Der Wimsheimer Augapfel ist als alte Lokalsorte ein ganz besonderes Kulturgut, das es zu erhalten lohnt. Nach den Erzählungen von älteren Wimsheimern wurde der Augapfel vor gut 100 Jahren als Zufallssämling im Gewann Au in Wimsheim – der heutigen Austraße – entdeckt, aber Genaueres konnte uns noch niemand erzählen. Seine Eigenschaften als Most-, Tafel- und Backapfel wurden jedenfalls für so gut befunden, dass von dem Sämling Reiser geschnitten und auf stark wachsenden Unterlagen zu jungen Bäumen veredelt wurden. Einige wenige dieser ersten Exemplare stehen heute noch als große, knorrige Bäume auf der Gemarkung. Spätestens, wenn die kleinen, flachen Äpfel reif werden, erkennt man die Bäume schon von Weitem an dem ganz besonders feinen und intensiven Duft der reifenden Äpfel. Diese sind nicht übermäßig groß, eher flach und von der Farbe gelblich-grün und an besonnten Stellen rötlich bis orange. Der Apfel schmeckt saftig, leicht säuerlich und hat ein Gewürzaroma.
Einen besonderen „Ritterschlag“ gab es für den Augapfel im Sommer 2025, als er vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, dem Julius-Kühn-Institut oder kurz JKI in die Deutsche Genbank Obst aufgenommen wurde. Dort hatte ihn Mathias Braun aus Hemmingen, der sich im Arbeitskreis „Luikenapfel“ für alte Obstsorten engagiert, mit Blatt- und Apfelproben, die ihm der OGV vermittelt hatte, zur Untersuchung eingereicht. Die Genanalyse bestätigte, was aufgrund seines typischen Wuchses mit überhängenden, langen Zweigen schon zu vermuten war: der Wimsheimer Augapfel ist ein Abkömmling des Luikenapfels, der im 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Wirtschaftssorten in ganz Württemberg war.
Der OGV setzt sich schon seit vielen Jahren für den Erhalt des Augapfels ein. So wurde zuletzt Anfang der 2000er Jahre eine Veredelungsaktion gestartet. Circa 30 Hochstämme des Augapfels hatte der OGV damals in einer Baumschule veredeln lassen und an interessierte Obstanbauer, Garten- und Stücklesbesitzer vermittelt. Diese jungen Bäume stehen seitdem überwiegend auf der Gemarkung Wimsheim, aber auch im Obstsortengarten des Enzkreises fand einer der jungen Augäpfel seinen Platz.
Nach gut 20 Jahren haben wir nun mit Unterstützung von Herrn Braun eine neue Veredelungsaktion gestartet. Die Reiser sind bereits in der Baumschule und in wenigen Wochen werden wir wissen, wie viele Bäume davon veredelt werden können, die dann ab Herbst 2028 voraussichtlich zur Verfügung stehen und über den OGV vermittelt werden. Die Gemeinde Wimsheim hat bereits zugesagt, dass sie einige der Bäume auf ihren Flächen pflanzen möchte. Wenn auch Sie einen der Wimsheimer Augäpfel auf Ihrer Wiese pflanzen und so zur Erhaltung der Sorte beitragen möchten, dann melden Sie sich bitte bis 10. Juni 2026 beim OGV: ogv.wimsheim-friolzheim@web.de oder Tel. 07044 8564, Luise Pachaly.
Wenn das Veredelungsmaterial reicht, werden wir voraussichtlich sowohl Hoch- als auch ein paar Halbstämme veredeln lassen, die etwas schneller wachsen und in Ertrag kommen, denn der Wimsheimer Augapfel ist nicht nur bei der Blüte ein Spätentwickler. Bitte geben Sie daher auch an, wenn Sie Interesse an einem Halbstamm haben, damit wir die passenden Bäume veredeln lassen können.
Neben dieser Veredelungsaktion bemüht sich der OGV gerade, alle verfügbaren Informationen über den Augapfel zusammenzutragen. Dabei brauchen wir natürlich die Unterstützung der gesamten Bevölkerung:
Wir freuen uns sehr, wenn Sie dieses Wissen mit uns teilen und Kontakt zu uns aufnehmen! Bitte melden Sie sich unter obigen Kontaktdaten bei der Vorsitzenden oder bei einem anderen Mitglied des OGV-Vorstands oder Ausschusses, das Sie kennen. Wir möchten bis zum diesjährigen OGV-Herbstfest, das am Samstag, 24. Oktober 2026 in der Hagenschießhalle stattfinden wird, möglichst viele Informationen und Standorte zum Wimsheimer Augapfel zusammentragen.
Die anstehenden Termine des OGV auf einen Blick:


