
Die Vogelfreunde hatten sich einen knackig kalten Tag ausgesucht. Frost lag auf den Wiesen, die Temperaturen lagen weit unter dem Nullpunkt. „Wir sind überrascht worden von der Kälte“, sagt der Vereinsvorsitzende Karl Rotter. Das Wetter hätte aber nicht besser passen können für den Start der Winterfütterung 2025/26.
Man kennt die Vogelschwärme, die sich im Herbst sammeln, um gen Süden zu fliegen. Doch viele heimische Vögel bleiben hier. Und dann wird es bei Frost schnell schwierig mit der Futtersuche. „Die Privatperson hängt Meisenknödel auf. Wir machen das im großen Stil“, sagt Karl Rotter. Dafür haben Vereinsmitglieder 50 Fettrahmen befüllt. Deren Innenleben besteht jetzt aus Rinderfett und Sonnenblumenkernen. 15 Säcke à 25 Kilogramm allein an Körnern habe der Verein in einem Zoohandel in Ketsch besorgt, alles nach guter Vorbereitung von Koordinator Robert König. Das Rinderfett kam von der Familie Kreis. Am vergangenen Samstag machten sich zehn Vereinsmitglieder dann an die Herstellung der Rahmen. Das Fett in der Fritteuse erhitzen, um es dann in einer Melange mit den Körnern in den Rahmen zu verteilen. Sie werden im Nachgang an fünf verschiedenen Futterstellen im Hemsbacher Wad aufgehängt. „Aber nicht auf einmal“, sagt Rotter. Wenn sie sich leerten, würde Nachschub gebracht. Der lagert im Vogelfreundehaus in den Rohrwiesen. „Das ist alles gut abgedichtet, da kommt auch keine Maus rein“, ist der Vereinsvorsitzende sicher.
Neben dem Aufhängen der Fettrahmen werden auch Silos mit den Sonnenblumenkernen befüllt, dafür werde der Verein auch die Reste des Vorjahres nutzen, erzählt Karl Rotter. Dass die Futterstellen erneut gut angenommen werden, davon ist er überzeugt. Und ebenso davon, dass die Fütterung notwendig ist. „So ein zartes Rotkehlchen braucht immer was“, sagt er. Gleiches gelte für die Meisen. Das sind nur zwei Arten, die sich laut Rotter an den Futterstellen einfinden. „Es sind auch Spechte da und Kleiber.“ Hin und wieder komme auch ein Eichelhäher. Doch die hätten eigene Vorräte. „Der Eichelhäher macht es wie das Eichhörnchen: Er versteckt Eicheln.“ Im Winter fände der Vogel dann aber längst nicht alle wieder, sodass aus den kleinen Verstecken vielleicht sogar neue Bäume sprießen. „Deswegen gilt der Eichelhäher als Vermehrer des Waldes“, sagt Rotter.
Bereits seit 1956 gibt es die Vogelfreunde in Hemsbach. Grundlage des Vereins ist zum einen die Vogelzucht, zum anderen der Vogelschutz. Seit es den Verein gibt, gibt es auch die Winterfütterung. „Anfangs war das natürlich nicht so groß“, sagt Karl Rotter. Heute würde der Verein ca. 500 Euro für die Aktion ausgeben. Das Geld kommt aus Mitgliederbeiträgen, einem Zuschuss der Stadt Hemsbach sowie Spenden. Rotter geht davon aus, dass man mit den getätigten Einkäufen und den daraus entstandenen 50 Fettrahmen über den Winter kommt. Es hänge von der Witterung ab, wie schnell sich die Rahmen leerten. „Die letzten Winter waren recht mild“, schaut er zurück. Wird es sehr frostig, werden die Rahmen wohl schneller geplündert. Zum Frühjahr, so erzählt Rotter, werde die Fütterung dann runtergefahren, und Ende April werde sie gänzlich eingestellt. Bis dahin kümmern sich die Vogelfreunde aber wieder intensiv um die Versorgung der heimischen Vogelwelt in Hemsbachs Wald. Die fast drei Stunden Arbeitseinsatz waren dafür der Auftakt. Der hat zugleich gezeigt, dass die Winterkälte nicht nur der Tierwelt zusetzt. „Wir haben ganz schön gefroren“, schmunzelt Karl Rotter. (cs)