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„Früher war alles besser“

Baiertaler Hofgespräch mit Mundartkünstler Volker Scheerer

„Frijer war alles besser“ wirklich? Mit diesem leicht daher gesagten Spruch stimmte der Volker Scheerer sein Publikum auf das Programm des Abends ein.
Bei den Baiertaler Hofgesprächen mit dem Altwieslocher Mundartkünstler Volker Scheerer wurde sinniert, gelacht und vor allem viel diskutiert.Foto: aot

Man hatte sich zum „Baiertaler Hofgespräch“ in der „alten Bäckerei“ in der Alten Bahnhofstraße in Baiertal getroffen, um alte Zeiten aufleben zu lassen und neue kritisch zu beleuchten. So verglich der Altwieslocher Mundartkünstler „uff kurpfälzisch“ und gereimt den Alltag seiner Großmutter mit der einer modernen Hausfrau.

„Glebt in ner annere Zeit“

Ein Sportstudio kannte sie nicht, als Frühsport fütterte sie das Schwein, die Gänse, Hühner und die Kühe. Danach machte sie in der Küche Feuer und holte aus dem Garten, was sie zum Kochen brauchte. Einmal in der Woche wurde mit dem eigenen Mehl Brot gebacken und mit den eigenen Eiern Nudeln gemacht. „Heut geh ma zum Supermarkt, un versorge uns schnell mit alle Spezialitäte aus de ganze Welt.“ Montags war Waschtag, die bereits am Wochenende eingeweichte Wäsche musste gekocht, auf dem Waschbrett geschrubbt, aufgehängt und schließlich gebügelt werden. Zwischendurch habe die Oma genäht und gestrickt, damit die „Kinner gscheit ogezoge ware“. Am Schluss stellte Scheerer fest: „Mei Großmutter dät sich sicher wunnere üwwer so en Spruch vun heit, awwer sie war zufriede, weil sie glebt hot in einer annere Zeit.“

Wertewandel und Rentnerdasein

In weiteren Gedichten verarbeitete er Alltagserfahrungen und scharfsinnige Beobachtungen, wie beim Blick in die blauen Boxen für Altglas, in denen allein die Flaschen Geschichten erzählen. Auch der Wertewandel eines Mannes, wenn er vom Arbeitsleben ins Rentnerdasein wechselt, ist für ihn ein Thema. Dass er Fahrräder repariert und in seinem Verein als Kassier noch gebraucht wird, war für das Publikum, selbst im gesetzten Alter, nichts Neues, wohl aber, dass er für die Friedhofsgärtner, tot, noch 20 Jahre von Wert sei. Große Zustimmung erhielt Scheerer für seine Feststellung, dass „e paar Sesslfurzer unser schäns Ländl zum Gespött der Menschheit mache“ und meinte damit die unsinnige Kreation von „The Länd“. Über zwanzig Millionen Euro habe der Blödsinn gekostet, dass man für Kitas und Schule kein Geld mehr habe, das sei denen Wurscht, ereiferte er sich weiter.

Volker Scheerer und Gabriele Laier stellten ihre Gedichte vor.Foto: aot

Heftige Diskussionen

Seine gut verständlich vorgetragenen Gedichte führten zu heftigen Diskussionen unter den Gästen, vor allem, als es um die „Wieslocher Bautätigkeit mit Verdichtung“ in Form quaderförmiger Wohnsilos ging. Dass der Frieden in Europa gefährdet sei, dem stimmten alle um den großen Tisch im Hof der „Alten Bäckerei“ zu. Sorgen mache die weltweite Tendenz zu autokratisch regierten Ländern, ein unberechenbarer Präsident in den USA und das Abtriften vieler junger Menschen ins politisch rechtsextreme Lager.

Einen gewollten Kontrast zu den bodenständigen Gedichten Scheerers setzte die Baiertalerin Gabriele Laier mit Versen, die nachdenklich stimmten, nach dem Lebenssinn fragten und die Schöpfung bestaunten: „Alles ändert sich, allein die Gänseblümchen blühen unbeirrt auf dem alten, abgewetzten Rasen“, oder: „Ahnst Du, wie viele Augen den Sternenhimmel bestaunen?“ „Allein nach dem Nutzen fragen, wird dem ganzen Menschen nicht gerecht.“ Und: „In Gedanken Bewährtes bewahren, jedoch die guten Werte nicht aus den Augen verlieren.“ Die Besucherinnen und Besucher erlebten ein von Gisela Konrad gut organisiertes Hofgespräch mit anregenden Vorträgen und lebhaften Gesprächen, in denen jeder zu Wort kam. Das Konzept zur Zusammenführung und Belebung der Dorfgemeinschaft inklusive der kleinen Bewirtung zum Nulltarif sollte unbedingt weiterverfolgt werden. (aot)

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