Am vergangenen Donnerstag nahm Wolfgang Froese, Stadtarchivar und Mitglied des Arbeitskreises Stadtgeschichte, eine kleine interessierte Gruppe mit auf eine Zeitreise in das Gernsbach nach 1945. Zahlreiche Exponate, Bilder und Quellen bis in das Jahr 1975 zeugten von Jahren mit nicht nur umwälzenden Veränderungen im Stadtbild, sondern auch gesellschaftlichem und politischem Wandel. Beginnend mit der Besatzung durch die Franzosen und der damit einhergehenden Denazifizierung, wurde der Blick zunächst auf die Folgen des NS-Regimes gelenkt. Es war aber auch eine Zeit, die von vielen Gernsbachern verdrängt worden ist.
Dies geschah beispielsweise mit der 700-Jahrfeier in der Altstadt, die damals auch gefeiert wurde, um das Mittelalter zu glorifizieren und das hervorzuheben, auf das man stolz sein konnte in Abgrenzung zur Industriestadt Gaggenau. Aus heutiger Sicht und durch die genauere historische Untersuchung wurde jedoch deutlich, so Froese, dass die Quellenlage vermuten lässt, dass die Stadt Gernsbach deutlich älter zu sein scheint, da bereits früher ihre Existenz erwähnt wurde. Der fachgerechte Umgang mit historischen Quellen damals war meilenweit entfernt von dem, was Gernsbach heute gewohnt ist. Dies machte die fachlich ansprechende und kurzweilige Führung mehr als deutlich.
Es ist darüber hinaus schön zu sehen, wie der Arbeitskreis Stadtgeschichte mit seinem Engagement und viel Herzblut zur Aufarbeitung der Gernsbacher Nachkriegsgeschichte beigetragen hat. Denn nur mit dem Blick in die Vergangenheit kann die Gegenwart begriffen werden. Daraus können dann die Schlüsse gezogen und wiederum daraus das Morgen gestaltet werden, indem die geschehenen Fehler als Gesellschaft erkannt werden, damit dies nicht noch einmal geschieht.