Nussbaum-Logo
NUSSBAUM+
Tiere, Natur & Umwelt

Bürgerbeteiligungen an Windparks: Irreführende Schlussfolgerungen

In einem kurzen Text übernimmt „Gegenwind Bergstraße“ zentrale Aussagen des Energieökonomen Manuel Frondel (RWI / INSM) zu Bürgerbeteiligungen...
Logo Energiewende Bergstraße.
Foto: T. Rinneberg

In einem kurzen Text übernimmt „Gegenwind Bergstraße“ zentrale Aussagen des Energieökonomen Manuel Frondel (RWI / INSM) zu Bürgerbeteiligungen an Windparks. Der Eindruck ist klar: Windenergie sei riskant, ineffizient, umweltschädlich und fürs Klima wirkungslos. Diese Darstellung hält einer genaueren Prüfung jedoch nicht stand.

Zunächst zum Autor: Manuel Frondel wird als neutraler Wissenschaftler präsentiert. Tatsächlich ist er seit Jahren öffentlich in Kampagnen gegen erneuerbare Energien aktiv. Auch sein Institut, das RWI, tritt wiederholt mit wertenden Stellungnahmen zur Energiewende auf.

Ein zentrales Argument von Frondel sind angebliche Wertverluste von Immobilien in der Nähe von Windrädern. Er stützt sich dabei vor allem auf eine eigene Studie, die jedoch methodisch umstritten ist – unter anderem, weil sie Angebotspreise statt tatsächlicher Verkaufspreise nutzt. Die internationale Forschung kommt überwiegend zu einem anderen Ergebnis: Es gibt keinen belegten, dauerhaften Wertverlust.

Auch der Vorwurf falscher Windprognosen ist nicht haltbar. Alte Schätzmethoden, auf die Frondel verweist, spielen heute keine Rolle mehr. Moderne Windparks werden mit jahrelangen Messungen, präzisen Strömungsmodellen und umfangreichen Sicherheitsabschlägen geplant. Frühere Fehler aus den Anfangsjahren der Windenergie lassen sich nicht auf heutige Projekte übertragen.

Dass Beteiligungen an Windparks Risiken haben, stimmt – aber das gilt für jede unternehmerische Beteiligung. Heute werden Windparks mit Versicherungen, Wartungsverträgen, Garantien und strengen Finanzprüfungen abgesichert. Windenergie ist hier kein Sonderfall.

Besonders irreführend ist Frondels Berufung auf den sogenannten „Wasserbett-Effekt“. Die dazu zitierte Studie der Universität Hamburg sagt nicht, dass erneuerbare Energien wirkungslos seien. Im Gegenteil: Sie zeigt, dass Klimaschutz im europäischen Emissionshandel funktioniert, wenn dieser richtig ausgestaltet ist.

Auch die Kritik am Referenzertragsmodell greift zu kurz. Die politische Umstellung der EEG-Förderung auf den Bundeshaushalt ist kein Beweis für wirtschaftliche Ineffizienz. Zudem werden die erheblichen staatlichen Hilfen und Folgekosten von Kohle, Öl und Gas vollständig ausgeblendet.

Fazit:
Der Text von Frondel – und seine verkürzte Wiedergabe durch „Gegenwind Bergstraße“ – vermittelt ein einseitig negatives Bild, das mit dem Stand der Forschung nicht übereinstimmt. Bürgerbeteiligungen an Windparks sind kein Selbstläufer, aber sie sind ein bewährtes Instrument für regionale Wertschöpfung, mehr Akzeptanz und wirksamen Klimaschutz. Wer das ignoriert, verzerrt die Debatte.

T. Rinneberg

Erscheinung
Mitteilungsblatt der Stadt Schriesheim
NUSSBAUM+
Ausgabe 06/2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
Orte
Schriesheim
Kategorien
Panorama
Tiere, Natur & Umwelt