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Amphibienwanderung Teil 4:

Die Erdkröte im Porträt und Resümee der diesjährigen Amphibienwanderung Die Erdkröte kann bis zu 12 Jahre alt werden, in menschlicher Obhut...
Foto: Selina Herzog Keilhauer

Die Erdkröte im Porträt und Resümee der diesjährigen Amphibienwanderung

Die Erdkröte kann bis zu 12 Jahre alt werden, in menschlicher Obhut sogar bis zu 36 Jahre. Mit knapp 11 Zentimetern Größe ist sie die größte Kröte in Deutschland. Die Tiere haben verschiedene Braun- und Gelbtöne, manchmal auch eher gräulich oder rötlich. Typisch für die Erdkröte sind außerdem die bronzefarbenen Augen mit den waagrechten Pupillen. Außerdem ist die Erdkröte von vielen Warzen übersät.

An der Kopfhinterseite sieht man stak hervortretende, paarige Drüsen (Ohrdrüsen), die Hautgifte zur Abwehr von Fressfeinden erhalten. Sie enthalten unter anderem Bufadienolide, die ähnlich wie das Digitalisgift des Fingerhuts wirken, sowie Bufotenine, die bei Fressfeinden den Blutdruck steigern und die motorischen Zentren von Gehirn und Rückenmark lähmen. Ebenso enthält das Gift weitere biologische Inhaltsstoffe. Krötengifte sind die am längsten bekannten Tiergifte und wurden schon im Altertum als Heilmittel verwendet.

Dieses Gift reizt unter anderem auch die Schleimhäute der Beutegreifer. Meist werden die Kröten dann direkt wieder ausgespuckt, sobald die Beutetiere ihre erste Erfahrung mit dem Gift machen. Bei anderen Fressfeinden wie z.B. der Ringelnatter pumpen sich die Kröten auf und wirken dadurch zu groß, als dass die Schlange sie fressen kann.

Zu finden ist diese Art in Laub- und Mischwäldern, dort graben sie sich über die Wintermonate ein und verbringen dort die kalte Jahreszeit in einer Starre. Hierbei kommt der Stoffwechsel nahezu zum Erliegen, Herzschlag und Atmung werden auf ein Minimum herabgesetzt.

Eine Erdkröte braucht in der Winterstarre keine Fettschicht, denn sie verbraucht kaum Nahrung. Hat sie aus Versehen einen Überwinterungsplatz gewählt, indem es nicht frostsicher ist, gefriert ihre Körperflüssigkeit und sie stirbt. Dies passiert allerdings erst bei einigen Graden unter null, denn die Körperflüssigkeit enthält zahlreiche Salze, sozusagen ein eigenes natürliches Frostschutzmittel.

Bis zu zwei Kilometer wandern die Tiere im Frühjahr, um an ein stilles Gewässer zu gelangen. Die Bindung zum eigenen Geburtsgewässer ist sehr groß, weshalb die Tiere nach Möglichkeit dorthin immer wieder zurückkehren.

Meistens findet man schon sogenannte „Doppeldecker“ auf der Wanderung. Das kleinere Männchen lässt sich vom Weibchen zu den Laichgewässern tragen. Denn nur wer Huckepack sitzt, kann den Laich befruchten. Hier kommt es richtig zum Gerangel, und die eigentlich nachtaktiven Tiere sind auch unter Tag in Aktion. Hierbei versuchen sich die Männchen gegenseitig aus der Huckepackposition zu verdrängen.

Manchmal umklammert im Gerangel um das Weibchen aber auch ein Männchen ein anderes Männchen. Damit dieser Irrtum bemerkt wird, fiept das umklammerte Männchen zur Warnung. Das Ganze heißt tatsächlich „Befreiungsruf“. Daraufhin lässt das Männchen von seinem Konkurrenten ab. Diese Rufe sind weitaus häufiger zu hören als die eigentlichen Paarungsrufe. Die Weibchen geben keine Töne von sich.

Beim Laichen werden wie beim Grasfrosch die Eier erst außerhalb des Körpers befruchtet. Erst bei Austritt des Laiches aus der weiblichen Kloake gibt das Männchen sein Sperma ab, wobei es mit seinen Hinterfüßen einen Trichter formt. Unmittelbar vor der Laichabgabe bildet das Weibchen ein Hohlkreuz und löst wellenförmige Muskelkontraktionen aus, so wird dem Männchen der richtige Zeitpunkt dazu signalisiert. Die Weibchen pressen Laichschnüre hervor, diese können bis zu 4 Meter lang sein und bestehen aus 1000-6000 Eiern.

Insgesamt 10 bis 20 Laichschübe mit Pausen dazwischen lassen den gesamten Laichvorgang etwa 6 bis 12 Stunden dauern. Diese Laichschnüre werden von dem Krötenpaar um Äste oder Pflanzen gewickelt. Nach einigen Wochen entwickeln sich aus den Eiern kleine, schwarze Kaulquappen. Die Elterntiere verlassen nach dem Ablaichen das Gewässer und gehen getrennte Wege.

Kaulquappen sind oft im Schwarm unterwegs, um größer zu wirken und weniger gefressen zu werden. Wird eine Kaulquappe gebissen, gibt sie eine chemische Substanz ab. Dieser Botenstoff ist eine Warnung an die Fressfeinde. Stirbt ein Artgenosse, wird er von den anderen Kaulquappen aufgefressen.

Wenn die Tiere an Land gehen, haben sie eine Körpergröße von 7-12 mm. Nach circa drei bis fünf Jahren ist das Tier dann geschlechtsreif.

Eine Erdkröte hüpft nur in jungen Jahren, je älter und schwerer sie wird, desto mehr „schreitet“ sie vorwärts.

Wir konnten aber auch einige Jungtiere (siehe Bild) übersetzen. Hoffentlich sind diese die nächste Generation.

Da die Wanderung der Erdkröten genau außerhalb des von uns gestellten Zaunes stattgefunden hat, konnten wir nur einige wenige Exemplare retten und haben viele Tote zu verzeichnen.

Alles in allem können wir nach der diesjährigen Sammlung berichten, dass wir froh sind, so viele Individuen vor dem Tod unter dem Auto bewahrt zu haben.

Ebenso freuen wir uns, dass wir durch die Zählung ein grobes Bild der in diesem Abschnitt beheimaten Arten und deren Populationsgröße erhalten haben.

Schade ist dennoch, dass trotz der Absperrung und der Drosselung der Geschwindigkeit für den Verkehr die Schilder missachtet wurden. Die Autos fuhren zum Teil weiterhin sehr schnell an uns vorbei, eine Gefahr nicht nur für die Amphibien, sondern auch für die Personen, die die Tiere übersetzen.

Außerdem wurden vor unseren Augen auf der Straße befindliche Tiere einfach überfahren, obwohl diese offensichtlich gerade von uns eingesammelt wurden.

Wir wünschen uns von allen autofahrenden Personen mehr Achtsamkeit, Vorsicht und Rücksicht, gerade in der Nacht in einem Wald, in dem neben den Amphibien uns auch schon Reh und Dachs in den Abendstunden beim Einsammeln begleitet haben.

Erscheinung
Kleiner Odenwald – aktuell
NUSSBAUM+
Ausgabe 24/2026
von Wildpark Schwarzach
10.06.2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
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