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Am Mittwoch, 25. Februar, bei junge alte: Ulrich Maidowski

„Demokratie kann nicht im Internet bestellt werden“ „Es gibt keine allgemeingültige Vorstellung von Demokratie“, sagt Ulrich Maidowski. „Jeder...
Ehemaliger Bundesverfassungsrichter Ulrich Maikowski 25. Februar im Gemeindezentrum Durlach Demokratie schützen
Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Ulrich Maikowski spricht am 25. Februar im Gemeindezentrum Durlach darüber, wie wir die Demokratie schützen können.Foto: privat

„Demokratie kann nicht im Internet bestellt werden“

„Es gibt keine allgemeingültige Vorstellung von Demokratie“, sagt Ulrich Maidowski. „Jeder sieht in ihr das, was ihm persönlich wichtig ist.“ Der promovierte Jurist war von 2014 bis 2025 Bundesverfassungsrichter in Karlsruhe und spricht im Rahmen der Evangelischen Erwachsenenbildung bei junge alte im Gemeindezentrum Am Zwinger 5 in Durlach über „Demokratie: Herausforderungen, Gefährdungen, Potenziale“. Grötzingen Aktuell hat er vorab Fragen zu seinem Vortrag beantwortet.

Grötzingen Aktuell: Was gefährdet die Demokratie?

Ulrich Maidowski: Die größte Gefahr geht meines Erachtens nach von der Passivität vieler Menschen und von überzogenen Ansprüchen an die Demokratie aus. Demokratie geht mit Verpflichtungen einher. Dazu gehört, im Alltag für sie einzutreten, jeden Tag, in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Straßenbahn. Die sichere Grundlage dafür bietet unsere Verfassung. Wir dürfen rassistische und populistische Aussagen nicht durchgehen lassen und müssen immer wieder diskutieren. Das ist oft unbequem. Doch Verantwortung und Freiheit sowie Chancengleichheit sind Geschwister. Jeder muss Verantwortung übernehmen und jeder muss die Möglichkeit haben, dies auch durch Übernahme eines politischen Amtes zu tun.

GA: Welche Ansprüche haben die Menschen an die Demokratie?

Maidowski: Häufig richten sich Forderungen vor allem an die anderen und nicht an einen selbst. Es ist in der Demokratie jedoch nicht wie im Online-Handel, bei dem man einen Bestellschein ausfüllt und dann wird die individuelle Bestellung erfüllt. Es ist nicht, wie oft gefordert wird, ausschließlich die Aufgabe der Politiker, zu „liefern“. Sie müssen Vorschläge machen. Liefern müssen wir alle gemeinsam. Ich habe die Vorstellung, dass jeder einen Teil seiner Energien der Gemeinschaft zur Verfügung stellen und der Gesellschaft etwas zurückgeben muss, etwa in einem Ehrenamt. Die Gesellschaft gibt, auch wenn vielleicht nur in bescheidenem Rahmen, Wohlstand und die Chance, mitzugestalten. Wer es nicht wichtig findet, dass er sich frei äußern darf, hat vermutlich noch nie in einem System gelebt, in dem er es nicht durfte. Ich will nicht, dass eine mächtige Person für mich entscheidet. Das sollte meiner Meinung nach niemand wollen.

GA: Wie können Menschen populistischen Sprüchen begegnen?

Maidowski: Wichtig ist, zum Gespräch einzuladen. Antidemokraten hören oft nicht lange zu, und auch jungen Menschen fällt das anfangs oft schwer. Man kann aber lernen, in 20 bis 30 Sekunden eindrücklich und einfach zu argumentieren.

GA: Darf eine Demokratie mit undemokratischen Mitteln geschützt werden?

Maidowski: In keinem Fall. Das wäre ihr Tod. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht Grenzen setzen darf. Grundsätzlich darf jeder alle Rechte ausüben, bis er an die Grenzen der Rechte anderer kommt. Niemals steht nur ein einzelner Bürger im Zentrum, nach dem sich alles richtet. Es muss jedoch für jeden immer möglich sein, Verletzungen seiner Grundrechte gerichtlich überprüfen zu lassen.

GA: Was können Menschen bei Ihrem Vortrag erfahren?

Maidowski: Wichtig ist mir, deutlich zu machen, dass Menschen sehr viel selbst in der Hand haben und dass ihre Erwartungen an die Demokratie realistisch sein müssen. Es gibt keinen Grund, mit Pessimismus auf die Demokratie zu schauen. Und natürlich lade ich alle ein, Fragen zu stellen. (rist)

Info:

„Demokratie: Herausforderungen, Gefährdungen, Potenziale“

Vortrag von Ulrich Maidowski, Richter am Bundesverfassungsgericht 2014 bis 2025

Gemeindezentrum, Am Zwinger 5, 76227 Karlsruhe-Durlach

Mittwoch, 25. Februar, von 10 bis 11.30 Uhr

Eintritt: 4 Euro

hybride Teilnahme: www.eeb-karlsruhe.de/junge-alte-3/

Erscheinung
Grötzingen Aktuell
Ausgabe 08/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
18.02.2026
Orte
Karlsruhe