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Ärzteversorgung in Hechingen

Es ist mittlerweile ein bekanntes Phänomen: Ärztemangel, speziell in ländlichen Regionen, ist gang und gäbe. Landkreise und Kommunen legen Programme...
Personengruppe im Rathaus Hechingen
Von links: Linda Jepsen von der KVBW, Dr. Fabian Krauss (Arzt in der Gemeinschaftspraxis Dres. Krauss/Reif), Dr. Rita Ziebach, Kinderärztin in Weiterbildung Dr. Jasmin Joiko, Dr. Jürgen Lehmann, Regina Simmich Theil (Ärztin in der Praxis Dr. Stekeler), Dr. Bernd Stekeler, Bürgermeister Philipp Hahn.Foto: Stadt Hch/Jauch

Es ist mittlerweile ein bekanntes Phänomen: Ärztemangel, speziell in ländlichen Regionen, ist gang und gäbe. Landkreise und Kommunen legen Programme auf, um Haus- und Fachärzte in unterversorgte Gebiete zu vermitteln.

Geht es um die vertragsärztliche Versorgung, ist die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) verantwortlich für die Organisation der ambulanten medizinischen Versorgung im Land. Sie setzt die Bedarfsplanung um, auf der Grundlage der durch den Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen Baden-Württemberg drei Mal jährlich festzustellenden Versorgungslage.

Die Versorgungslage in Hechingen und im Zollernalbkreis und mögliche Fördermöglichkeiten erläuterte jüngst die Juristin Linda Jepsen von der KVBW einer Gruppe von Hechinger Ärzten und Ärztinnen auf Einladung von Bürgermeister Philipp Hahn.

Hahn betonte eingangs, er verstehe den Termin als offenen Dialog. An die Ärzte gewandt erklärte er: “Uns interessiert, was sie bewegt, welche Rahmenbedingungen sie für eine Niederlassung brauchen und wie wir als Stadt sie dabei unterstützen können.”

Linda Jepsen erläuterte den aktuellen Sachstand. Seit 2017 führt die KVBW Kommunalberatungen durch, seit 2024 ist auch der Zollernalbkreis in deren Visier. Die Versorgungszahlen sind eine komplexe Angelegheit und bilden, bezogen auf die Einwohnerzahl, das Maß der ärztlichen Versorgung ab – bei Hausärzten bezogen auf die Mittelbereiche, bei der allgemeinen fachärztlichen Versorgung bezogen auf den Landkreis.

Ab einem Versorgungsgrad von 110 % gilt ein Planungsbereich als gesperrt, ist die Versorgung schlechter, sind Neuniederlassungen von Ärzten ohne Beschränkung möglich. Vor allem die hausärztliche Versorgung im Zollernalbkreis lässt zu wünschen übrig, in allen der drei Mittelbereiche Albstadt, Balingen und Hechingen. In Hechingen, gemeint ist dabei der Mittelbereich von Haigerloch bis Burladingen, liegt der Versorgungsgrad bei 80 %. Das bedeutet, dass weitere 11,5 Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte bestehen.

Anders bei den Fachärzten. Hier liegt der Versorgungsgrad bei allen fachärztlichen Gruppen über 110 %, mit einer Ausnahme: Den Kinder- und Jugendärzten. Es besteht die Möglichkeit für genau eine Niederlassung – im ganzen Zollernalbkreis.

So war denn auch eine mögliche Nachfolge des Ende 2024 in den Ruhestand getretenen Hechinger Kinderarztes Jurij Ciokan Thema. Anwesend war Kinderärztin Dr. Rita Ziebach und die bei ihr beschäftigte Kinderärztin in Weiterbildung Dr. Jasmin Joiko, die aktuell die Ausbildung zur Fachärztin in Kinder- und Jugendmedizin absolviert.

Dr. Joiko ist eine sogenannte “Ausbildungsassistentin”, ein Modell, das die Facharztausbildung außerhalb von Kliniken in Facharztpraxen ermöglicht. Für die Ärzte vor Ort bedeutet dies zunächst einigen Aufwand wegen der strukturellen Anpassungen. Schlussendlich aber sind die “Ausbildungsassistenten” eine große Hilfe in der Patientenversorgung. Dies trifft auch auf Dr. Joiko zu, die bereits mehrere Jahre klinische Erfahrung in der Kinderheilkunde mitbringt.

Linda Jepsen stellte zudem Fördermöglichkeiten vor, die die KVBW niederlassungswilligen Ärzten bietet, und die in Hechingen auch bereits genutzt werden. Zuschüsse werden zum Beispiel für medizinische Geräte und die Praxisinfrastruktur gewährt.

Mit dabei war der Hechinger Urologe Dr. Jürgen Lehmann, der kurz das Ärztenetz Zollern e.V. (ÄNZO) vorstellte, in dem sich Ärzte aus Hechingen und Umgebung zusammengeschlossen haben, zur Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und zum kollegialen Austausch. Linda Jepsen freute sich über diese Initiative im Mittelbereich Hechingen – ein solch kollegiales Miteinander sei nicht überall üblich.

Erscheinung
Stadtspiegel Hechingen – Lokalzeitung mit den Amtlichen Bekanntmachungen
Ausgabe 07/2026
von Stadt Hechingen
12.02.2026
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