Windkraft, die 380 KV-Leitung, Natur- und Klimaschutz, Datenschutz, Bundestags-, Landtags, Kommunalwahlen, Notfallkonzept, Beschaffung der Fahrzeuge für Bauhof und Feuerwehr, usw. beschäftigten uns zusätzlich noch neben der laufenden Verwaltungstätigkeit.

Meine Aufzählung könnte ich noch beliebig erweitern, jedoch würde dies den Rahmen sprengen.


Ein ganz besonderer Dank gilt allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – ob Rathaus, Bauhof, Kindergarten, Waldkindergarten, Schülerbetreuung oder Schule! Das vertrauensvolle, engagierte und auch humorvolle Miteinander hat unsere Arbeit nicht nur erfolgreich, sondern auch menschlich bereichernd gemacht. Viele Herausforderungen konnten wir nur deshalb meistern, weil wir als Team zusammengehalten haben.


Ebenso bleiben mir die unzähligen Begegnungen mit Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, in lebhafter Erinnerung – bei Veranstaltungen, auf der Straße oder auch im direkten Austausch zu großen und kleinen Anliegen. Diese Gespräche, Ihre Ideen, Ihre Kritik und Ihr Zuspruch haben meine Arbeit stets geprägt und motiviert.
Auch den verschiedenen Mitgliedern des Gemeinderates, die in den vergangenen 16 Jahren gemeinsam mit der Verwaltung den Ort vorwärtsgebracht haben, spreche ich ein großes Dankeschön aus!


Und ja, auch diejenigen unter Ihnen, die mich über all die Jahre besonders kritisch begleitet haben, möchte ich nicht unerwähnt lassen: Sie haben mir geholfen, stets wachsam zu bleiben. Oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen – ich werde Sie fast ein bisschen vermissen… denn wer sonst sorgt künftig dafür, dass mir garantiert nicht zu wohl wird?!


Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf diese Zeit zurück und mit Zuversicht auf die Zukunft unserer Gemeinde. Für die vielen gemeinsamen Jahre, das Vertrauen und die wertvollen Begegnungen danke ich Ihnen von Herzen.


Mit den besten Wünschen für Sie alle und unsere Gemeinde
Ihre


Carmen Marquardt

Erscheinung
Schurwaldbote – Gemeindeverwaltungsverband Östlicher Schurwald
NUSSBAUM+
Ausgabe 18/2026
von Gemeinde Adelberg
28.04.2026
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