„Awwer die hän halt en Fernseher ghabt“, das war einer der Gründe, warum Adin Hassa als Kind auch dann seinen Freund Peter besuchte, wenn er keine Lust dazu hatte. Und nicht nur er. „Sechs Familien mit jeweils 2-3 Kinner [im Haus]. Und oi Familie mit em Fernseher“, so erinnert er sich. „Grob g’schätzt mindeschdens 20 Leit“ hätten dort 1963 Sendungen über die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy „geguggt“.
„ ‘Rudelgugge‘ oder ‚En Fernseh kommt mir nicht ins Haus‘ “ ist eine von 34 Kurzgeschichten, und vier Liedtexten, die Adin Hassa gesammelt hat. „Komm, vazähl!“ heißt sein „Band 3 der Mundartgeschichten aus Durlach und dem Rest der Welt“.
Alle Geschichten beruhen auf Erinnerungen von Durlacher*innen, darunter eben auch die von Adin Hassa selbst. Andere haben ihm Ereignisse aus ihrem Leben berichtet und er hat sie aufgeschrieben. Da ist etwa Petra, die „Hexe in de Fasnacht“, so der Titel der Geschichte. Sie war Ende der 1970er-Jahre in der Dorlacher Fasnacht als Hexe, vermutlich als Hottscheck-Hexe, unterwegs auf Kneipentour. „Nachdem des Glas leer war … hat se ihren Lederbeidel am Gürdel uffgmacht un fünf Hoseknöpf rausgfummelt. ‚Des isch oiner zviel‘, hat der Wirt gesagt. Sie: ‚Schtimmt so!‘“
Ingrid erinnert sich, dass sie als Kind nach dem Krieg „D Zuckerwürfel“ aufs Fensterbrett gelegt hat, weil sie, wie sie ihrer Mutter erklärte, den Storch anlocken wollte, damit er ihr ein Brüderchen bringe. „De Babbe kommt net widda, der isch im Himmel“, antwortete die Mutter. Ingrid: „Ich will gar koin Babbe, ich will doch nur e Brüderle“.
„Im Baurehof“, in dem Sigrun aufgewachsen ist, kam es zu einer lustigen Verwechslung, weil sie die Bauersfrau rufen hörte „Erich, Eeerich, Eeeerich – net hopfe, neet hopfeee!“ Allerdings ging es dabei nicht um den Bauern Erich, sondern um den Hund Bärle, den die Bäuerin aus Versehen mit dem Namen ihres Mannes gerufen hatte.
Traute vom Radio-Kolbe berichtet von einem Kunden, der „öfters e Kofferradiole oder e kloine Schdereoalage“ im Laden gekauft habe. Zu Feiertagen brachte er Schokolade und ein Kärtchen – und diktierte Traute, was sie draufschreiben sollte. Die Geräte hat er weiterverkauft, zum Einkaufspreis.
Adin Hassa selbst erinnert sich an ein anderes Original, an „De Allion“, den die älteren Durlacher*innen vermutlich auch gekannt haben. „De Allion war de legendäre Kirchediener von de evangelisch Kirch … en Allrounder … e Unikat … e Unikum … e Dorlacher Urgschtoi“. Bekannt war er auch deshalb, weil er jedes Jahr zum Advent den Zwei-Meter-Adventskranz zur Kirche transportiert hat – auf dem Fahrrad, den Kranz um den Hals.
„Komm, vazähl!“ gehört zum Zyklus „Eine Kindheit in Dorlach, 1956ff“, der auch die Büchlein „Vazähl ma nix!“ und „Du kannsch ma viel vazähle!“ umfasst. Wie immer hat Adin Hassa mit einer großen Liebe zu den Durlacher*innen, ihren Geschichten und zu Durlach genau hingeschaut. Er sieht, was die Menschen erlebt haben, was sie bewegt hat und vielleicht immer noch bewegt. Das Wichtigste dabei ist ihm, dass all diese Geschichten erhalten bleiben. „Sie dürfen nicht verloren gehen“, sagt er. „Sie sind ein Kulturgut. Schreibt sie auf.“ Er verbindet das mit dem Angebot, wer nicht selbst schreiben wolle, könne ihm seine Geschichten erzählen. Er werde sie dann aufschreiben. (rist)
Info:
Adin Hassa: Komm, vazähl! – Band 3 der Mundartgeschichten aus Dorlach und dem Rest der Welt, Grafische Anstalten Hassa & Karl GbR, Malmsheim, 2025, 126 Seiten, kartoniert/Paperback/ungenäht/geklebt, ISBN: 978-3-9824477-7-3, 9,80 Euro
