
Das Schloss ist geschlossen, aber von Bauarbeiten ist noch lange nichts zu sehen. Innen dokumentieren und fotografieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Badischen Landesmuseums die rund 17.000 Ausstellungsstücke und verpacken sie in passgenaue Kisten. Parallel laufen Vorbereitungen für die erste gemeinsame Ausstellung mit der Kunsthalle in Baden-Baden und ein außergewöhnliches Objekt für Karlsruhe.
Bei der Jahrespressekonferenz informierten Direktion und Kuratoren-Team sowie weitere Beteiligte über die Planung fürs kommende Jahr. Derzeit wird alles für die Sanierung des Schlosses vorbereitet: die Statik wird geprüft, Installationen werden komplett neu geplant. Das Schloss soll barrierefrei werden; Wärmeschutz, Schallschutz, Brandschutz – alles kommt auf den Prüfstand.
Eine Herausforderung sind allein schon die rund 700 Fenster, von denen die meisten nach Süden zeigen. Das Schloss wird eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bekommen und es wird Geothermie-Nutzung geben. Wichtig wird auch die neu gestaltete Nord-Süd-Achse vom Eingangsbereich zum Café sein: Hier soll der Blick nach innen und außen möglich werden. Baubeginn, so Dagmar Menzenbach, Vermögen und Bau Baden-Württemberg, wird 2028 sein. Dauer: sechs bis sieben Jahre.
Während im Schloss eifrig Kisten gepackt werden, bereitet sich ein anderer Teil des Teams auf die erste gemeinsame Ausstellung mit der Kunsthalle Baden-Baden vor. „Bloom up! Die Sprache der Blumen“ wird ab 13. Juni 2026 zu sehen sein. Das Museum an der Lichtentaler Allee und das Badische Landesmuseum haben Werke international bekannter Künstlerinnen und Künstler mit historischen Ausstellungsstücken wie einem Diadem, einem Glasgemälde von 1516 und einem 2000 Jahre alten griechischen Salbgefäß kombiniert. Fotos, Skulpturen, Natur- und Blumenaufnahmen – unterbrochen von Kriegsbildern – im letzten Werk des Filmemachers Jonas Mekas treffen auf das frische Blumenarrangement „Bouquet IX“ aus zehn weißen Blumensorten, die während der Ausstellungsdauer immer wieder erneuert werden.
Die Ausstellung habe auch eine politische Dimension, so die beiden Kuratoren Christina Lehnert und Christiaan Veldman. Tulpen, zu sehen auf den Fotos von Ketuta Alexi-Meskhishvili, stehen in Georgien für Widerstand und Solidarität. Die Ausstellung thematisiert auch die Themen Queerfeindlichkeit und die Inszenierung von Macht, wobei Blumen eine bedeutende Rolle spielen.
Ab 8. Mai erwartet die Besucher im Museum am Markt ein ganz besonderes Ausstellungsstück, das derzeit in Karlsruhe gebaut wird: Aus 200.000 bis 250.000 Bausteinchen entsteht ein detailgenauer Nachbau des Karlsruher Schlosses. 14 Baumeisterinnen und Baumeister erschaffen ein Miniatur-Schloss im Maßstab 1:34. Wenn es fertig ist, wird es etwa Meter breit und 1,20 Meter hoch sein. Am Bau sind die Karlsruher Firma Stone Heap und etliche „AFOLs“ beteiligt: Adult Fans of Lego.
Die Besonderheit der Miniatur: Während die Vorderansicht das Karlsruher Schloss zeigt, wie es jeder kennt, ist die Rückseite teilweise offen. Ähnlich wie bei einer Puppenstube werden in den offenen Räumen Einrichtungsgegenstände beziehungsweise die Bauarbeiten und deren Fortschritt zu sehen sein. Das Modell soll im Lauf der Ausstellungszeit immer wieder angepasst werden.
Das Miniaturschloss wird im freizugänglichen Erdgeschoss des Karlsruher Museums am Markt zu sehen sein, das gerade neu gestaltet wurde – mit gemütlichen Sitzmöbeln und einem Museums-Shop. Dieser „Open Space museum x“ ist ab sofort allen zugänglich, nicht nur den Museumsbesuchern. (fri)
