Wer die Friedhofskapelle in Denkendorf besucht ahnt kaum, dass dort ein ganz besonderes Stück Ortsgeschichte verborgen ist: die sogenannte Neidhardt-Glocke. Mit rund 400 Jahren ist sie die älteste Glocke des Ortes und zugleich Zeugin bewegter Zeiten.
Mit großem Interesse an der Denkendorfer Geschichte haben Reinhard Mauz und Axel Bülow jüngst die Vergangenheit der Neidhardt-Glocke näher erforscht. Während sich Herr Mauz seit vielen Jahren intensiv mit der Ortsgeschichte beschäftigt, gilt Herr Bülows besondere Leidenschaft den Glocken der evangelischen Kirchengemeinde. Bürgermeister Ralf Barth zeigte sich dankbar für das große Engagement und die sorgfältige historische Aufarbeitung: „Es ist beeindruckend, mit wie viel Einsatz und Leidenschaft Sie unsere Ortsgeschichte lebendig halten“, würdigte er das Projekt.
Die Glocke wurde im Jahr 1626 während des Dreißigjährigen Krieges gegossen. Ihr Schöpfer war der Augsburger Glockengießer Wolfgang Neidhardt, dessen Arbeiten heute nur noch selten erhalten sind. Trotz ihrer eher schlichten Erscheinung besitzt die kleine Glocke daher einen hohen historischen Wert.
Ursprünglich hing sie im Turm der Klosterkirche. Damals hatten Glocken für die Menschen eine besondere Bedeutung: Sie gaben den Takt des Tages vor, riefen zum Gebet oder warnten bei Gefahr. Im Laufe der Jahrhunderte überstand die Denkendorfer Glocke zahlreiche schwierige Zeiten. Selbst Brände, Kriegswirren und die Materialknappheit während der Weltkriege konnten ihr offenbar nichts anhaben.
Besonders bemerkenswert ist, dass viele andere Glocken eingeschmolzen wurden, während die kleine Neidhardt-Glocke erhalten blieb. Warum genau sie immer verschont wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären. Vielleicht lag es an ihrer Größe, vielleicht an ihrer besonderen Funktion. So bleibt ihre Geschichte bis heute auch ein wenig geheimnisvoll.
Seit 1948 befindet sich die Glocke in der Friedhofskapelle. Dort begleitet ihr Klang bis heute Trauerfeiern und Abschiede. Damit erfüllt sie auch nach vier Jahrhunderten noch eine wichtige Aufgabe im Gemeindeleben. Martina Steinacker, Leiterin des Bürgeramts der Gemeinde und somit auch zuständig für das Friedhofswesen war mit den beiden historisch interessierten Herren Reinhard Mauz und Axel Bülow Ende April direkt vor Ort. Sie freut sich sehr über die Glocke vor Ort und dieses besondere Alleinstellungsmerkmal.
Als Teil des Kulturdenkmals Friedhofskapelle steht die Glocke selbstverständlich unter Denkmalschutz. Sie erinnert nicht nur an die Vergangenheit Denkendorfs, sondern zeigt auch, wie wertvoll historische Zeugnisse für die Identität eines Ortes sein können.


