
Die Sulzer Michaelskirche ist als Wehrkirche von einer Mauer umgeben. Gegen das Agenbachtal ist diese sehr hoch und wurde in der Vergangenheit teilweise durch Vormauerungen stabilisiert. Seit Jahrhunderten ist das Mauerwerk dem Wetter, Wildwuchs und dem Zahn der Zeit ausgesetzt. Um die Standsicherheit des Mauerabschnitts Richtung Agenbachtal auch für die Zukunft sicherzustellen, soll die gesamte Talseite saniert werden.
Da in der „Unteren Straße“ in den nächsten Monaten Kanalarbeiten durchgeführt werden müssen, ist die notwendige Sanierung der Kirchenmauer in den Fokus gerückt. Stadt und Kirchengemeinde befinden sich im engen Austausch, um die beiden räumlich angrenzenden Maßnahmen aufeinander abzustimmen und so unerwünschte Wechselwirkungen auszuschließen. Nach Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und verschiedenen Fachleuten sind zur Festlegung der Sanierungsmaßnahmen nun zunächst der Aufbau der Mauer und die Untergrundverhältnisse zu analysieren. Welcher Erddruck lastet auf dem Mauerwerk und durch welche Bauweise wurde das Plateau, auf dem die Kirche steht, vor vielen Jahrhunderten abgesichert? Um diese Fragen zu beantworten wurden Mitte November Erkundungsbohrungen durchgeführt. Zunächst bauten die Fachleute ein Gerüst auf und entnahmen dem Mauerwerk in drei verschiedenen Höhen Bohrkerne. Bis zu drei Meter tief bohrten die Handwerker in die Mauer hinein.
Zwei Tage später kam die Mannschaft einer Geotechnik-Ingenieurgruppe und bohrte senkrecht ins Erdreich zwischen Kirche und Innenseite der Mauer. Mittels Sondierungen wurde an drei Punkten die Festigkeit des Untergrunds geprüft, an drei weiteren Punkten wurden wiederum Bohrkerne entnommen. Zwischen 9 und 15 Metern ging es in die Tiefe. Ist die Kirche nun also auf Fels oder auf Sand gebaut? „Weder noch“, lautet das vorläufige Ergebnis. Zwar ist man nicht auf Fels gestoßen, doch unter den obersten Erdschichten kam irgendwann ein relativ festes Gemisch aus verwittertem Tuffstein und teilweise Hangschutt zum Vorschein. Da die Kirche selbst keine Schäden aufweist, ist das Kirchengebäude offensichtlich fest gegründet, die Stabilität der Mauer muss aber dennoch für die Zukunft gesichert werden. Es bestehe zwar kein unmittelbarer Grund zur Sorge, so der Geologe, Handlungsbedarf sah er aber dennoch – vor allem mit Blick auf die anstehenden Straßenbaumaßnahmen und Tatsache, dass die innere Struktur des Mauerwerks zumindest stellenweise gestört ist. Nach entsprechender Auswertung der Untersuchungsergebnisse wird in Abstimmung mit der Denkmalsbehörde ein detailliertes Maßnahmenkonzept erarbeitet.