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Politik

Am Donnerstag, 26. März, bei junge alte: Vortrag von Clemens Ronnefeldt

Die Rolle von Medien für Krieg und Frieden „Journalist*innen sind in einer Demokratie die vierte Gewalt, die das Handeln der Regierungen kritisch darstellen...
Mann mit Brille schaut auf die rechte Seite Links neben ihm ist ein Mikrofon aufgestellt
Clemens Ronnefeldt ist Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes.Foto: privat

Die Rolle von Medien für Krieg und Frieden

„Journalist*innen sind in einer Demokratie die vierte Gewalt, die das Handeln der Regierungen kritisch darstellen und kommentieren“, sagt Clemens Ronnefeldt. „Wie wichtig diese Funktion ist, zeigt sich in autoritären Systemen. Dort werden Journalist*innen regelmäßig verfolgt und teilweise getötet.“ Bei junge alte spricht er im Rahmen der Evangelischen Erwachsenenbildung im Gemeindezentrum Am Zwinger über „Die Rolle von Medien für Krieg und Frieden.“

Clemens Ronnefeldt ist Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes. Er hatte sich gegen die Stationierung der Cruise-Missiles engagiert. Er arbeitete in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien in Flüchtlingslagern und nahm an Friedensdelegationen nach Israel und Palästina teil. Für unsere Leser*innen hat er Fragen beantwortet.

Grötzingen Aktuell: Sind die Medien in Deutschland frei?

Clemens Ronnefeldt: Ja. Allerdings sehe ich auch Gefährdungen. Die Bandbreite von Meinungen wird eingeengt, weil kleinere Medien oft nicht von den Leitmedien abweichen wollen. Printmedien verlieren immer mehr Abos. Bei Online-Medien müssen Journalist*innen Beiträge liefern, die viele Klicks erreichen, da davon die bezahlte Werbung abhängt. Das verändert den Stil.

GA: Wer und was gefährdet die Pressefreiheit?

Ronnefeldt: Es gibt aktuelle Beispiele: Wolfram Weimer lässt Buchhandlungen vom Verfassungsschutz überprüfen und dementiert Gerüchte zur Entlassung der Berlinale-Chefin Tricia Tuttle nicht. Das zeigt, dass auch in Deutschland Presse- und Kunstfreiheit in Gefahr geraten kann. Große Zeitungen haben Auslandskorrespondent*innen, die oft unersetzbare Kompetenzen und Kontakte in ihrem Gastland aufbauen. Wenn immer weniger Menschen Zeitungen abonnieren, werden diese Stellen gekürzt. Das halte ich für eine Katastrophe hinsichtlich sachorientierter und kompetenter Berichterstattung.

GA: Was sind die großen Herausforderungen im Journalismus?

Ronnefeldt: Neu ist sicherlich der Faktor Geschwindigkeit im Online-Zeitalter. Das Zwei-Quellen-Prinzip zur Überprüfung eines Sachverhaltes kann von vielen Medien schon lange nicht mehr praktiziert werden. Spät sein heißt, nicht mehr wahrgenommen zu werden. Das mindert die Qualität und begünstigt fake news. Aus Krisen- und Kriegsgebieten werden für wenig Geld nicht überprüfbare Fotos angeboten. Das kann zur Manipulation der öffentlichen Meinung führen, die in Demokratien für das Führen von Kriegen von großer Bedeutung ist.

GA: Was hat sich geändert?

Ronnefeldt: Der Zeitdruck in Redaktionen hat extrem zugenommen. Rezipient*innen wissen nicht mehr, welchen Quellen sie noch trauen können. Das Internet hat in der Medienlandschaft zu beängstigenden Veränderungen geführt.

GA: Was macht die Kriegsberichterstattung besonders schwierig?

Ronnefeldt: Regierungen greifen oft zur Maßnahme des „eingebetteten Journalismus“. Sie fahren Medien-Vertreter*innen in Militärfahrzeugen nur dorthin, was sie sehen und worüber sie berichten sollen. Die jeweiligen Artikel werden dann noch vor einer Veröffentlichung einem Militär-Zensor vorgelegt.

GA: Was könnten Zuhörer*innen in Ihrem Vortrag erfahren?

Ronnefeldt: Ich werde sehr konkret an einzelnen Beispielen erläutern, wo die Grenzen zwischen Kriegsberichterstattung und Kriegspropaganda teilweise verwischt wurden – auch in Deutschland. (rist)

Info:

Die Rolle von Medien für Krieg und Frieden. Mit Schwerpunkt auf dem aktuellen Ukraine-Krieg

Vortrag von Clemens Ronnefeldt

Donnerstag, 26. März, 10 bis 11.30 Uhr

Gemeindehaus Am Zwinger 5, 76227 Karlsruhe-Durlach

Unkostenbeitrag: 4 Euro

Online: www.eeb-karlsruhe.de/junge-alte-3/alle-veranstaltungen-junge-alte/

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
18.03.2026
Orte
Karlsruhe
Kategorien
Politik