Als Angelika Messner ihren Vorstandskollegen des Kur- und Verkehrsvereins, Norbert Dirolf und Klaus Heinzmann, die Bemalung von Stromkästen zur Verschönerung des Ortsbildes mittels „Traditionsinseln“ vorschlug, erntete sie nicht gleich Begeisterungsstürme. Eher wurde sie sogar belächelt.
Inspiriert wurde Messmer durch den Künstler Jens-Peter Lages, der seit nunmehr vier Jahren in seiner Heimatgemeinde Neckargemünd schnöde graue Kästen in Hingucker verwandelt.
In Mingolsheim wurde am vergangenen Freitag der nunmehr fünfte Stromkasten enthüllt. „Dass sich die Idee nun zu einem Erfolgskonzept entwickelt hat, liegt vor allem daran, dass wir nicht Blümchen und Vögel nehmen, sondern historische Motive, die Ortsgeschichte darstellen“, erklärte Klaus Heinzmann vor einer immer größer werdenden Schar von Interessierten, die der kleinen Feierstunde an der Ecke Richard-Wagner-Straße/Beethovenstraße beiwohnten. Ein idealer Ort gegenüber den Sank Rochuskliniken, da hier immer sehr viel Publikumsverkehr herrscht. Erfreulicherweise hatten die Familien Conrad und Kunibert Bender die Finanzierung übernommen.
Nachdem der erste Stromkasten in der Friedrichstraße vor dem Restaurant El Greco als Initialprojekt des Vereins eine Straßenszene zeigt, folgten Darstellungen der meist verschlossenen Rochuskapelle von innen und außen in der Gartenstraße und im Kapellenweg. Anschließend ein historisches Foto der ehemaligen Erlenmühle am Mühlengrund. Die Brüder Bender hatten aus den Fotoalben ein Bild herausgesucht, das ihren Vater Ferdinand Walter bei der Feldarbeit im Gewann Sand (heute Eisenbahnfreunde) zeigt. Eine harte Arbeit, bei der der Pflug noch mit einem Ochsen gezogen wurde. „Ein Bild, das mich sehr berührt hat, da es auch im Bildband 'Mengelse wie es früher einmal war' aufgenommen wurde“, so Heinzmann. Da das Foto aus dem Jahr 1961 stammte, war das auch ein schöner Anlass, gemeinsam das Mengelser Heimatlied anzustimmen, das im selben Jahr entstand und von Heinzmanns Großvater Eugen Gilliard verfasst wurde. Früher wurde es noch in der Schule gelernt.
Conrad Bender erinnerte in einem leidenschaftlichen und kurzweiligen Vortrag an eine Zeit, als ein Großteil der Mingolsheimer noch von der Landwirtschaft lebten. Er erzählte, wie Getreide, Rüben, Kartoffeln und Mais angebaut wurden und das als Zeitzeuge, denn auf dem Foto packt auch er als Kind mit an. Jens Peter Lages war ebenfalls angetan, denn im Wappen der Lages gibt es den Pflug, erzählte er. Bei fast idealen Bedingungen brauchte er diesmal nur wenige Tage, um das Werk fertigzustellen. Das lag auch an dem guten Zustand des Stromkastens. Gefeiert wurde die Einweihung noch zünftig bei den Benders im Hof. Vielleicht wurden hier auch schon neue Objekte und Stifter ausgemacht. Wenn sich mehrere Parteien in einer Straße zusammentun, ist es gar nicht so teuer. (cm)



