Wenn das markante Rot der Feuerwehrautos in der Sonne glänzt und drei erfahrene Feuerwehrleute sich extra einen Tag Urlaub nehmen, dann steht im Kindergarten Rotensol-Neusatz ein ganz besonderer Termin an. Für 13 angehende Schulkinder verwandelte sich der Vormittag im Mai in ein spannendes Abenteuer, das weit über das bloße Anschauen von Technik hinausging. Es ging um Vertrauen, das Überwinden von Ängsten und den richtigen Durchblick im Ernstfall.
Marvin Sander, Jugendleiter und Abteilungskommandant, leitete den Vormittag gemeinsam mit seinen Kameraden Sylvia Wacker (Betreuerin Feuerfüchse) und Mathias Greul (stellvertretender Abteilungskommandant). Von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr erwartete die Kinder und ihre drei Erzieherinnen Nathalia Kort, Anna-Lena Faass und Dorrit Pape ein Programm, das die Welt der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) kindgerecht und zum Anfassen erklärte.
Retten, Löschen, Schützen – Was heißt das eigentlich?
Der Vormittag begann damit, die klassischen Aufgaben der Feuerwehr – Retten, Bergen, Löschen und Schützen – zu entmystifizieren. Mithilfe von Beispielbildern erklärte das Team den Kindern, was im Notfall passiert. Dabei stand vor allem die Prävention im Vordergrund. Die Kinder lernten, wie man sich verhält, wenn es brennt: möglichst tief am Boden bleiben, wo die Luft besser ist, und zügig das Gebäude verlassen.
Ein absoluter Höhepunkt war das Training für den Ernstfall. Marvin Sander berichtete stolz von einer besonderen Mutprobe: „Ein Kind durfte einen echten Notruf absetzen. Ich habe zuvor die Leitstelle in Calw informiert, und dann haben wir wirklich die 112 eingetippt. Das Kind musste dann sagen: 'Hier brennt es in der Fahrzeughalle'.“ Obwohl es eine Übung war, war die Aufregung förmlich greifbar. „Die Anspannung hat man dem Kind angemerkt, obwohl es im Prinzip ein Fake-Anruf war. Aber das Ziel ist es, den Kindern die Angst vor dem Telefonat zu nehmen“, erklärte Sander den pädagogischen Hintergrund. Die Kinder sollen wissen, dass am anderen Ende der Leitung Profis sitzen, die besonders behutsam mit kleinen Anrufern umgehen.
Ausrüstungs-Check und die Angst vor dem „Darth Vader“-Effekt
Ein kritischer Punkt bei Einsätzen mit Kindern ist oft die Angst vor den Atemschutzgeräteträgern. Die Masken und das laute Zischen der Atemluft können auf die Kleinen bedrohlich wirken. Um diese Furcht zu nehmen, durften die Kinder live zuschauen, wie sich ein Feuerwehrmann ausrüstet. Sie hörten das Atemgeräusch aus der Flasche und sahen, dass unter der Maske immer noch ein freundlicher Mensch steckt.
Danach wurde es spielerisch: Die Kinder durften selbst in die Uniformen schlüpfen. Zwar gab es keine Spezialgrößen für Vorschulkinder, doch genau das machte den Reiz aus. „Die Kinder haben gemerkt, wie schwer unsere Uniformen eigentlich sind. Es war herrlich anzusehen, die Kleinen in Sachen zu sehen, die fünfmal so groß waren wie sie selbst“, schmunzelte Marvin Sander.
Wasser marsch und eine Rundfahrt zum Abschluss
Nach einer kurzen Stärkung mit Brezeln ging es zum praktischen Teil über. Auf der Wiese durften die Nachwuchs-Retter die Kinderspritze ausprobieren und selbst erleben, wie viel Kraft im Wasser stecken kann. Auch die Fahrzeuge wurden genau unter die Lupe genommen – inklusive Klettern in die Kabine und einer abschließenden Rundfahrt im Feuerwehrauto, was bei den 13 Vorschülern für leuchtende Augen sorgte.
Dieses Engagement der Abteilung Rotensol-Neusatz ist kein Einzelfall, sondern gelebte Tradition. „Das machen wir schon lange, seit über 10 Jahren, und es kommt immer gut an“, so Sander. Dass er und sein Team dafür ihre Freizeit oder gar Urlaubstage opfern, ist für sie Ehrensache.
Zum Abschied gab es für die tapferen Teilnehmer nicht nur eine Menge neues Wissen, sondern auch ein ganz besonderes Präsent: Einen Dienstplan für die „Feuerfüchse“, die Kinderabteilung der Feuerwehr. So bleibt die Verbindung zwischen den Brandschützern und den kommenden Erstklässlern hoffentlich noch lange bestehen – vielleicht sieht man das eine oder andere Gesicht bald bei den Feuerfüchsen wieder.