und lieber Mitbürger,
es braut sich etwas über unseren Köpfen zusammen. Mit täglich zunehmender Sonnenscheindauer steigt die Luftfeuchtigkeit und somit auch das Risiko von Starkregen-Ereignissen sowie Hochwassern. Besonders im Juni und Juli gewittert es besonders häufig, wobei sich die Hauptgewittersaison von Mai bis August erstreckt. Aus leidvoller Erfahrung wissen wir, wie schnell sich Sturzbäche über uns ergießen können, wenn ich an das Unwetter vor 2 Jahren denke.
Als die Fils nach tagelangen heftigen Regenfällen im gesamten Landkreis Göppingen über die Ufer getreten ist, sich zwei Gewitterzellen oberhalb von unserem Stadtteil Holzhausen entladen haben und sturzflutartige Niederschläge durch Holzhausen rauschten, fühlten zahlreiche Rettungskräfte und Betroffene Menschen eine gewisse Ohnmacht angesichts dieser Naturgewalten.
Solche Ereignisse können jeden Menschen treffen – unabhängig von der Nähe zu Gewässern. Wie wir leidvoll in Holzhausen erleben mussten, können innerhalb kürzester Zeit große Wassermengen niedergehen, die zu Überflutungen von Straßen, Grundstücken und Kellern führen.
Doch nicht erst seit dem Unwetter vor 2 Jahren beschäftigen wir uns in der Stadtverwaltung und im Gemeinderat mit dem Hochwasser- und Starkregenschutz. Im vor 10 Jahren beschlossenen Stadtentwicklungskonzept 2030 ist er eines unserer Handlungsfelder inklusive Leitzielen.
Liebe Mitbürgerin und lieber Mitbürger: Als Gemeinde ist es unsere Aufgabe, im Rahmen des Starkregen-Risikomanagements bestehende Gefahren zu analysieren und dann – zusammen mit übergeordneten Behörden, Grundstückseigentümern aus Bürgerschaft und Landwirtschaft – Vorsorge zu treffen, und Schutzmaßnahmen zu planen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, offen anzusprechen: Einen vollständigen Schutz vor den Folgen extremer Wetterereignisse können wir als Stadt nicht garantieren. Umso entscheidender ist es, dass wir gemeinsam vorsorgen und somit das Risiko minimieren.
Eine zentrale Rolle nimmt dabei das Starkregen-Risikomanagement der Stadt Uhingen ein, das von einem Fachbüro erarbeitet wurde und Stück für Stück umgesetzt wird. Dafür sind im diesjährigen Haushalt 100.000 Euro eingestellt. Zunächst sollen von den Fachplanern empfohlene Maßnahmen erster Priorität umgesetzt werden, bei denen kein Grunderwerb nötig ist. Dabei handelt es sich um den Ausbau des östlichen Grabens mit leistungsstarken Einläufen im Bereich der Jahnstraße, die Optimierung der Einlaufbauwerke in Nassach sowie die Vergrößerung des Rückhaltebeckens und Verbesserung der Einlaufbauwerke, sodass sie ein größeres Fassungsvermögen haben – also mehr Niederschlagswasser aufnehmen können.
Hierbei stehen die Fachplaner und Stadtverwaltung in einem ständigen Austausch; und auch im Gemeinderat sowie dem Technischen Ausschuss sind die Schutzvorkehrungen regelmäßig ein Thema.
Wie wichtig diese Maßnahmen auch auf Jahre hinaus sind, zeigt eine Gefährdungsanalyse des Landkreises Göppingen. Daraus geht hervor, dass Uhingen besonders von Starkregen betroffen ist und bei weiter steigenden Temperaturen zu den Städten mit den meisten heißen Tagen im Landkreis gehören wird.
In einem nächsten Schritt wird ein Klimaanpassungskonzept erarbeitet. Damit werden Risiken durch Hitze, Starkregen, Trockenheit und andere Klimafolgen systematisch bewertet und Maßnahmen entwickelt.
Ich bitte Sie daher, sich über mögliche Risiken für Ihr eigenes Grundstück zu informieren und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören beispielsweise der Einbau von Rückstausicherungen, die Sicherung von Lichtschächten oder das rechtzeitige Entfernen von Wertgegenständen aus gefährdeten Bereichen. Dabei kann es schon helfen, Gegenstände und Elektrogeräte im Keller nicht auf dem Boden zu lagern, sondern in einem Regal. Mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen können Sie dazu beitragen, Schäden deutlich zu reduzieren.
Wir unterstützen Sie dabei durch unsere Sandsack-Aktion: An drei Terminen in den nächsten Wochen können Immobilienbesitzer aus Uhingen Sandsäcke abholen und mit Sand befüllen. Mehr können Sie, liebe Mitbürgerin und lieber Mitbürger, in dieser Ausgabe des Mitteilungsblattes unter der Rubrik „Informationen der Stadtverwaltung“ lesen.
Doch Sandsäcke sind nur eine Maßnahme zum Schutz Ihrer Immobilie. Wenn Sie das Risiko von Schäden möglichst gering halten wollen, sind weitere eigene Maßnahmen erforderlich. Was Sie tun können, haben wir auf der Internetseite der Stadt Uhingen aufgelistet, sodass Sie sich bestmöglich auf den – hoffentlich nie eintretenden – Ernstfall vorbereiten können.
Dort gelangen Sie auch zu einer Hochwasserrisikokarte des Landes Baden-Württemberg, auf der Sie für Ihr Grundstück die Wahrscheinlichkeiten von 10-jährigem, 50-jährigem und 100-jährigem Hochwasser sowie extremen Hochwasser einsehen können.
Außerdem finden Sie auf unserer Internetseite weitere wichtige Tipps über Gefahrenlagen, Katastrophenfälle und den Informationsfluss in Ausnahmesituationen: www.uhingen.de/katastrophenschutz
Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Zeit, die Sie benötigen, um sich zum einen ausführlich zu informieren und zum anderen um entsprechende Maßnahmen zum Selbstschutz umzusetzen, für Sie persönlich auf Dauer lohnen wird.
Starkregen und Hochwasser sind Herausforderungen für uns alle. Mit einer guten Vorbereitung, gegenseitiger Rücksichtnahme und klarer Information können wir jedoch gemeinsam dazu beitragen, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.
Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Matthias Wittlinger
Bürgermeister Stadt Uhingen