
In 2026 setzen wir unsere Arbeit im Rahmen eines Citizen-Science-Projektes in Renningen/Malmsheim fort. Wie schon in 2025 werden wir, eine Gruppe von Mitgliedern des NABU sowie dem 1. Anglerclub Renningen (1. ACR), am bundesweit stattfindenden FLOW-Projekt teilnehmen: Was heißt das?
Citizen-Science-Projekt heißt, dass interessierte Freiwillige aus der Bevölkerung mit Unterstützung von Wissenschaft und Medien Daten sammeln und Untersuchungen durchführen. Konkret: Unter dem Motto „Fließgewässer erforschen und gemeinsam Wissen schaffen“ setzt sich das FLOW-Projekt seit 2022 für die Beobachtung und den Schutz von Fließgewässern ein und fokussiert dabei auf kleine Bäche oder Kleinflüsse, die bisher aus dem wissenschaftlichen Monitoring herausgefallen sind. Und das ist auch bitter nötig: Wussten Sie, dass nur 8 % der (großen und mittleren!) Flüsse in Deutschland in einem guten ökologischen Zustand sind (Stand: 2022)? Und dass Daten zu kleinen Fließgewässern gänzlich fehlen?
Hier ein kleiner Rückblick. In 2025 standen wir erstmals vor der Frage: Wie bewertet man den ökologischen Zustand von einem kleinen Fließgewässer – und führten dann im April und im Mai an einer Stelle unseres Maisgrabens Beprobungen durch. Wozu ist das nötig?
Wir alle kennen den Verlauf größerer und kleinerer Fließgewässer, solche, die wir als Rinnsal bezeichnen würden, und auch solche, die mit Kraft und Würde ihren Weg durch die Landschaft mäandern. Fließendes Wasser hat viel Kraft: Es kann Landschaften gestalten, Gestein zu Sand mahlen, Gebiete überschwemmen und mit Sedimenten bedecken. Aber Flussläufe können auch „sterben“, wenn ihre natürliche vitale Kraft in ein starres Korsett gezwängt oder massiv industriell genutzt wird oder beliebig Schadstoffe einfließen können. Mit Folgen, die wir praktisch täglich selbst erleben oder den Nachrichten entnehmen müssen: Verschmutzung, Fischesterben, katastrophale Überschwemmungen, Klimawandel, Artenverlust etc.
Die Merkmale eines vitalen Gewässers, wie sie auch für den Maisgraben gelten, sind zum einen die Wasserqualität, ein möglichst natürlicher Gewässerverlauf mit kleinen Verzweigungen und Inseln aus Pflanzen oder Steinen, unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten und Wassertiefen zum anderen aber auch das Leben im Wasser und am Wasser, also an den Gewässerufern.
Zum „Leben im Wasser gehören“ nicht nur Fische und Amphibien, sondern in hohem Maße Lebewesen am Gewässergrund: mit bloßem Auge sichtbare wirbellose Tiere (Makrozoobenthos genannt). Dazu gehören Lebewesen, die ihr ganzes Leben im Wasser verbringen wie Strudelwürmer, Muscheln, Schnecken und Egel; aber auch solche, die nur einen Teil ihres Lebens, nämlich die Larvenzeit, im Wasser verbringen und uns eher als Landlebewesen vertraut sind wie etwa Eintagsfliegen, Steinfliegen, Libellen etc. Und diese Lebewesen können wie Indikatoren zum Zustand des Ökosystems Fließgewässer genutzt werden: Sie zeigen quasi die sensibelsten Reaktionen eines kleinen Ökosystems wie dem Maisgraben.
Das Ergebnis unserer Beprobungen in 2025 war ernüchternd: Die Wasserqualität des Maisgrabens war nur mäßig und das Ökosystem Maisgraben bedarf dringender Unterstützung, zumal hier Maßnahmen zum Hochwasserschutz angedacht sind und der Klimawandel die Negativfaktoren nur noch verstärken wird.
Aus diesen Gründen wird unsere Gruppe auch in 2026 wieder Beprobungen im Maisgraben durchführen – und das mit einem leicht veränderten Fokus: Wir werden selbstverständlich die gleiche Stelle des Maisgrabens zum Vergleich beproben wie in 2025, und zusätzlich eine zweite Stelle, an der vor einigen Jahren Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Denn das interessiert uns brennend: nicht nur der derzeitige Zustand, sondern vor allem auch die Frage, was wir tun können oder müssen, um dieses kleine Ökosystem im Herzen von Renningen und Malmsheim wirkungsvoll und nachhaltig zu stärken und zu schützen.
Und wie immer werden wir Sie selbstverständlich über die Beprobungen und natürlich etwas später über die Auswertungen informieren. Und wir hoffen sehr, dass auch Sie sich für diese spannenden Fragen begeistern können.gb
Nach dem positiven Auftakt mit dem Streuobsterlebnistag im vergangenen Jahr wollen wir auch in diesem Jahr auf die Streuobstwiesen aufmerksam machen. Hierzu veranstalten wir zusammen mit dem Streuobstnetzwerk Renningen-Malmsheim und dem Obst- und Gartenbauverein Malmsheim wieder einen Aktionstag am Tag der Streuobstwiese. Dieses Jahr gibt es sieben Stationen und Kutsch- und Traktorfahrten.
Merken Sie sich den 26. April vor!
Weitere Informationen zu der Veranstaltung gibt es auf unserer Homepage (www. NABU-Renningen.de/Aktuelles) bzw. auf der Homepage des Streuobstnetzwerks Renningen-Malmsheim (streuobstnetzwerk.de).