„Das hätte ich nicht erwartet!“, und „Das kannte ich wirklich nicht!“ waren Reaktionen von Teilnehmer/-innen des Ausflugs des Ortsseniorenrats Bad Boll am 19. Mai 2026 nach der Entdeckungsreise auf der „Straße der Staufer“ im Landkreis Heidenheim.
Das Staunen begann bereits bei der Besichtigung der romanischen Galluskirche in Brenz an der Brenz. Diese „schwäbische Schmuckkirche“ auf dem Hügel neben dem Schloss zeigt unter dem Dachtrauf ein 150 Meter langes Band mit einem Bogenfries, geschmückt mit Köpfen, Menschen und Tieren. Vermutlich ist an der Apsis auch Kaiser Barbarossa, auf dem Thron sitzend, abgebildet. Bemerkenswert sind auch das Portal und die ornamental geschmückten Säulen im Inneren der Kirche, der große Taufstein sowie ein römischer Grabstein, der in der Apsis mit verbaut wurde und ein Hinweis ist, dass die Kirche auf den Grundmauern eines römischen Gutshofs erbaut ist. In Erinnerung bleiben auch die drei Storchennester in der Umgebung.
Nächstes Ziel war eine etwas lang geratene, aber informationsreiche Führung in der von Barbarossa gegründeten ehemaligen Reichsstadt Giengen mit ihrer bewegten Geschichte. Aufgrund des schrecklichen Stadtbrands 1634 gibt es nur noch wenige Zeugnisse aus dem Mittelalter. Aber alle kennen nun die drei bedeutenden Frauen aus dieser Stadt: Lina Hähnle, Gründerin des NABU, Margarete Steiff und Maria Gräfin von Linden, die erste Professorin der Naturwissenschaften in Deutschland, wissen um die Bedeutung des Einhorns im Stadtwappen und haben sich auf der „Tanzlaube“ bewegt, dem Platz einer ersten Burg Giengens.
Ein Höhepunkt war zweifellos nach dem guten Mittagessen in der Burgschenke die Besichtigung der Burg Katzenstein. Bereits um 1100 wurden die unteren Geschosse des Bergfrieds errichtet. In staufischer Zeit wurde die Burg ausgebaut und mit einer gewaltigen Ringmauer umgeben, später folgte das Schloss der Grafen von Oettingen. Alle waren fasziniert von der Brunnenstube, dem Staufersaal, dem Ausblick vom Turm und insbesondere von den romanischen Fresken in der Burgkapelle mit der Geburts- und Passionsgeschichte Jesu sowie dem richtenden Christus in der Mandorla mit den beiden Schwertern. Wie in Brenz wurde auch in Katzenstein der Suevit (sog. Schwabenstein) verbaut, ein Gestein, das sich im Nördlinger Ries aufgrund des Meteoriteneinschlags bildete und dort abgebaut wird. Die Burg hat auch mehrere Museumsräume – man hätte sich noch Stunden aufhalten können.
Doch es ging weiter zur Abtei Neresheim mit der von Balthasar Neumann entworfenen Klosterkirche mit den Deckengemälden von Martin Knoller, gemalt von 1770 bis 1775. Auch dieses Kloster wurde bereits 1095 gegründet. Um diese Zeit wurde auch die erste Burg oberhalb von Heidenheim von Degenhard von Hellenstein gegründet, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch Heinrich Schickhardt zu einer Bastion und Nebenresidenz der Herzöge von Württemberg erweitert wurde. Dieses Schloss Hellenstein mit dem Blick ins weite Brenztal und die Stadt war der letzte Besichtigungspunkt nach einer Stärkung im nahen Schlossrestaurant beim CongrssCentrum.
Dieser Ausflug, in der Tat ein gelungener Tag mit vielen Höhepunkten!
Gerd-Ulrich Wanzeck

