
Die jüngste Monats-Ausfahrt der Alterswehr Neuweiler führte im MTW der Feuerwehr, dem Kleinbus der Spielvereinigung Berneck/Zwerenberg und noch manchem Privatwagen in Fahrgemeinschaften zu Württembergs erstem privaten Krematorium, zu „Krema Bonholz“ in Rutesheim. Nur wenige ehemalige Feuerwehrleute aus den sieben Ortsteilen der Waldgemeinde fehlten bei dem fast zweistündigen, sehr informativen Rundgang. Die Teilnehmer verfolgten interessiert auch den Weg eines Sarges in die Brennkammer. Dies ist auf Wunsch auch Angehörigen eines Verstorbenen möglich.
Für die Gruppe folgte die Besichtigung der hinter den Brennöfen gelegenen, fabrikähnlich wirkenden Halle mit Kühlanlagen, Staubfiltern und Katalysatoren. Nicht ausgelassen wurde ein Gang durchs Lager mit den zwei bis drei Kilo schweren, zur Abholung bereitstehenden Urnen. In jede kommt der nummerierte, feuerfeste kleine Schamottestein, der jeden ankommenden Verstorbenen mit dem Sarg begleitet, was Verwechslungen ausschließt. Ausgangspunkt ist der Kühlraum, in dem die belegten Särge aufbewahrt sind. Überrascht nahmen die Besucher wahr, dass dies nicht ein paar, sondern gleich ein paar Dutzend sind. Aber wie könnte es auch anders sein: Berichtete doch der die Gruppe versiert führende Betriebsleiter Franz Hanelt von 16.000 Einäscherungen, die in Rutesheim jährlich vorgenommen werden.
Der Chef des Unternehmens, Peter Maier, der sich als ehemaliger Feuerwehrmann „outete“ und die Kameraden begrüßte, erklärte ganz einfach, wieso er vom Bestattungsunternehmer zum Betreiber eines Krematoriums wurde: Er habe dieses 2003 aufgebaut, weil er statt wochenlanger Wartezeiten für die Trauernden zeitnahe Einäscherungen und Bestattungsmöglichkeiten habe schaffen wollen. Das private Unternehmen arbeitet bei Bedarf rund um die Uhr und auch am Wochenende. Dies ist wohl der Grund, dass viele Bestatter aus einem Umkreis von über 100 Kilometern auf dessen Dienste zurückgreifen. Denn die Urne wird innerhalb von zwei bis drei Werktagen zur Abholung bereitgestellt. Aus anfänglich zwei sind 2012 vier Öfen geworden, und gerade zwei neu entstehende verschlingen jeweils 1,2 Millionen Euro Baukosten.
Nein, erklärte Franz Hanelt auf eine Frage aus den Besucherreihen, mitnehmen dürften die Angehörigen die Urne nicht. Dies stehe nur Bestattungsunternehmern zu. Auch für den gesamten Ablauf einer Einäscherung gebe es strenge Vorschriften. So sei außer der üblichen Leichenschau eine zweite durchzuführen, die von einer Rechtsmedizinerin im Krematorium durchgeführt werde, wenn nicht bei unnatürlichem Tod die Staatsanwaltschaft die Todesursache untersucht und die Freigabe verfügt habe. Ist die Einäscherung freigegeben, fährt der Sarg in die auf mindestens 800 Grad vorgeheizte Brennkammer, die sich danach durch die Verbrennung auf 1000 bis 1300 Grad erhitzt.
Pietät und Ethik würden großgeschrieben und begleiteten die Arbeit. Bewusst betreibe das Unternehmen sogenannte Flachbettöfen. Rund eine Stunde erfordert etwa jede Einäscherung, weitere 45 Minuten die Mineralisierung in der 850 Grad heißen Nachbrennkammer. Eine Einäscherung kostet momentan 545 Euro. Tätig sind in dem Krematorium 14 feste und drei Aushilfskräfte. „Das war jetzt wirklich interessant, und das Sterben gehört nun einmal zum Leben“, kommentierte ein Teilnehmer das Gehörte und Gesehene.