Mit drei Kanonenschüssen, dem Bürgermeisterbaum auf dem Rathausplatz, einem Sektempfang, fröhlicher Musik und vielen guten Wünschen begann Eric Bänzigers dritte und wohl auch letzte Amtszeit als Bürgermeister von Weingarten.
Der offizielle Akt war schnell beendet. Gemeinderat Wolfgang Wehowsky übernahm die förmliche Verpflichtung Eric Bänzigers als Bürgermeister. Ein Ergebnis von 60,9 Prozent der Wählerstimmen, das sei ein erfreulicher Vertrauensbeweis und auch Vertrauensvorschuss, sagte Wehowsky.
Das Interesse am offiziellen Teil war groß, der Ratssaal dafür zu klein, daher wurde die Verpflichtung live zu den vielen Gästen ins Turmzimmer übertragen. Sie kamen erst danach auf dem Rathausplatz zusammen, wo während des Sektempfangs der Bürgermeisterbaum gestellt wurde.
60,9 Prozent der Wählerstimmen – das sei nicht selbstverständlich, nicht einmal die Wiederwahl sei heute garantiert, betonte der Erste Landesbeamte Knut Bühler, der den Landrat vertrat. Er lobte Weingartens Erfolge, so die gut organisierte Familienförderung, die Sicherung des Schulstandorts, die Einführung von Tempo 30 und mehr.
Bühler sprach aber auch kommende Probleme an: die Misere der kommunalen Haushalte und die neuen Aufgaben, die im Bereich des Katastrophenschutzes und der zivilen Verteidigung auf die Gemeinden zukommen. Er mahnte die Bürgerinnen und Bürger an, selbst auch die nötige Vorsorge zu treffen, zum Beispiel für Stromausfälle.
Bürgermeister-Kollege Thomas Nowitzky aus Oberderdingen betonte, wie wichtig es für die Gemeinden sei, in der Nachbarschaft zusammenzuarbeiten. Die Themen unterschieden sich kaum, „wir müssen das Rad nicht fünfmal erfinden“. Weingarten und Oberderdingen verbindet der Weinbau. Hier warnte er vor der Strukturkrise im Weinbau, die bereits da sei. Auch das Amt des Bürgermeisters sei schwieriger geworden, sagte Nowitzky, und die Ansprüche der Bevölkerung größer.
Er hatte aber doch ein Lob für die Weingartener Bevölkerung parat: Eine so hohe Wahlbeteiligung wie bei der Bürgermeisterwahl habe man nicht oft. Und zu seinem Amtskollegen anlässlich der dritten Amtszeit gewandt: „Du gehörst nun zum Kreis der erfahrenen Bürgermeister.“
Immer wieder wurde die gute Zusammenarbeit, auch über Parteigrenzen hinweg, erwähnt und gelobt. Sachpolitik stehe in der Kommunalpolitik im Vordergrund, betonte Thomas Nowitzky.
Doch genau das Bild der Zusammenarbeit bekam Risse: Es sei kein gemeinsames Grußwort des Gemeinderats zustande gekommen, sagte Timo Martin in seiner Funktion als Bürgermeister-Stellvertreter. Er betonte, dass sich Weingarten in den vergangenen 16 Jahren enorm entwickelt habe, dahinter steckten Engagement und Herzblut – auch von Gemeinderat und Verwaltung.
Bürgermeister Eric Bänziger dankte Knut Bühler für seine klaren Worte. Die Aufgaben, die auf die Kommunen als Dienstleister zukämen, würden immer mehr, beispielsweise bei der Kinderbetreuung oder bei der Ärzteversorgung. Weingarten stehe sowohl vor zivilgesellschaftlichen als auch vor finanziellen Herausforderungen, aber auch vor vielfältigen Möglichkeiten. Für seine letzte Amtszeit rief er alle auf: „Lassen Sie uns Weingarten gemeinsam voranbringen.“ (fri)
