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Aus der Talheimer Geschichte

Jakobine Gilmer und ihre Gäste im Neuen Schloss Als im September 1870 der damalige Schlossherr Dr. Gustav Gilmer mit 42 Jahren starb, trat seine...
3. Jakobine Gilmer, Talheimer Schlossherrin
3. Jakobine Gilmer, Talheimer Schlossherrin

Jakobine Gilmer und ihre Gäste im Neuen Schloss

Als im September 1870 der damalige Schlossherr Dr. Gustav Gilmer mit 42 Jahren starb, trat seine gleichaltrige Witwe Jakobine geb. Schmitz ein schweres Erbe an.

Nicht nur weil sie 3 minderjährige Töchter, Elise, Ida und Fanny hatte, sondern weil ihr Mann erst 12 Jahre zuvor das Neue Schloss übernommen hatte. Zur Erhaltung von Schloss und Neugestaltung des Parks war noch viel zu tun. Außerdem war das Schlossgut mit rund 90 ha Wald, Wiesen, Äckern und Weinbergen zu verwalten.

Jakobine war dazu gewillt als Schlossherrin zu agieren. Dazu wurden Jagden veranstaltet, Familienfeste gefeiert und ein breites Spektrum von Verwandten und Freunden eingeladen und oft mehrere Wochen beherbergt, darunter auch ihre langjährige Freundin Helene von Siebold, geborene von Gagern.

Jakobine Gilmer (*1827) und Helene von Siebold (*1820), Frau des Japanforschers Philipp Franz von Siebold (1796-1866) hatten sich einst in Boppard am Rhein kennengelernt. Ihr Vater betrieb dort als Kurarzt ein Kaltwasserbad. Franz von Siebold und seine Frau Helene hatten sich dort 1845 niedergelassen,

Wie ein vom Siebold Archiv auf Burg Brandenstein in Schlüchtern/Elm Kreis, überlieferter Brief von Helene von Siebold vom 14.7. 1874 beweist, hielt sich diese im Mai desselben Jahres im Talheimer Schloss auf.

Helene von Siebold war seit 1866 Witwe und lebte vorwiegend in Würzburg und Wiesbaden. Helene hatte neben 2 Töchtern noch 3 Söhne. Sie war in Talheim unter anderem auf Brautschau, denn ihre Freundin Jakobine Gilmer hatte drei heiratsfähige Töchter: Elise (*1852) , Ida (*1855) und Fanny (*1858).

Am 13. Mai 1874 schreibt Helene ihrem zweitältesten Sohn Heinrich, der sich gerade auf der Fahrt von Holland nach Japan befand. Der Brief sollte ihn über die ostindische Kompanie in Japan erreichen.

Im Brief beschreibt Helene ihren Talheimer Aufenthalt. Nach der Bemerkung, dass das Wetter dieses Jahres noch so kalt ist, und man daher wenig im Freien sitzen könne, kommt Helene auf Talheim zu sprechen:

„Alle sind sehr gut und lieb zu uns. Doch ist es ein kleines, enges Tal, viel zu eng für Dich, der die große, schöne Welt gewohnt ist. Auch ich würde mich hier auf die Länge entschieden langweilen.“

Danach kommt sie auf Jakobine und ihre 3 Töchter zu sprechen.

Elise ist ein liebes, niedliches Mädchen...sieht aber viel älter aus als Du, was sie in Wahrheit ja nicht ist... Fanny ist ein nettes Mädchen von 15 Jahren, doch finde ich nicht, dass die Erwartung der Mutter „sie wird die Schönste von den dreien werden“, sich bisher erfüllt. Ida ist auch nicht hübsch, alle drei sind lieb und wohlerzogen.“ Helene von Siebold schliesst ihren Brief:“ Elise hat eine Einladung nach Darmstadt zu einer Hochzeit Ende dieses Monats. Da habe ich sie zu uns nach Wiesbaden eingeladen….

Unter diesen Umständen darf man sich nicht wundern, wenn aus einer Verbindung zwischen den beiden Familien nichts wurde.

Die Gilmertöchter gingen in den nächsten Jahren Ehen ein. Mutter und Schlossherrin Jakobine Gilmer feierte die Hochzeiten ihrer Töchter 1877 Ida, 1882 Fanny und 1885 Elise jeweils in großem Rahmen im Neuen Schloss.

Die Söhne der Helene jedoch waren ihrem Vater Philipp Franz von Siebold, dem großen Arzt und Japanforscher, gefolgt und dienten im diplomatischen Dienst in Japan.

D.G.+

Philipp Franz von Siebold (1796 – 1866)
Arzt aus Würzburg, Japan- und Naturforscher, Ethnologe, Botaniker und Sammler.
Er lebte von 1823-1829 und 1859-1862 in Japan. Begründer der internationalen
Japanforschung. Er brachte viele japanische Pflanzenarten nach Europa: Hortensie,
Blauglockenbaum, Hosta,Clematis, Prachtlilie u.a. Sein Werk: Flora japonica (1835 ff).

Erscheinung
Mitteilungsblatt der Gemeinde Talheim (Heilbronn)
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Ausgabe 09/2026
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