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Musik

Besprechung Weihnachtskonzerte

Am Samstag, 13. Dezember 2025, fand, wie alljährlich, in der Festhalle in Altdorf ein Weihnachtskonzert des Internationalen Barockorchesters der Akademie...

Am Samstag, 13. Dezember 2025, fand, wie alljährlich, in der Festhalle in Altdorf ein Weihnachtskonzert des Internationalen Barockorchesters der Akademie für Alte Musik in Baden-Württemberg statt. Ulrike Engelke und Simon Standage hatten ein sehr schönes, abwechslungsreiches Programm von Joh. Seb. Bach, Antonio Vivaldi, Arcangelo Corelli und G. Josef Werner zusammengestellt. Zusammen mit den Musikerfreunden aus Prag war es wieder ein harmonisches und sehr lebendiges Konzertieren. Dieses Ensemble unter der Leitung von Simon Standage besticht immer wieder durch seinen homogenen Klang, die lebendige Artikulation und die Spielfreude, die von allen Musikern ausgeht! Das Konzert hatte mit dem Concerto in g-Moll, RV156 von Antonio Vivaldi begonnen. Wie auch das zweite Concerto in C-Dur, RV 114 sind diese Konzerte von Vivaldi als concerti a quattro einzustufen, d.Uhr. Konzerte für das damals übliche Streichorchester, aber ohne Solovioline oder anderen Solisten. In diesem Konzert unterhalten sich die zwei Violinen in Synkopen, begleitet von der Bassgruppe als Teppich. Der dritte Satz ist lustig und frech, sehr temperamentvoll vom Orchester dargeboten. Zwei Konzerte von Joh. Seb. Bach, das Doppelkonzert für Oboe und Violine c-Moll, BWV 1060R und das Konzert für Oboe F-Dur, BWV 1053R fielen zunächst einmal auf, da sie nicht auf der Oboe, sondern von Ulrike Engelke auf der Blockflöte gespielt wurden. Ulrike Engelke hatte die Oboenstimme in derselben Tonart für die Flöte sehr gut und stimmig eingerichtet. Bachs Oboenkonzerte sind größtenteils verloren gegangen. Die Forschung geht davon aus, dass die überlieferten Cembalokonzerte Bearbeitungen früherer Instrumentalkonzerte, mutmaßlich für Violine oder Oboe, sind. Die Werke, die heute unter dem Titel "Oboenkonzerte" aufgeführt und aufgenommen werden, sind kunstvolle Rekonstruktionen oder Transkriptionen von Bachs Cembalokonzerten oder Sätzen aus seinen Kantaten. Das berühmte Doppelkonzert für Oboe und Violine c-Moll, BWV 1060R basiert auf dem Doppelkonzert für zwei Cembali c-Moll, BWV 1060. Es gilt als eine der erfolgreichsten Rekonstruktionen. Beide Solostimmen sind hier nicht wie im Doppelkonzert d-Moll für zwei Violinen symmetrisch angelegt, sondern unterscheiden sich auf bezeichnende Weise voneinander. Während die Violine im ersten Satz mit vielen Sechzehnteln umspielt, spielt die Flöte mehr die Melodie. Der zweite Satz – das Adagio – sind zwei Stimmen in einem innigen Gespräch, weich und zart, untermalt vom Zupfen der Streicher – wunderschön gespielt von U. Engelke und S. Standage. Hier kann man hören, dass sie seit langem aufeinander eingespielt sind.

Der dritte Satz ist festlich, fröhlich. Die Violine hat schöne virtuose Soli, und durch Synkopen der Flöte wird der Satz rhythmisch in Spannung gehalten. Auch hier begleiten die Streicher sehr einfühlsam. Das Konzert für Oboe F-Dur, BWV 1053R: ist rekonstruiert aus dem Cembalokonzert E-Dur, BWV 1053, welches auch in Teilen in den Kantaten BWV 49 und BWV 169 zu finden ist. Ulrike spielt den Oboenpart technisch und musikalisch sehr überzeugend auf der Blockflöte. Hört man dasselbe Konzert mit Oboe, so ist man geneigt festzustellen, dass der Klang der Blockflöte besser zu diesem Konzert passt als die Oboe. Das Siziliano ist ein wunderschöner langsamer Satz mit wiegendem Charakter – sehr ausdrucksvoll, mit warmem Ton von U. Engelke gespielt. Der dritte Satz, das Allegro, besticht durch seine Bachsche Chromatik, sowie die Lebendigkeit und technische Brillanz des Vortrages. Schön musiziert und sehr reizvoll ist Corellis Concerto IV, op.6 in D-Dur. Es wird vermutet, dass Corelli die 12 Konzerte 0p.6 oft überarbeitet hatte, bis sie in der jetzigen Form verlegt wurden. Der Charakter der schnellen Sätze ist sehr verschieden. Das erste Allegro ist majestätisch, das vorletzte Allegro fröhlich und sehr witzig, mit den synkopischen schnellen Strichen – dazwischen wieder ein melodischer, lyrischer Teil um an. Das letzte Allegro erinnert an einen Sturm und dafür erhielt das Ensemble auch stürmischen Beifall. Als weihnachtliche Zugaben kamen zwei Pastorellen zur Weihnacht von Gregor Joseph Werner, direkter Vorgänger Joseph Haydnsals Kapellmeister am Hof der Fürsten Esterhazy zu Gehör. Seine Kompositionen zeichneten sich durch einen volkstümlichen Ton und vollblütigen Humor aus. Hier war besonders die Pastorella zur Weihnacht in G-Dur für Cembalo und Streicher sehr reizvoll. Das zarte Spiel des Cembalos wurde einfühlsam von den Streichern begleitet.

Am Ende des Konzertes gab es langanhaltenden Applaus für das Ensemble und die Solisten.

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Altdorfer Nachrichten
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Ausgabe 51/2025
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