Seit genau 70 Jahren ist die Familie Schäfer in Weiher eine feste Größe, wenn es um die Verwirklichung von Träumen und Wünschen rund um die Raumausstattung geht. In den modernen Verkaufsräumen in der Hauptstraße 81 wird den Kundinnen und Kunden eine breite Palette an Serviceleistungen und Produkten für ein schönes Zuhause geboten.
Doch zunächst ein Blick zurück zu den Anfängen: Otto Schäfer (1930–2019) absolvierte in den Jahren 1946 bis 1948 eine Ausbildung zum Polsterer und Dekorateur in Karlsruhe. Nach sieben Gesellenjahren im Ausbildungsbetrieb legte er 1956 erfolgreich seine Meisterprüfung ab. Sein Meisterstück, ein Polstersessel, stellte Otto Schäfer im Schaufenster des alten Milchhäusels in der Hauptstraße aus. Dieses sorgte für große Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und erwies sich als beste Werbung.
Anfang der 1950er Jahre lernte Otto Schäfer bei einer Tanzveranstaltung in Weiher seine spätere Ehefrau Maria geb. Böser (1932–2025) aus Forst kennen und lieben. 1953 wurde geheiratet. Das junge Paar wohnte zunächst im Obergeschoss des Friseurgeschäfts Eiser in der Weiherer Hauptstraße. Maria Schäfer war zu dieser Zeit bei einem Industriebetrieb in Bruchsal beschäftigt. 1956 kam das erste Kind, Tochter Rosi, zur Welt.
Noch im selben Jahr entschloss sich Otto Schäfer, sich in der Hauptstraße 130 mit einem eigenen Raumausstatterbetrieb selbstständig zu machen. Schon bald konnte er sich einen umfangreichen und zufriedenen Kundenstamm aufbauen. Da die Räumlichkeiten jedoch schnell zu klein wurden, baute Otto Schäfer 1962 sein Elternhaus in der Hauptstraße 144 um. Es entstand ein großzügiges Ladengeschäft mit ansprechendem Schaufenster, in dem die Waren optimal präsentiert werden konnten. Zudem bot das Gebäude ausreichend Platz für eine große Werkstatt, in der sämtliche Näh- und Polsterarbeiten ausgeführt wurden.
Im Obergeschoss des Geschäftshauses bezog die junge Familie eine geräumige Wohnung. Der Weg ins Geschäft war kurz und Maria Schäfer arbeitete nun voll im Betrieb mit. Auch nach der Geburt des Sohnes Toni im Jahr 1962 kehrte sie rasch an den Arbeitsplatz zurück, beriet Kundinnen und Kunden, erledigte Büroarbeiten und nahm Bestellungen entgegen.
In den Anfangsjahren war Polsterer Otto Schäfer vor allem mit der Aufarbeitung hochwertiger Kapokmatratzen beschäftigt. Gute Einnahmen erzielte der Betrieb zudem durch die Herstellung kompletter Polstermöbel wie Sessel, Sofas und insbesondere Chaiselongues. Die Gestelle wurden von spezialisierten Herstellern bezogen und mit geschnürten Federkernen ausgestattet. Darauf folgten Polsterungen aus Naturmaterialien wie Kokos- oder Rosshaar, abgedeckt mit weicher Watte und bezogen mit hochwertigen, dekorativen Stoffen.
Das Leistungsspektrum des jungen Betriebs umfasste bald sämtliche Bereiche der Raum- und Innenausstattung. Tapezier- und Malerarbeiten wurden ebenso ausgeführt, wie das Verlegen von PVC-Böden und Teppichböden nach Maß. Gardinen, Stores und Raumteiler fertigten Otto und Maria Schäfer in der eigenen Werkstatt nach Kundenwunsch an und montierten sie direkt vor Ort. Später wurde das Ehepaar von einer Angestellten unterstützt.
Der zunehmende Wohlstand der Wirtschaftswunderjahre machte sich auch im Dorf Weiher bemerkbar. Die Nachfrage nach hochwertiger Wohnungsausstattung stieg deutlich. Kleine Fenster in Bauernhäusern wurden nach und nach durch größere ersetzt und anstelle einfacher gehäkelter Sichtschutzlösungen entstand Bedarf an dekorativen Gardinen. Hochwertige Materialien rückten zunehmend in den Fokus. Besonders Florentiner-Gardinen entwickelten sich in den 1970er Jahren zu einem Verkaufsschlager.
Stoffe, Gardinen, Teppiche und Auslegware wurden überwiegend über den Großhandel bezogen. Das Ehepaar Schäfer besuchte regelmäßig Fachmessen wie die „Heimtex“, um sich über Neuheiten zu informieren. Vertreter der Herstellerfirmen kamen regelmäßig ins Geschäft und nahmen Bestellungen auf.
In dieser Zeit verfügte das Fachgeschäft Schäfer über ein enormes Warenlager mit Dutzenden Ballen Stoffen und Gardinen sowie einen sogenannten „Paternoster“ mit mehreren Teppichbodenrollen. Erst als Hersteller eine Lieferung der bestellten Waren innerhalb von 24 Stunden garantierten, konnte auf Musterbücher, Gardinenbügel und Kataloge umgestellt werden – eine enorme Erleichterung in Bezug auf Platzbedarf und Kapitalbindung.
Ende Teil I – Fortsetzung nächste Woche!
Autorin Beate Harder