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Besuch der ehemaligen Johanniter-Komturei in Rohrdorf

Am 3. Mai besuchte eine größere Gruppe des Fördervereins Schloss Dätzingen die ehemalige Komturei des Johanniterordens in Rohrdorf bei Nagold....
mittelalterliche FreskenFoto: K.Schlichtenmaier

Am 3. Mai besuchte eine größere Gruppe des Fördervereins Schloss Dätzingen die ehemalige Komturei des Johanniterordens in Rohrdorf bei Nagold. Hauptamtsleiter Wurster führte die Gäste kenntnisreich durch die historische Anlage und vermittelte spannende Einblicke in ihre Geschichte.

Über mehr als vier Jahrhunderte waren die Kommenden des Johanniter- beziehungsweise Malteserordens in Dätzingen und Rohrdorf eng miteinander verbunden und teilten eine weitgehend parallele Entwicklung. Bereits 1263 schenkte Ritter Ulrich von Tatichingen seine Burg in Dätzingen dem Johanniterorden. Wenige Jahre später übergaben auch die Vögte von Wöllhausen ihre Burg samt Nebengebäuden dem Orden, der im 13. Jahrhundert seine Bedeutung jenseits Frankreichs ausbaute. In Dätzingen entstand 1277 die Barbarakirche als Schlosskapelle, während Rohrdorf 1311 die bis heute erhaltene Johanneskirche erhielt – den ältesten Bau des Ensembles.

Da der Kommende Dätzingen die wirtschaftliche Grundlage zur Unterhaltung eines eigenen Komturs fehlte – um 1495 verfügte sie lediglich über neun Betten und 26 Untertänige leisteten Frondienst – wurde sie als sogenanntes Membrum der Kommende Rohrdorf unterstellt. Der dort ansässige Komtur Johannes von Weitingen (1429–1450) errichtete 1430 den „Alten Bau“ direkt an der Johanneskirche. Einer seiner Nachfolger, Georg Bombast von Hohenheim (1453–1496), stiftete 1485 den Hochaltar, von dem heute noch einige Figuren – darunter die Madonna mit Kind und Johannes der Täufer – existieren. Sechs der acht Tafelbilder dieses sogenannten „Meisters des Rohrdorfer Hochaltars“ befinden sich heute in der Staatsgalerie Stuttgart.

Nach der Reformation und der auf württembergischen Einfluss beruhenden Neuorientierung Rohrdorfs hin zum evangelischen Glauben verlegten die Komture um 1556 ihre Residenz nach Dätzingen. Die Johanneskirche in Rohrdorf wurde fortan simultan genutzt und in einen evangelischen und einen katholischen Bereich aufgeteilt. Seit 1332 verfügte Dätzingen über das Patronatsrecht („Kirchensatz“) und damit über das Recht, die katholische Pfarrstelle unverändert zu besetzen. Das geriet für Dätzingen zum Vorteil. Ab 1607 gewann die Dätzinger Kommende dadurch zunehmend an Bedeutung. Das mittelalterliche Bruderhaus wurde zu einer vierflügeligen Anlage erweitert, die Burg zum Schloss umgebaut. Fortan residierten die Komture nun im Dätzinger Schloss.

Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und die nachfolgende Säkularisation bedeuteten schließlich das Ende der geistlichen Herrschaften. Mit Napoleons Verordnung vom 19. Dezember 1805 gingen die Besitzungen des Johanniter- und Malteserordens in Württemberg, darunter auch die in Dätzingen und Rohrdorf, in staatlichen Besitz über. Beide nahmen nun aber eine unterschiedliche Entwicklung. König Friedrich I. schenkte Schloss Dätzingen 1810 dem Grafen von Dillen. Dieser ließ es klassizistisch zur heutigen Schlossanlage umgestalten, ließ allerdings damals dafür die Barbarakirche abbrechen. Die Anlage in Rohrdorf wurde an Privatleute verkauft, später umgebaut und dient heute als Rathaus der Gemeinde.

Die Kirche mit den dort vorhandenen Kunstwerken, sowie zahlreiche mittelalterliche Zeugnisse, darunter bedeutende Wandmalereien mit Jagdszenen, sind bis heute in Rohrdorf erhalten geblieben – eindrucksvolle Spuren einer bewegten Ordensgeschichte, die die Besucherinnen und Besucher nachhaltig beeindruckte.

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