In der Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause vom 29. Juli wurde durch die Projektentwickler von ALDI und dm eine geplante Ansiedlung beider Märkte vorgestellt. Die Redaktion hat bei den Fraktionen des Gemeinderates nachgefragt, wie sie zur geplanten Ansiedlung von ALDI und dm stehen.
Zunächst kurz zum Hintergrund: Schon seit Längerem interessieren sich ALDI und dm am Standort Weingarten. Bislang wurde dieses Vorhaben vom Gemeinderat mit Verweis auf den Schutz des innerörtlichen Drogeriemarktes nicht unterstützt. Dieser ist inzwischen geschlossen, wodurch die Verwaltung einen Bedarf an den beiden Märkten sieht. In der Sitzung vor der Sommerpause stellten die Projektentwickler der beiden Märkte das künftige Handelszentrum in einer Präsentation vor. Das Thema wird in der nächsten Sitzung nach der Sommerpause vom Gemeinderat wieder aufgegriffen und weiter erörtert.
Konkret geht es um ein Grundstück südlich von Weingarten am Ortsrand Richtung Durlach, mit Zu- und Abfahrt zur Durlacher Straße. Es schließt sich der Bebauung des Rewe-/und Penny-Marktes an.
Die Weingartener Bürgerbewegung spricht sich in ihrem Statement für die Ansiedlung von dm und ALDI aus, zumal dies auch bereits Thema in ihrem Kommunalwahlkampf war. Zur Begründung heißt es: „Die Fläche zwischen den bestehenden Märkten und dem künftigen Kreisverkehr – begrenzt durch die geplante Südrandstraße – eignet sich aus unserer Sicht ideal für eine neue Ansiedlung. Sie passt zum Flächennutzungsplan und entspricht dem Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, der in Gesprächen und Rückmeldungen immer wieder deutlich wird.“
Eine Gefahr für bestehende Geschäfte und den lokalen Einzelhandel sehe man nicht. „Gerade inhabergeführte Läden leben von ihrer Nähe zu den Kunden – und diese Kundschaft bleibt ihnen auch treu. Dafür braucht es kein teures Einzelhandelsgutachten.“ Die WBB spricht von einer „sinnvollen Ergänzung des Angebots“. Dabei sollen vor allem Menschen mit weniger Einkommen profitieren. Die WBB begrüßt das Vorhaben auch im Hinblick auf die prognostizierte wachsende Bevölkerungszahl in den nächsten Jahren.
Einen weiteren Pluspunkt sieht man in der Entstehung neuer Arbeitsplätze und zusätzlichen Einnahmen für die Gemeinde. Man betont jedoch auch: „Die Bebauung muss gut durchdacht sein, mit Augenmaß geplant und passend zum Ortsbild gestaltet – gern auch verbunden mit neuem Wohnraum, der ebenfalls dringend gebraucht wird.“
Die CDU-Fraktion möchte sich nach der Präsentation zum Vorhaben zunächst noch ein genaueres Bild machen. Eine endgültige Entscheidung über die Positionierung in der Fraktion habe man noch nicht getroffen.
„Die CDU geht offen und sachlich in diese Diskussion. Wir sehen grundsätzlich das Interesse an einer Stärkung der Nahversorgung und wissen um die Attraktivität, die Marken wie ALDI und dm für viele Bürgerinnen und Bürger haben. Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe als kommunalpolitische Vertreter, das Gesamtbild im Blick zu behalten und alle Auswirkungen auf die Gemeindeentwicklung, die Nahversorgung und den örtlichen Einzelhandel sorgfältig zu bewerten“, heißt es aus der Fraktion in einem vorläufigen Statement dazu.
Man sehe momentan noch einige offene Fragen, die es zu beantworten gelte. „Ein zentrales Element, das derzeit fehlt, ist ein belastbares Einzelhandelsgutachten, das die Auswirkungen auf den bestehenden Einzelhandel in Weingarten objektiv analysiert. Auch Fragen zur städtebaulichen Einbindung und zur möglichen Verdrängung bestehender Strukturen müssen transparent geklärt werden.“
Die CDU-Fraktion äußert sich daher überrascht, dass andere Fraktionen bereits eine eindeutige Positionierung getroffen haben, trotz noch „unvollständiger Faktenlage“. „Eine verantwortungsvolle Entscheidung im Sinne der Gesamtgemeinde kann erst dann getroffen werden, wenn alle relevanten Aspekte in den zuständigen Ausschüssen und im Gemeinderat umfassend beraten und abgewogen wurden“, betont die CDU-Fraktion.
Kritisch betrachtet die geplante Ansiedlung die FDP-Fraktion. Auf Anfrage der Weingartener Woche teilt sie mit: „Die Weingartener FDP-Fraktion hält die in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause vorgestellte Präsentation der Ansiedlung eines weiteren Discounters und eines dm-Marktes auf einer 1,8 Hektar großen Fläche am südlichen Ortsrand für nicht mehr zeitgemäß und insbesondere mit den von Gemeinderat und Verwaltung gemeinsam festgelegten Zielen einer Reduzierung des Flächenverbrauchs und einer Stärkung unserer Bahnhofstraße als zentrale Achse für den örtlichen Handel für nicht vereinbar und sieht sich in ihrer Einschätzung durch zahlreiche Rückmeldungen und Stellungnahmen von Bürgerseite bestätigt.“
Man betonte vonseiten der FDP aber zur Mitarbeit bei der Standortsuche „für eine ortsnah gelegene Versorgung mit Drogerieartikeln im Rahmen eines Gesamtkonzepts“ bereit zu sein.
Die SPD-Fraktion spricht sich in einer Stellungnahme für die geplante Ansiedlung aus. „Nach ersten Gesprächen und Skizzen sehen wir in diesem Vorhaben eine große Chance für unsere Gemeinde.“ Schließlich gebe es nach der Schließung von Weikum im Ort keinen Drogeriemarkt mehr. „Vor allem Familien werden froh sein, nicht ständig nach Blankenloch oder Jöhlingen fahren zu müssen“, heißt es in der Begründung der SPD-Fraktion. Außerdem verweist man auf das Wachstum der Gemeinde, weshalb mehr Einkaufsmöglichkeiten notwendig seien, und die kurzen Wege. „Auch mit dem Fahrrad wird dieser Standort gut erreichbar sein – ein Vorteil für Umwelt und Verkehr.“ Ähnlich wie die WBB betont auch die SPD-Fraktion als positiven Effekt einer Ansiedlung die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und Mehreinnahmen für die Gemeinde.
Bislang gebe es aber noch keine fertigen Pläne, sondern nur erste Entwürfe. „Wir werden uns in den Ausschüssen und im Gemeinderat konstruktiv einbringen und für die Ansiedlung einsetzen. Unsere Gespräche mit den Menschen hier im Ort zeigen eine klare Tendenz dafür. Wir wollen mit ihnen im Austausch bleiben und werden auch Info-Stände anbieten, sobald wir mehr Informationen haben.“
Gleichzeitig betont die SPD-Fraktion: „Der Ortskern und die Bahnhofstraße dürfen nicht unter neuen Märkten leiden. Der beliebte Nahkauf-Markt der Familie Genc wird aus unserer Sicht weiter stark bleiben, hier teilen wir die Bedenken anderer Parteien nicht.“
Ein offizielles Statement der Grünen Liste Weingarten (GLW) lag der Redaktion bis Redaktionsschluss nicht vor. In der Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause äußerte die GLW sich hier jedoch eher kritisch, vor allem im Hinblick auf die versiegelte Fläche für Parkplätze. (haf)
