„Haltung gehört zum Wesen aller Kunst“, schreibt die künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin Cornelia Bend im Programmheft. Haltung, so Bend, bedeute Überzeugung, Würde und Empathie – und auch Zuhören sei eine Haltung.
Das diesjährige Festivalprogramm umfasst mehr als 60 Veranstaltungen mit alter und neuer Musik, Oper, Konzerten und Literatur. Ein besonderes Merkmal der Festspiele bleibt ihre Öffnung in die Stadtgesellschaft hinein. Familienkonzerte, Workshops, Mitmachformate und Musiktheaterangebote richten sich gezielt an junges Publikum. Ein Höhepunkt in diesem Bereich ist das Klangraumexperiment „in C“ des amerikanischen Komponisten Terry Riley, das in Zusammenarbeit mit der Musikschule Schwetzingen entstand und von Dorothee Oberlinger geleitet wurde.
Neu im Programm ist das Format „Frei Haus“: Am 2. Mai geben das Viatores Quartet und das Signum Quartett bei privaten Gastgebern in Schwetzingen halbstündige Pop-up-Konzerte. Beide Ensembles sind zudem an ungewöhnlichen Spielorten in der Stadt zu erleben. Zu den Residenzkünstlern der Saison zählen neben Dorothee Oberlinger die Pianistin Sophie Pacini sowie der Dirigent Jörg Halubek. Das junge Viatores Quartet, 2024 von SWR Kultur als „New Talent“ ausgezeichnet, gibt am 1. Mai mit einer Matinée sein Schwetzingen-Debüt.
Für einen glanzvollen Festivalauftakt sorgte die viel beachtete Uraufführung der Oper „Malina“ nach dem Roman von Ingeborg Bachmann, deren Geburtstag sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Die Musik stammt von Karola Obermüller und Peter Gilbert, das vorzügliche Libretto schrieb Tina Hartmann, Regie führte Franziska Angerer. In den Hauptrollen überzeugten Valer Sabadus, Larisa Akbari und Ronan Collett. Die musikalische Leitung hatte Chanmin Chung. Die hoch komplizierte Romanvorlage war eine enorme Herausforderung sowohl für die Autoren der Musik als auch für das Libretto. „Die Stimmübertragung zwischen Mann und Frau gab den Impuls,“ sagte Hartmann; Malina wurde von einem Countertenor gesungen. Im ganzen Roman gebe es Leitkonzepte, Motive, an denen man sich orientieren konnte, fügte Obermüller hinzu. Bei der Inszenierung des Stücks habe sie sich am Aufführungsort, dem Schwetzinger Rokokotheater und am Theater Aachen orientiert, ergänzte Regisseurin Angerer. Die Produktion entstand in Kooperation mit dem Theater Aachen. Die Oper wird am 27. Juni von 20.03 bis 23 Uhr in ARD Oper ausgestrahlt.
Einen spannenden Kontrast dazu setzt L’Orfeo von Claudio Monteverdi: zunächst als instrumentale Bearbeitung mit dem Ensemble Continuum, später als vollständige Neuproduktion gemeinsam mit dem Nationaltheater Mannheim im Rokokotheater. Auch mit „Die Frau an seiner Seite – Eurydike“ wird der antike Stoff neu befragt – diesmal aus der Perspektive Eurydikes. Weitere Akzente setzen eine queere Adaption von Carmen mit Maayan Licht in der Titelrolle sowie Boris Aljinovic mit einer eigenen Fassung von Die Fledermaus. Auch literarisch und konzertant bietet das Festival prominente Namen: Corinna Harfouch und Rebecca Immanuel sind mit Lesungen zu erleben. Der Lautenist Thomas Dunford gestaltet gemeinsam mit dem Perkussionisten Keyvan Chemirani, seinem Ensemble Jupiter und der Mezzosopranistin Lea Desandre zum Festivalende ein „Festival im Festival“.
Erstmals begleitet zudem eine Ausstellung im Xylon-Museum das Programm. Unter dem Leitmotiv „Haltung“ zeigt sie unter anderem den textfreien Multimedia-Loop „Visiophonie“ des Künstlers Achim Freyer zur Musik aus „Malina“. Die Schwetzinger SWR-Festspiele zeigen sich damit auch in ihrer 74. Ausgabe als traditionsreich und experimentierfreudig – und als Festival, das künstlerische Exzellenz mit gesellschaftlicher Offenheit verbindet.
Gefördert werden die Festspiele vom Land Baden-Württemberg, vom Unternehmen Fuchs SE, den Stadtwerken Schwetzingen, dem Freundeskreis der Schwetzinger SWR Festspiele, der Rheinhessen Sparkasse sowie privaten Förderern und der Familie Dres. Eva und Gregor M. Hess und Kooperationspartnern sowie ehemals für drei Jahre vom Sparkassenverband Baden-Württemberg.



