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Archivale des Monats Januar

Bau(rechts)akten im Stadtarchiv Weil der Stadt

Schriftliche Aufzeichnungen zu Gebäuden haben eine lange Geschichte. Auch im Stadtarchiv finden sich „Bauakten“ aus verschiedenen Zeiten.
Bauakten, Stadtarchiv
Lageplan Ortsdurchgangsstraße Hausen Richtung MühlhausenFoto: Stadtarchiv Weil der Stadt

Für das Archivale des Monats Januar hat Stadtarchivar Mathias Graner einen Blick auf den Bestand BA 1 geworfen, in dem diese geführt werden. Zum Bau sakraler Bauwerke wurden schon im Mittelalter vereinzelt Planunterlagen durch Baumeister oder eventuell auch Handwerker angelegt. Der St. Galler Klosterplan mag hier als bedeutendstes und zugleich sehr außergewöhnliches Beispiel gelten. In Württemberg galt ab dem Jahr 1655 „Deß Hertzogthumbs Würtemberg revidirte Bawordnung“. Ein erster Hinweis auf die Entstehung von Schriftgut zu Bauvorhaben.

Größere Mengen an (Plan-)Unterlagen auch zu profanen Gebäuden, die mit den heutigen Bauakten vergleichbar sind, entstehen dann aber erst ab dem 19. Jahrhundert. Im Stadtarchiv Weil der Stadt tauchen unter dem Titel „Bausachen“ oder „Bauschauprotokolle“ um das Jahr 1805 erstmalig Bauunterlagen auf.

Für das Königreich Württemberg, in dem die ehemalige Reichstadt ab 1806 lag, kam es im Verlaufe des frühen 19. Jahrhunderts zu einer Erweiterung und Ausdifferenzierung der staatlichen Verwaltung. In diesem Zusammenhang entstand im Jahr 1862 ein „Entwurf einer Bauordnung für das Königreich Württemberg“. Im Jahre 1872 trat die „Neue allgemeine Bauordnung für das Königreich Württemberg“ in Kraft.

Mit der Bauordnung des Königsreiches Württemberg von 1910 entstehen schriftlich Unterlagen, die noch heute die sogenannten „Bauakten“ der Kommunalverwaltung prägen. Während für kleinere bis mittlere Kommunen das „Bauschau“-Gremium innerhalb der Kommunalverwaltung bei Bauangelegenheiten der Ansprechpartner vor Ort war, spielte beim Genehmigungsverfahren das jeweilige Oberamt beziehungsweise später das Landratsamt eine wichtige Rolle, das letztlich die Baugenehmigung erteilte. Daher finden sich bis zum heutigen Tage viele kommunale Bauakten auch in der archivischen Überlieferung der Oberämter.

Mit Übernahme der Baurechtszuständigkeit durch die Stadt Weil der Stadt in den 1970er-Jahren wurden die am Landratsamt zu Weil der Stadt (und den Teilorten) geführten Bauakten an die Stadt übergeben. Die Bauakten/Baurechtsakten der Stadt Weil der Stadt für Bestandsgebäude (auch für historische Gebäude) werden nach wie vor durch das Stadtbauamt Weil der Stadt Abteilung Bauordnung geführt und reichen vereinzelt bis ins 19. Jahrhundert zurück. Mit Masse umfassen diese Akten den Zeitraum ab dem Jahr 1900.

Neben dem erwähnten Archivbestand „Bausachen“ und „Bauschau“ des 19. Jahrhunderts sind aus dem 20. Jahrhundert bislang lediglich die Bauakten abgebrochener Gebäude im Weiler Stadtarchiv untergebracht. Zum Teil sind auch Bauakten abgewiesener oder beantragter und letztlich nicht ausgeführter Bauvorhaben vorhanden. Der Bestand wurde 2025 nach archivfachlichen Grundsätzen neu verpackt und in der Archivdatenbank erschlossen.

Bestandteile dieser Bauakten sind unter anderem Bauanträge, Baugenehmigungen und Baupläne, wie Grundriss, Ansicht/Aufriss und Quer- und Längsschnitte, sowie Lagepläne des Baugrundstücks (diese zeigen oft nicht nur das betroffene Gebäude, sondern auch dessen Umgebung) und Fotografien.

Die im Stadtarchiv vorhandenen Bauakten des 20. Jahrhunderts enthalten neben den rein gebäudespezifischen Angaben zum Teil sehr interessante Informationen über das frühere Stadtbild oder zu dieser Zeit existierende Fabriken oder Betriebe, wie zum Beispiel das Fabrikgebäude der Firma Stöckle in der Weiler Bahnhofsstraße 12 (Signatur BA1 120). Auch finden sich Bauakten der Wolldeckenfabrik Weil der Stadt (BA1 121 bis BA1 125), der Hopfenhandlung Pflaum (BA1 50) oder der Metall- und Holzwarenfabrik Zimmermann (BA1 115 bis 117), zum Teil mit Lage- beziehungsweise Umgebungsplänen.

Auch für die heutigen Weiler Teilorte sind interessante Informationen zu finden. So lässt sich anhand eines Baugesuchs des Straßenbauamts Besigheim zum Abbruch der Gebäude Würmtalstraße 85 und 86 in Hausen (BA1 112) der Ausbau der Ortsdurchgangsstraße Hausen in Richtung Mühlhausen in den frühen 1970er-Jahren nachvollziehen.

Die Bebauungssituation im heutigen Schießrain (Pickerfabrik Haag (BA1 47 ff.) und Blech- und Emaillewarenfabrik Weil der Stadt (BA1 98)) oder der DEA beziehungsweise TEXACO-Tankstelle in der Grabenstraße (BA1 28) lässt sich ebenfalls unter anderem mit Hilfe dieses Bestandes rekonstruieren. Interessant sind zudem die Bauunterlagen zum ehemaligen Gasthaus Ochsen/Brauerei Wurster (BA1 101) in Weil der Stadt.

Einen kleinen Hinweis auf die „große“ Zeitgeschichte bietet ein Baugesuch des Jahres 1944: die Lufttechnische Gesellschaft mbH plant den Bau eines Luftschutz-Deckungsgrabens aus Beton-Fertigteilen auf einem Grundstück der Stadtgemeinde Parzelle 3791 (zukünftige Steinheilstraße) an der Bahnhofstraße (BA1 17).

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
29.01.2026
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