Die Ergebnisse der groß angelegten Jugendumfrage wurde am 21. Mai im Alten E-Werk in Neckargemünd von Jugendreferent Emanuel Kuderna und Sozialarbeiterin Madeleine Schwarz vorgestellt. Zwischen Schulstress, Einsamkeit und dem Wunsch nach echten Treffpunkten wird klar: Junge Menschen brauchen mehr als Fußballplätze und WLAN – sie brauchen Orte, an denen sie einfach sie selbst sein können.
Mehr als 1.300 Jugendliche zwischen 12 und 24 Jahren haben an der Umfrage 2025 teilgenommen – und ihre Antworten zeigen ziemlich deutlich, wie junge Menschen heute ticken und was ihnen in ihrer Freizeit fehlt. Knapp die Hälfte der Befragten kommt direkt aus Neckargemünd und den Ortsteilen, die übrigen aus Schönau, Mauer, Neckarsteinach und mehr als 25 weiteren Orten.
Referent Kuderna machte dabei deutlich, dass sich die Jugend stark verändert habe. Wegen des demografischen Wandels gebe es heute deutlich weniger Jugendliche als noch in den 80er-Jahren. Gleichzeitig hätten sich auch die Bedürfnisse verändert. „Das ist die Corona-Generation“, erklärte Kuderna. Früher seien Clubs und Partys wichtiger gewesen, heute gehe es vielen Jugendlichen eher darum, unkompliziert Zeit miteinander zu verbringen. Tatsächlich landen Bars, Clubs und Konzerte in der Umfrage sogar auf den hinteren Plätzen. Stattdessen stehen „draußen mit Freunden chillen“, Musik hören, Netflix und YouTube ganz oben.
Besonders beliebt sind Orte wie das Schwimmbad, Plätze am Neckar oder einfache Sitzbänke in der Natur. Gleichzeitig wurde in der Umfrage immer wieder deutlich, was fehlt: konsumfreie Orte. Also Treffpunkte, „wo man einfach hingehen kann und nichts zahlen muss“, wie Schwarz erklärte. Gerade Cafés seien für viele Jugendliche schlicht zu teuer. Außerdem wünschen sich viele einen geschützten Innenraum für kalte Tage.
Sport spielt zwar weiterhin eine wichtige Rolle: 60 Prozent der Jugendlichen sind Mitglied in einem Verein, besonders häufig im Fußball, Handball oder Tennis. Doch genau hier zeigen sich laut Umfrage auch Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Während 39 Prozent der Jungen gerne Fußball spielen und 67 Prozent regelmäßig Konsole zocken, interessieren sich Mädchen häufiger für andere Freizeitangebote, wie Musik hören oder nach Heidelberg fahren. Laut Kuderna drehen sich Diskussionen über Jugendangebote aber oft fast ausschließlich um Sportstätten – und damit eher um Interessen von Jungen. „Es braucht mehr als Sportplätze“, wird durch die Ergebnisse deutlich. Viele Mädchen fühlten sich von klassischen Angeboten weniger angesprochen.
Auch bei der Musik haben die Jugendlichen klare Favoriten: Am beliebtesten ist Pop, dicht gefolgt von Deutschrap und Hip-Hop. Passend dazu wurde in der Umfrage auch der Wunsch nach mehr musikalischen Veranstaltungen laut – vor allem ein Pop-Konzert würden viele Jugendliche gerne einmal direkt vor Ort erleben. Damit zeigt sich erneut: Junge Menschen wünschen sich gemeinsame Erlebnisse und Freizeitangebote, die mehr bieten als klassische Sportangebote allein. Dabei hätten Jugendliche selbst zahlreiche Ideen genannt: Filmabende, Grillaktionen, Graffiti-Workshops, Kleidertauschbörsen oder Mario-Kart-Turniere. Die Wünsche zeigen, dass es vielen weniger um große Prestigeprojekte geht, sondern vielmehr um Orte zum Treffen, Ausprobieren und Zusammensein.
Die Umfrage brachte aber auch ernste Themen ans Licht. 70 Prozent der Jugendlichen nannten Schulprobleme als Belastung, 40 Prozent berichteten von Stress in der Familie, 34 Prozent von Konflikten zwischen den Eltern. 25 Prozent fühlen sich einsam, 18 Prozent berichten von Mobbing. Besonders auffällig: Mädchen geben laut der Umfrage dreimal häufiger psychische Erkrankungen an und fühlen sich doppelt so oft einsam wie Jungen. Jungs wiederum nannten häufiger Probleme mit Spielsucht. Einige Jugendliche berichteten von einem Gefühl, in ihrem Leben „festzustecken“.
Auch das Thema Sicherheit spielte eine große Rolle. Viele Mädchen würden bestimmte Orte wie den Menzerpark meiden, weil dort Beleuchtung fehle. „Wir brauchen sichere Orte mit regelmäßigen Öffnungszeiten und pädagogischem Fachpersonal“, sagte Kuderna. Zusätzlich wurden bessere Busverbindungen und eine bessere Infrastruktur gefordert.
Trotz aller Probleme überwog bei der Präsentation am Ende nicht die Resignation, sondern eher Dankbarkeit dafür, dass Jugendliche überhaupt gefragt wurden. Besonders die Wünsche nach frei zugänglichen Treffpunkten, sicheren Orten und mehr Angeboten abseits klassischer Sportvereine zogen sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse. Ein erster Schritt soll nun die Villa Menzer sein, die künftig zweimal pro Woche als Jugendtreff geöffnet werden soll.


