Mit Reisen zu den Orten der Geburt und der Kindheit von Sibylla Augusta (1675 – 1733) hatte sich die Referentin Barbara Sippl ein Bild vom Ursprung der späteren Markgräfin von Baden verschafft. Mit eindrucksvollen Bildern vom Schloss Ratzeburg, dem Stammschloss des Herzogtums Sachsen-Lauenburg und vom Schloss Schlackenwerth in Böhmen konnte sie deshalb gleich zu Beginn Ihres Vortrages das Interesse der SNW-Mitglieder und der Gäste wecken, nachdem sie zuvor von der SNW Vorsitzenden Renate Bernhardt auch als Schlossführerin in den Schlössern Rastatt, Favorit und Bruchsal vorgestellt wurde.
Mit sehr eindrucksvollen Bildern zeichnete Barbara Sippl das Leben der Markgräfin als Prinzessin, Mutter und Regentin nach. Ein Jahr nach der Geburt von Sibylla Augusta auf Schloss Ratzeburg zog die Familie des Herzogs von Sachsen-Lauenburg in das Schloss Schlackenwerth. Dort verbrachte die Prinzessin ihre Jugend. Schon mit 14 Jahren hatte sie ihre Eltern verloren. Zusammen mit ihrer Schwester erbte sie das riesige Vermögen des Herzogtums. Das veranlasste Kaiser Leopold I., seinen hochverdienten, fünfunddreißigjährigen Feldherrn Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden durch die Heirat mit der reichen, allerdings erst fünfzehnjährigen Prinzessin für seine Dienste zu entlohnen, um ihn in die Lage zu versetzen, den durch die Franzosen zerstörten badischen Besitz wieder aufzubauen. Die Heirat erfolgte im Jahr 1690. Gleich danach musste Markgraf Wilhelm jedoch wieder in den Krieg gegen die Osmanen ziehen. Im Jahr 1707 verstarb er an den Folgen einer Kriegsverletzung.
Mit Mut und Entschlossenheit übernahm Sibylla Augusta danach die Regentschaft über die Markgrafschaft Baden. Barbara Sippl zeigte dazu sehr anschaulich die zum Teil räumlich auseinanderliegenden Gebiete, die damals zur Markgrafschaft gehörten. Die Markgräfin ordnete die Finanzen, reformierte die Verwaltung und verschaffte sich Respekt und Anerkennung in der Bevölkerung. Einen Teil ihres Vermögens setzte sie ein, um die große Not in der Bevölkerung zu lindern. Mit ihrer Baupolitik schaffte sie gleichzeitig Arbeitsplätze. Gleich nach dem Tod ihres Mannes folgte im Jahr 1707 die Instandsetzung des Schlosses Rastatt mit Wiederaufbau im Jahr 1714. Im Jahr 1710 entstand das Schloss Favorite und neben einer Reihe von weiteren herausragenden Zeugnissen der Baukunst, auch des Schlosses in Ettlingen. Wie die Referentin zeigen konnte, erinnert das Aussehen des Ettlinger Schlosses an das Stammschloss der Prinzessin in Schlackenwerth.
Nachdem die Markgräfin befürchtete, dass die Franzosen erneut in die Markgrafschaft einfallen könnten, hat sie es vorgezogen, von Rastatt weg in das Schloss Ettlingen zu ziehen. Im Jahr 1727 übergab sie dann die Regierungsgeschäfte ihrem Sohn Markgraf Ludwig Georg. Er war der Älteste unter den noch lebenden drei Kindern. Immer wieder unternahm die streng katholische Markgräfin Wallfahrten. Sie führte in den letzten Lebensjahren unter dem Einfluss von Fürstbischof Damian von Schönborn einen streng religiösen Lebenswandel. Im Alter von 58 Jahren verstarb sie 1733 in Ettlingen.
Die gut strukturierte Darstellung vom Leben und Wirken der Markgräfin wurde von den Zuhörern mit starkem Applaus bedacht. Abschließend bedankte sich Renate Bernhardt bei Barbara Sippl für ihren sehr eindrucksvollen Vortrag mit einem Geschenk.
(Text Karlheinz Henge)


