„Jetzt ben i scho au froh, dass rom isch“, meinte Winfried Kretschmann kürzlich bei seiner offiziellen Verabschiedung im grünen Kreisverband Esslingen.
Viele, viele kamen. Ganz alte „Kämpen“ aus den Gründerjahren des Ortsvereins in Leinfelden-Echterdingen, oder auch die ehemalige Staatssekretärin Uschi Eid, die bis heute Mitglied im Kreisverband Esslingen ist. Aber auch junge Mitglieder, die noch nix von Politik wussten, als Winfried Kretschmann zum ersten Mal Ministerpräsident wurde.
Seit Gründung der Grünen war er Kandidat bzw. gewählter Abgeordneter des Landtags, immer im Wahlkreis Nürtingen. Sein behäbiges Schwäbisch, oft mürrisch, aber auch leise, laut oder amüsiert, alles konnte er bieten. Die Politik des Gehörtwerdens (aber nicht immer „erhört“ werden) entwickelte er für die Bürger*innen im Ländle.
Mit seinen Koalitionspartnern suchte er immer den Ausgleich und Kompromisse zum Wohl des Landes. Es gab wenig vordergründigen Streit miteinander, er verkündete Ergebnisse, wenn es so weit war. Denn er wusste, die Bürgerschaft interessiert sich nicht für Auseinandersetzungen (die ja zur Demokratie gehören müssen), sondern für Ergebnisse. Vielleicht deshalb war er dreimal zum Ministerpräsidenten gewählt worden. 2011 führten eine Reihe von außergewöhnlichen Umständen (Fukushima, Stuttgart 21 und mit Mappus ein unbeliebter CDU-Kandidat) dazu, dass die Grünen erstmals in einem Bundesland stärkste Kraft wurden. Aber die Tatsache, dass die Grünen nach den ersten fünf Jahren nochmals die Wahl gewinnen konnten, zeigte, dass ein grüner Ministerpräsident kein „Unfall“ der Geschichte war, wie manche in der CDU wähnten, welche ja zuvor immer die Regierung führte. Die Grünen, mit Winfried Kretschmann an der Spitze, schafften es auch noch ein drittes Mal aus eigener Kraft, die größte Fraktion zu werden. 15 Jahre Ministerpräsident eines Bundeslandes, das gab es zuvor nie. Und dann kam da noch der Cem, der „schwäbische Türke“ aus Urach um die Ecke … es wird erfreulicherweise weiterhin eine grün geführte Landesregierung geben!
Wir wünschen unserem Winfried alles Gute mit seiner Gerlinde im wohlverdienten Ruhestand. Mögen ihm noch viele gesunde Jahre verbleiben, mit seinen 78 Jahren.
Gerhard Härer
