Wer mit offenen Augen nach Bad Saulgau kommt, entdeckt zahlreiche Bereiche, die vielfältig bepflanzt sind und üppig blühen. Das fällt nicht nur angenehm ins Auge, sondern schafft einen großen Mehrwert für die biologische Vielfalt. Insektensterben, ausgeräumte Landschaften und der Klimawandel veranlassten die Stadt Bad Saulgau schon 1990, die Warnungen der Wissenschaft ernst zu nehmen und eine praxisorientierte Strategie zur Steigerung der biologischen Vielfalt zu erarbeiten. Dieses Konzept wurde kürzlich den Teilnehmern einer NABU-Exkursion von den „Erfindern“, dem städtischen Umweltbeauftragten Thomas Lehenherr sowie dem verantwortlichen Stadtgärtnermeister Jens Wehner, vorgestellt.
Begonnen wurde mit der „Umwandlung von Einheitsgrün in artenreiches Grün“ in der Kernstadt und allen Ortsteilen. Es wurden, wo immer sinnvoll und möglich, sämtliche ständig gemähten Rasenflächen Schritt für Schritt in Blumenwiesen mit geringem Grasanteil und in artenreiche Staudenbeete umgewandelt. Die Blumenwiesen werden heute meist zwei Mal pro Jahr gemäht und das Mähgut abtransportiert – die Artenvielfalt stellte sich von allein ein. Die bisherigen Wechselbepflanzungen wurden durch mehrjährige insektenfreundliche Stauden ersetzt. Die meisten Verkehrsinseln wurden entsiegelt und ebenfalls mit einer Staudenbepflanzung versehen. Auch entlang vieler Erschließungsstraßen wurde der Straßenrand entsiegelt und artenreiche Pflanzbeete angelegt. Angepflanzt wurden schmalkronige Bäume, um Konflikte mit Anliegern zu vermeiden.
Die artenreichen Flächen haben sich seither verdoppelt, die Kosten für Pflanzmaterial jedoch halbiert. Der Personalstamm der Stadtgärtnerei hat sich nicht erhöht. Die herkömmliche Mineraldüngung und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wurden eingestellt, die Mähhäufigkeit von bis zu 20 Mal auf zwei Mal pro Jahr reduziert. Dadurch konnten enorme Kosten eingespart werden, so Stadtgärtnermeister Jens Wehner bei der Führung.
Aufwertung der Natur auch im Außenbereich
Im „NaturThemenPark“ wurden den Teilnehmern weitere ökologische Maßnahmen gezeigt. So wurden zahlreiche Bachläufe renaturiert und mehr als 100 ha großflächige und reich strukturierte Biotope geschaffen, darunter Laichgewässer und Heckenstrukturen. Diese sind wiederum mit linienförmigen Elementen wie Fließgewässern, Baumalleen und Feldhecken vernetzt. Diverse Lehrpfade beschäftigen sich mit Themen wie heimische Gehölze, Obstbäume, Wasser sowie dem Wald der Zukunft.
Durch konsequente Öffentlichkeitsarbeit haben alle Maßnahmen eine große Akzeptanz gefunden. Bad Saulgau darf sich als „Landeshauptstadt der Biodiversität“ bezeichnen. Der Stadt wurden darüber hinaus wichtige Bundes- und europäische Auszeichnungen verliehen. Das Fazit für die Hechinger NABU-Gruppe: Viele Kommunen streben dem Beispiel dieser Stadt nach, viele andere haben jedoch das Potenzial noch nicht erkannt. Ausführliche Informationen gibt es auf der Webseite der Stadt Bad Saulgau im Kapitel „Natur & Biodiversität, Naturschutz“.

