
„Wenn Sie nachts jemanden sehen, der in der Rheinstraße in Karlsruhe gräbt, dann könnten das mein Bruder und ich sein“, sagt Martin Wacker. Nun sind er und sein Bruder Harald bisher nicht durch illegale Tätigkeiten aufgefallen. Was also könnte sie veranlassen, das zu tun, was Martin Wacker mit einem Schmunzeln gesagt hat?
Ganz einfach: Sie suchen einen Schatz. Natürlich nicht irgendeinen, sondern den ihres Urgroßvaters Clemens Schleif. Was es damit auf sich hat, das beschreiben die beiden in ihrem Büchlein „Am Anfang war ein Schatz oder ‚Das Geheimnis des Clemens Schleif‘“.
„Am Anfang war ein Schatz“? Genau genommen war es eine Schatztruhe, eine kleine, rote Kassette in Familienbesitz. Darin befindet sich ein jahrzehntealter Ausschnitt aus der Karlsruher Tageszeitung mit dem Titel „Das Geheimnis des Clemens Schleif“.
Ein geheimnisvoller Schatz also! Clemens Schleif, geboren etwa 1834, war 1860 nach Amerika aufgebrochen und als gemachter Mann in seine Heimat zurückgekehrt. Ab 1887 ist er in den Karlsruher Adressbüchern verzeichnet. Von da ab, so schreiben die Brüder, sei sein Leben lückenlos dokumentiert. Unter anderem sei eben bekannt, dass er mit einem Goldschatz zurückgekommen sei, den er im Keller seines Hauses in der Rheinstraße vergraben habe.
Was jedoch genau in den USA geschah, das war in der Familie nicht überliefert. So reifte in Martin und Harald sehr, sehr lange die Idee, die Amerika-Jahre des Uropas mit Hilfe verschiedener Meldedaten und Dokumente im Internet und dann vor Ort in den heutigen USA zu recherchieren. „Es waren ausschließlich sogenannte Microfiches, also Kopien, mit handschriftlichen Aufzeichnungen, die im Internet zur Verfügung standen“, erinnert sich Harald Wacker. Doch das reichte als Reisegrundlage.
Zwei Wochen verbrachten die Brüder in der Gegend von Ellenburg, Kittitas County, Washington, in der sie Hinweise auf ihren Urgroßvater gefunden hatten. Sie fragten sich durch offizielle Büros, blätterten sich durch Archive, folgten handgezeichneten Schatzkarten, besichtigen Minen. Nicht zuletzt entdeckten sie, dass Clemens Schleif nicht nur Gold, sondern auch erstaunlich große Rinderherden und Weideflächen besessen hatten.
Harald Wacker (erfolgreicher Amateur-Fotograf) fotografierte, Martin Wacker (erfolgreicher Autor) schrieb. Der Text sei zuerst eigentlich nur für die Familie gedacht gewesen, so Martin Wacker. Dann jedoch sei er einem Verleger in die Hände gefallen und der habe sie ermutigt, ein Büchlein daraus zu machen.
„Wichtig war, dass wir stringent eine Geschichte erzählen, von der Flucht nach der badischen Revolution bis in die Gegenwart zu uns beiden“, sagt Martin Wacker. „60 Bilder hat sich der Verleger vorgestellt“, ergänzt Harald Wacker. „Ich hatte etwa tausend Fotos aus den USA mitgebracht und musste mich dann im Wesentlichen auf die beschränken, die zu Martins Text passten.“
Fotos aus der Amerika-Zeit des Clemens Schleif gibt es nicht, wohl aber hat Harald Wacker viele Dokumente aufbereitet. Gemeinsam haben sie aus ihren Recherchen und Bildern eine kleine, schöne, leicht zu lesende und lesenswerte Geschichte und Reise in die Vergangenheit erschafft.
Harald Wacker, Martin Wacker: Am Anfang war kein Schatz oder „Das Geheimnis des Clemens Schleif“. Zwei Brüder auf den Spuren ihres Urgroßvaters. Verlag regionalkultur 2025, 64 Seiten, 52 Fotos, Taschenbuch, ISBN 978-3-95505-565-3
