Drei junge Ivorer unterstützen im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Reutlingen und Bouaké Bildungseinrichtungen in der Stadt. Beim Empfang im Rathaus erzählen sie von ihren ersten Monaten in Deutschland.
Die Stadt Reutlingen fördert seit mehr als 50 Jahren den kulturellen Austausch zwischen Reutlingen und Bouaké, der zweitgrößten Stadt der Côte d’Ivoire. Dazu gehört nicht nur das Engagement in unterschiedlichen Bildungsprojekten wie der Bereitstellung von Schulbüchern, sondern auch der Empfang von jungen Ivorern, die ein freiwilliges Jahr in Reutlingen verbringen. Die Koordination des Freiwilligendienstes wird in Bouaké vom Verein AREBO übernommen, hier in Reutlingen engagiert sich der Städtepartnerschaftsverein Reutlingen – Bouaké.
Seit September sind mit Tièlourougo Tuo, Raoul Kouame und Gaoussou Saganogo drei junge Menschen aus Bouaké vor Ort. In ihrer Heimat lernten sie an der Schule und Universität Deutsch, „dann wollten wir auch unbedingt das Land entdecken“, berichtet Raoul Kouame bei einem Empfang mit Kulturamtsleiterin Anke Bächtiger im Rathaus. Der 28-Jährige unterstützt das Jugendhaus Orschel-Hagen und schwärmt von den „offenen und netten“ Kindern, mit denen er gerne eine Runde Billard oder Tischkicker spielt.
Tièlourougo Tuo hilft im Kolpinghaus Jugendlichen bei deren Hausaufgaben oder begleitet sie auf verschiedene Termine. Die ersten Monate in Reutlingen waren noch eine große Umstellung für die ehemalige Germanistik-Studentin: „Ich hätte nicht gedacht, dass es im Winter so kalt ist“, erzählt sie und lacht, „aber jetzt habe ich mich langsam daran gewöhnt.“ Die niedrigen Temperaturen halten sie aber nicht von Spaziergängen und Shopping-Touren in der Innenstadt ab.
Ähnlich geht es dem 24-jährigen Gaoussou Saganogo, der sein freiwilliges Jahr in Deutschland auch für Reisen nach Berlin, Frankfurt oder Ulm nutzt. „Für mich ist das eine große Chance, die Kultur kennenzulernen und meine Deutschkenntnisse zu verbessern“, sagt er. Im Umweltbildungszentrum Listhof kümmert Saganogo sich nicht nur um die Ziegen und Schafe, sondern auch um die Landschaftspflege. „Am liebsten mit der Motorsäge“, sagt er und beginnt laut zu lachen.
Obwohl alle immer wieder erklären, dass sie die Zeit in Reutlingen sehr genießen, geben sie auch zu, dass ihr Besuch in den ersten Monaten von Einsamkeit geprägt war. „Der Lebensstil hier ist schon anders als bei uns zuhause“, erklärt Tuo, „da war mir am Anfang etwas langweilig.“ Inzwischen hat sie Freunde gefunden, die sie immer wieder besucht. Ihre Zeit hier nutzte das Trio auch schon, um einige lokale Spezialitäten kennenzulernen: Spätzle kommen besonders bei Tièlourougo Tuo gut an und Raoul Kouame durfte seine ersten Maultaschen versuchen.
Bis zu ihrer Rückreise im Herbst möchten die Ivorer noch weiter an ihren Sprachkenntnissen feilen und die Umgebung kennenlernen. Zum Jahresende hofft der Städtepartnerschaftsverein, fünf weitere junge Menschen aus Bouaké nach Reutlingen zu bringen. Gesucht werden hierfür weitere Einsatzstellen, die einen freiwilligen Dienst für die Gäste aus der Côte d’Ivoire anbieten, und auch Gastfamilien, bei denen sie für ein Jahr leben können. Interessenten können sich an Sibylle Hahn vom Städtepartnerschaftsverein wenden. E-Mail: sibylle.hahn@reutlingen-bouake.de