Ein langanhaltender Stromausfall über mehrere Wochen – ein Szenario, das spätestens seit Berichten über Netzstörungen in Metropolen wie Berlin auch die Menschen im oberen Enztal beschäftigt. Gemeinderat Jochen Borg (CDU) brachte das Thema in der jüngsten Sitzung zur Sprache und erkundigte sich gezielt nach dem Notfallplan der Stadt: Wie wird die Bevölkerung versorgt, wenn die Lichter über einen längeren Zeitraum ausbleiben?
Die Antwort von Peter Buhl, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Wildbad, fiel deutlich aus. Details zur Sicherung der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ – also der direkten Strom- und Wasserversorgung – blieben aus Sicherheitsgründen geheim. „Dazu gebe ich keine Auskunft“, stellte Buhl klar.
Stattdessen betonte er die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Er verwies auf die offiziellen Ratgeber für Krisen und Katastrophen: „In diesen Leitfäden steht genau drin, was man im Haus haben sollte – Essen und Trinken, das man auch im Alltag zu sich nimmt. Die Botschaft ist: Jeder muss sich selbst vorbereiten.“ Zudem erinnerte er daran, dass der Katastrophenschutz primär Landessache sei.
Die erste Bürgermeister-Stellvertreterin Ursula Jahn-Zöhrens und auch Sitzungsleiterin an diesem Abend ergänzte, dass das Thema im Rathaus kein Unbekanntes sei. Man habe sich bereits öfter mit Projektierern und Experten ausgetauscht. Ein wichtiger Akteur sei hierbei der Landkreis, der im Ernstfall die Koordination übernimmt.
Für die Bürger gibt es im Krisenfall jedoch feste Anlaufstellen im Stadtgebiet. So wies Roland Schwabenland darauf hin, dass etwa das Feuerwehrmagazin in Calmbach über ein Notstromaggregat verfügt und somit als ein wichtiger Stützpunkt fungieren kann.
Die Diskussion im Rat machte deutlich: Während die Stadt und der Landkreis die übergeordnete Struktur im Auge behalten, ist die private Bevorratung der wichtigste Baustein im Katastrophenschutz. Die Verwaltung empfahl den Bürgern ausdrücklich, sich mit den gängigen Notfall-Ratgebern vertraut zu machen, um im Falle eines Falles autark reagieren zu können.
Mara Müssle, die Pressesprecherin des Landratsamts Calw, antwortet auf die Frage nach Ratgebern für Notfälle folgendes: „Auf der Homepage des Landratsamts finden sich unter dem Reiter ‚Brand- und Katastrophenschutz‘ gute Infos. Auch gibt es sehr hilfreiche Informationen bei der Bundeszentrale für Bevölkerungsschutz.“
Um die Abhängigkeit von öffentlichen Versorgungsnetzen im Notfall abzufedern, empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) verschiedene Maßnahmen, wie unter anderem diese:
Zubereitung von Mahlzeiten: Zur kurzfristigen Versorgung können Campingkocher oder mit Holzkohle bzw. Gas betriebene Grills dienen. Wichtiger Sicherheitshinweis: Das Grillen in geschlossenen Räumen ist aufgrund der entstehenden Abgase und der damit verbundenen Erstickungsgefahr strengstens untersagt.
Heizungsausfall: Bei einem Ausfall der Heizsysteme ist warme Kleidung das primäre Mittel zum Wärmeerhalt. Sofern Öfen oder Kamine vorhanden sind, die mit Kohle, Briketts oder Holz betrieben werden können, ist eine entsprechende Bevorratung dieser Brennstoffe sinnvoll.
Beleuchtung und Information: Zur Überbrückung von Dunkelheit sind Taschenlampen, Kurbelleuchten, Solarleuchten oder Kerzen geeignet. Der Vorrat an Zündmitteln, Batterien und Ersatzleuchtmitteln sollte regelmäßig überprüft werden. Um bei Ausfall von Internet und Mobilfunknetzen informiert zu bleiben, ist ein batteriebetriebenes Radio ein wesentliches Hilfsmittel.
Finanzielle Vorsorge: Da der Betrieb von Geldautomaten und bargeldlosen Zahlungssystemen an eine Stromversorgung gebunden ist, wird die Bereithaltung einer Bargeldreserve in kleinen Stückelungen empfohlen.
Akkus stellen zwar eine Energiequelle dar, sind jedoch aufgrund der Selbstentladung nur bedingt zur langfristigen Lagerung geeignet. Es wird geraten, Akkus bei einer angekündigten Notlage vollständig geladen bereitzuhalten. Da Energieausfälle über mehrere Tage andauern können, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der heimischen Vorräte für den Katastrophenfall ratsam. (mm)